Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Johanneskirche: Dringender Renovierungsbedarf im Gemeindehaus

Hier wurde bis 1982 regelmäßig Hochzeit oder Konfirmation gefeiert: Pfarrerin Corinna Schauder und Pfarrer Udo Müller aus der Jo
Hier wurde bis 1982 regelmäßig Hochzeit oder Konfirmation gefeiert: Pfarrerin Corinna Schauder und Pfarrer Udo Müller aus der Johanneskirchengemeinde sitzen im großen Gemeindesaal.

Wohnzimmer der Kirche (7): Mit rund 3600 Mitgliedern ist die Johanneskirchengemeinde die größte protestantische Gemeinde in Speyer. Sie braucht für ihr reges Leben viel Platz im Gemeindehaus. Den gibt es auch – allerdings mit dringendem Renovierungsbedarf.

„Das Gemeindehaus stand schon 14 Jahre vor der Kirche“, berichtet Pfarrer Udo Müller von der Grundsteinlegung 1968. Damals waren weder er noch seine Pfarr-Kollegin Corinna Schauder für die Geschicke der Johanneskirchengemeinde zuständig. Beide haben sich in die Geschichte ihres Gemeindehauses eingelesen und dabei entdeckt, dass das Bibelwort „Ich bin das Licht der Welt“ aus dem Johannesevangelium Haus und Kirche sehr gut vereint.

Noch heute nutzen die Protestanten in Speyer-West den großen Saal des Gemeindehauses für religiöse und kulturelle Veranstaltungen. „Bis zum Kirchenbau 1982 wurde im Gemeindehaus geheiratet, Weihnachten, Ostern und Konfirmation gefeiert, das Gemeindeleben organisiert“, sagt Müller. „Damals gehörte Speyer-West noch zu Dudenhofen“, erklärt er das große Einzugsgebiet der Kirchengemeinde. „Auch die Katholiken haben hier ihre Gottesdienste gefeiert“, berichtet Schauder von gelebter Ökumene bis zur Fertigstellung der katholischen Kirche St. Hedwig 1974.

An Weihnachten verdoppelt

Ein Hausmeister und zwei Reinigungskräfte kümmern sich um die Pflege des Gemeindehauses mit Nordsaal, Foyer, Seminarräumen, Sitzungssaal, Küchen, Büro und Keller sowie um das weiträumige Gelände. Eine Falttür trennt großen Saal und Kirche. „Wenn wir sie beispielsweise zum Weihnachtsgottesdienst öffnen, wird die Kirche doppelt so groß“, sagt Müller. Atmosphäre, Verbundenheit und Funktionalität fänden sich im gesamten Komplex wieder. Alter Baumbestand, Wiesen und der Innenhof umrahmten das mittlerweile in die Jahre gekommene Gebäude.

Gemeinsam mit ihrem Kollegen ist Schauder für Planung, Ausstattung, Belegung und Kosten des Gemeindehauses zuständig. Jährlich gibt die Kirchengemeinde 21.000 Euro für das Personal aus, für Energie 15.000 Euro. Die Energie, die die Photovoltaikanlage auf dem Dach des Hauses seit acht Jahren speichert, habe sich längst bezahlt gemacht, betont Müller. Viele ehrenamtliche Stunden hätten Gemeindemitglieder in den Erhalt des Hauses gesteckt, betont Müller: „Beispielsweise haben sie vor zwölf Jahren alle Räume gestrichen.“

„Unser Gemeindehaus hat dringenden Renovierungsbedarf“, sagt er. Nach mehr als 50 Jahren sei das auch kein Wunder. Manches könnte teuer werden, einige anstehenden Arbeiten seien finanziell überschaubar. Müller bedauert, dass die ursprünglich für die Jugendarbeit konzipierten und genutzten Kellerräume aus Brandschutzgründen künftig nur noch als Lager nutzbar sind. „Tischfußball wird es deshalb im Gemeindehaus nicht mehr geben.“

Vor Pandemie oft vermietet

Trotz der Tendenz der Protestantischen Landeskirche, Gemeindehäuser zu verkleinern, bleiben Schauder und Müller hinsichtlich ihrer Räume zuversichtlich. Bis zum Pandemie-Beginn seien sie regelmäßig für Veranstaltungen und Kurse vermietet worden. Kindergottesdienste, Bastel- und Bibelkreise sowie Sitzungen des Presbyteriums und des Bauvereins fanden regelmäßig im Gemeindehaus statt. Im großen Saal feierte Müller regelmäßig „Zweiten Gottesdienst“, Schauder die kulturelle Reihe „Kunst im Turm“ und den Kinderkirchentag. Und seit mehr als einem Jahrzehnt stellt die Johanneskirchengemeinde regelmäßig der „Aktion Weihnachtslicht“ alle Räume am Heiligen Abend zur Verfügung.

„Wir bleiben Kirche zum Anfassen“, ist die Pfarrerin überzeugt. Für Müller ist das Gemeindehaus eine „eigene Welt, in die Speyerer aus allen Stadtteilen gerne eintauchen“.

Die Serie

Kirchliche Gemeindesäle haben eine besondere Bedeutung. So mancher Bürger hat hier viel Zeit verbracht. Aufgrund von Sparzwängen werden die Räume zunehmend in Frage gestellt. Die Serie blickt in diese „Wohnzimmer“ der Kirchen.
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