Speyer
Jugendverkehrsschule nicht mehr auf dem Stundenplan
Matthias Michel ist sauer. Der Vorsitzende der Verkehrswacht weiß nicht nur wegen seines ehrenamtlichen Engagements, wie wichtig die Schulungen auf dem Fahrrad für die Viertklässler in Speyer und Umland sind und wie gut mit der Aktion „Gib acht, Schulanfänger“ jedes Jahr die Erstklässler erreicht werden. Er ist nämlich als Polizeibeamter der Speyerer Inspektion genau für jene Angebote zuständig. Und er wäre bereit, sie jetzt nach der Schulöffnung fortzusetzen, wie er vor allem mit Blick auf die Fahrradausbildung betont: „Wir hatten alles durchorganisiert, die Abstandregeln wären einzuhalten.“ Allein: Das Land spiele nicht mit.
Kurz bevor am 5. Mai die nächste fünfwöchige Praxisphase der Jugendverkehrsschule in Speyer starten sollte, habe er die Absage des Landes erhalten, berichtet Michel als Vorsitzender der Verkehrswacht. In der Begründung werde darauf verwiesen, dass derzeit in den Schulen Corona-bedingt nur im Klassenverband unterrichtet werde und Parallelklassen nicht durchmischt werden dürften. Daher werde „davon abgeraten, die Schule mit der Durchführung der Radfahrausbildung zu belasten“.
Kritik an Formulierung
Michel hat so viele Argumente dagegen, dass er gar nicht weiß, wo er anfangen soll. So schule er generell im Klassenverband, meistens nochmals unterteilt in Gruppen. Außerdem sei das Angebot Teil des Regelunterrichts und könne daher auch kaum als Belastung angesehen werden. „Die Formulierung ist daher an sich schon bedauerlich.“ Er sei nach viel Einsatz soweit gewesen, auch für den Transport der Kinder aus anderen Schulen auf den Übungsplatz der Siedlungsschule Corona-sichere Lösungen zu finden.
„Der Fahrradunterricht hätte für die Kinder eine der wenigen Möglichkeiten geboten, sich in der Schule körperlich zu betätigen“, betont die Verkehrswacht in ihrer Mitteilung. Sie stellt heraus, wie wichtig vor allem die praktische Ausbildung für ein sicheres Verhalten der Kinder im Straßenverkehr sei. „Es bringt wirklich etwas im Sinne der Prävention“, so Michels Erfahrung, der hofft, dass das Land noch für dieses Schuljahr seine Meinung ändert. Die zuständige Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) konnte am Montag auf Anfrage noch keine Stellungnahme abgeben.
„Wassermax“ fällt aus
Abgesagt werden mussten bereits jetzt die vier „Wassermax“-Veranstaltungen, bei denen die Verkehrswacht, die Polizei und die Schulen mit einem Theaterstück in der Stadthalle seit Jahren die Erstklässler der Region auf die Herausforderungen im Straßenverkehr einstellen. Sie seien in der letzten August-Woche geplant gewesen, fielen aber mit je 200 Kindern eindeutig in die Kategorie der zumindest bis Ende August untersagten Großveranstaltungen, so Michel. Dazu kämen als weiteres Argument die Kosten von 6000 Euro unter anderem für Bus-Buchungen. „Das Risiko wäre auch finanziell für den Verein und für die Mitwirkenden nicht tragbar.“