Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Junge Mitarbeiter werben für Ausbildung im Rathaus

Im Azubi-Projekt tätig: Timea Hettmann, Lena Bauchhenß und Ausbildungsleiterin Alexandra Bayer.
Im Azubi-Projekt tätig: Timea Hettmann, Lena Bauchhenß und Ausbildungsleiterin Alexandra Bayer.

Für fast alle Arbeitgeber ist es anspruchsvoller geworden, ausreichend Personal zu finden. Die Stadtverwaltung Speyer hat mehr als 1200 Mitarbeiter und bildet in neun Berufen aus. Um junge Leute zu finden, geht sie neue Wege und will mit alten Vorurteilen aufräumen.

„Sie sind altersmäßig näher an der Zielgruppe, da fällt die Ansprache leichter.“ Alexandra Bayer, Ausbildungsleiterin der Stadtverwaltung, blickt auf ihre zwei jungen Kolleginnen Timea Hettmann (26) und Lara Bauchhenß (23). Sie gehören ebenso wie Lisa Märtz, Melissa Meyer, Annika Motz, Sarah Staiger und Julia Slouma zum behördeninternen Projektteam für die Azubi-Suche. Bei Schulbesuchen, Ausbildungsmessen oder Bewerbertrainings sind nun stets junge Beamtinnen unterwegs, um die Stadt als Arbeitgeber vorzustellen.

Es handelt sich jeweils um Absolventinnen der Bachelor-Studiengänge an der Hochschule für öffentliche Verwaltung. Nach dem ersten Jahr ziehen sie im RHEINPFALZ-Gespräch eine positive Bilanz. Das Projektteam ist zuletzt im Stadtrat auch von Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) für ihre Arbeit gelobt worden.

„Erst mal müssen wir mit Klischees aufräumen“, sagt Hettmann über ihre Einsätze. Viele Außenstehende glaubten, dass die Stadtverwaltung nur die immer gleichen Bürojobs anbiete, dabei gehe es auch um Berufe bis hin zum Elektroniker, Gärtner oder Informatiker. Verbeamtet seien etwa 140 Personen.

Stadthaus Speyer: begehrte Ausbildungsstätte.
Stadthaus Speyer: begehrte Ausbildungsstätte.

Und auch die klassischen „Verwaltungsleute“ seien in ganz unterschiedlichen Bereichen tätig – schon in der Ausbildung, aber auch danach. Es seien „Generalisten, die überall in der Verwaltung an den verschiedensten Stellen eingesetzt werden und immer wieder wechseln können“. Das zeige sich auch an der Besetzung des Projektteams, dessen Aktive unter anderem aus der Rechtsabteilung, der Hauptverwaltung, dem Standes-, Ordnungs- und Sozialamt sowie aus der Bauaufsicht kämen.

Wichtige Schul-Kontakte

Hettmann kümmert sich seit Abschluss ihrer Ausbildung 2020 in der Abteilung Sozialleistungen um Eingliederungshilfen, Bauchhenß ist seit 2022 in der Hauptverwaltung im Bereich „Digitale Verwaltung“ eingesetzt. „Wir treffen uns alle vier bis acht Wochen zu Sitzungen“, berichtet sie über die Arbeit der Projektgruppe.

Zunächst sei es um die Ideenfindung für die richtige Ansprache der Zielgruppe gegangen, dann um den Kontakt mit den Acht- bis Zwölfklässlern, an denen die Verwaltung interessiert ist. „Dass wir in die Schulen gehen, war schnell klar“, so Bauchhenß. Es habe aber auch andere Ideen gegeben, wie einen – noch nicht umsetzbaren – Imagefilm oder einen eigenen Berufsorientierungstag im Rathaus, der für das neue Jahr auf der Planung stehe. „Inzwischen kommen auch die Lehrer auf uns zu, das ist genau das, was wir wollten“, unterstreicht Bauchhenß.

Ausbildungsleiterin Bayer berichtet von einem schon länger spürbaren Rückgang an Bewerbern für die Jobs im Rathaus. Das betreffe allerdings nur die Quantität, nicht die Qualität. „Wir können uns bisher nicht über eine schlechte Bewerberlage beklagen.“ Für das neue Ausbildungsjahr seien etwa drei angehende Verwaltungsfachangestellte gesucht, jedoch fünf eingestellt worden, weil sie sich im Verfahren so bravourös geschlagen hätten. Bei den Elektronikern hingegen habe kein Zuschlag erteilt werden können. „Dass Speyer und die Atmosphäre in Speyer so schön sind, hilft auch der Stadtverwaltung Speyer weiter und macht sie als Ausbildungsstandort begehrt“, sagt Bayer.

Vorsorge ist besser als Nachsorge

Dadurch komme „erst jetzt so langsam an, was in anderen Verwaltungen schon viel früher der Fall war“: Die kleineren Jahrgänge und die starke Konkurrenz um junge Leute machten sich in einer sinkenden Anzahl an Bewerbungen bemerkbar. „Wir wollen präsenter sein“, nennt Bauchhenß als wichtiges Ziel des „Azubi-Projekts“. Es sei auch als Initiative zu verstehen, die einem Personalmangel in der Zukunft vorbeugt. Das Projektteam soll deshalb erhalten bleiben und auch immer mal wieder mit noch jüngeren Leuten aufgefrischt werden.

„Ich bin begeistert, wie engagiert sich diese Gruppe zeigt“, sagt Bayer. Das Team hat auch schon die Broschüren überarbeitet, die an Schulen verteilt werden, eine Online-Präsentation erstellt (www.speyer.de, Rubriken Rathaus, Jobs und Ausbildung, Ausbildung) und die Roll-up-Plakate für Berufsmessen erneuert. Interessenten sollten möglichst anschaulich erfahren, wie sie bei der Stadt ausgebildet werden können. Auch die Lehre selbst werde stets angepasst, so Bayer. Aktuell sei geplant, die Anzahl von bereits 25 Abteilungen als möglichen Ausbildungsstationen weiter zu erhöhen.

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