Speyer Jungs an der Nähmaschine

Nicht so leicht: Schülerinnen bauen aus Kanthölzern eine Brücke.
Nicht so leicht: Schülerinnen bauen aus Kanthölzern eine Brücke.

Die Realschule plus in Dudenhofen hat gestern im Bereich Berufsorientierung einen neuen Weg eingeschlagen. Zum ersten Mal hat sie einen Berufe-Parcours angeboten. Das Ziel: Alle Schüler der siebten Klassen sollten ihre Stärken und Schwächen herausfinden und erste Bekanntschaft mit beruflichen Tätigkeiten machen. Auch alle Siebtklässler der Burgfeld-Realschule plus aus Speyer waren mit dabei.

Der Aufwand ist recht hoch, deshalb haben sich beide Schulen zusammengetan, erklärt Kerstin Scholl, Lehrerin und Pädagogische Koordinatorin in Dudenhofen. Die Fördervereine beider Schulen sowie die Arbeitsagentur haben den Berufe-Parcours unterstützt. Mädchengruppen, Jungengruppen: Die Geschlechter wurden bewusst getrennt, damit sie nicht an einer Station aufeinandertreffen. „Die Erfahrung zeigt, dass sich Mädchen dann vermehrt an technisch orientierte Stationen trauen und Jungs nicht von Stationen fernhalten, die eher frauentypischen Berufen zugeschrieben werden“, meint Hans Rheinnecker von der Genie-Fabrik. Dieser Bildungsanbieter hat den Berufe-Parcours entworfen. Nähen ist frauentypisch – noch. Christiane Langner-Feith, verantwortliche Lehrerin für Berufsorientierung in Dudenhofen, ist vom männlichen Geschlecht schwer begeistert. „Die Jungs zeigen viel mehr Geduld und Geschick“, sagt sie und zeigt die Vorlage mit Linien und Kurven, die drei „Herren“ von der Burgfeldschule exakt nachgenäht haben. Sehmus ist einer von ihnen und seine Begeisterung ist verhalten. Es sei komisch an der Nähmaschine, sagt er zunächst und meint dann doch, dass es ihm gefallen hat. Der Parcours umfasst 14 Stationen. An der Station „Bauen und Architektur“ sind Köpfchen und Geschick gefragt: Aus Kanthölzern soll eine sich selbst tragende Konstruktion errichtet werden. Einfacher ist da das Zählen von Schrauben, wie es bei einer Inventur gefordert ist. Außerdem sollen die Schüler an dieser Station „Kaufleute“ Fehler in einem Serienbrief finden. Bei „Service, Gastronomie, Hotel“ decken Hassan und Merad einen Tisch ein, wie es auf einem Bild gezeigt wird. Können sich die beiden vorstellen, später in dieser Branche zu arbeiten? Hassan schüttelt den Kopf. Anders denkt Glen. Er möchte Koch werden, sagt der Junge von der Dudenhofener Realschule. Deshalb will er es wissen und übt ein ums andere Mal, mehrere Teller mit kullernden Erbsen in einer Hand zu halten. Auch Emily und Selina probieren fleißig das Erbsen-Balancieren. „Macht Spaß“ und „ist lustig“, meinen die Mädchen.

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