Speyer
Investor erweitert Idee für Häuser am Wartturm
Im ersten Anlauf war eine Bauvoranfrage von Luma abgelehnt worden. Einer der Gründe: Der Wohnanteil in dem ursprünglich gewerblichen geprägten Gebiet sei zu hoch. Über die Jahre waren dort aber ohnehin auch viele Wohnungen entstanden, sodass eine Mischung 53 Prozent Wohnen, 47 Prozent Gewerbe, wie sie Luma jetzt vorschlägt, für die Stadt wohl in Ordnung wäre. In das Konzept wurden zusätzliche Grundstücke einbezogen, sodass es – bis auf eine derzeit nicht verfügbare Fläche – das gesamte Gebiet zwischen Wormser Landstraße, Im Neudeck und Schwarzer Weg umfasst. Die Fläche beträgt mehr als das Doppelte der 6000 Quadratmeter allein für das Gelände der früheren Firma Holtzmann, die auf technische Papiere spezialisiert war.
Luma trete jetzt „erst mal als Projektentwickler“ auf, betonte Geschäftsführer Thomas Mödersheim. Drei Varianten hat er vorige Woche im städtischen Planungs- und Gestaltungsbeirat vorgelegt. Laut Kerstin Trojan vom Stadtplanungsamt werden zwei davon für möglich gehalten. Die weniger dicht bebaute davon werde favorisiert. Sie enthält zum Neudeck hin ausgerichtete Gebäude mit dem Schwerpunkt Wohnen, aber der Möglichkeit zu Gewerbe in den unteren Geschossen. Entlang der Wormser Landstraße wären es drei Blöcke für Gewerbezwecke. Vor allem deren Anordnung unterscheidet sich in den einzelnen Varianten; denkbar wären für Luma auch zwei größere Häuser. Rund 70 Wohnungen mit laut Mödersheim unterschiedlichen Größen, aber im Durchschnitt 90 Quadratmetern, ergeben laut Konzept 6374 Quadratmeter auf drei Ebenen. An Gewerbe sind es 5725 Quadratmeter. Dazu kämen eine Tiefgarage mit 3500 bis 4000 Quadratmetern unter dem gesamten Quartier und Kellerräume.
„Erstes Zwischenergebnis“
Vorgelegt werde nun ein „erstes Zwischenergebnis“ der Planungen von drei Büros, sagte Mödersheim. Motto ist für ihn „Quartiers-Vitalisierung durch Wandlung“. Ziel sei ein Mischgebiet mit Wohnen und nicht störendem Gewerbe. Die Häuser hätten überwiegend drei Geschosse, zur Wormser Landstraße hin noch ein Sattelgeschoss obendrauf. So hoch seien die Gebäude dort heute schon. Andreas Müss als weiterer Luma-Geschäftsführer bezeichnete die bauliche Situation heute rund um den historischen, vom Projekt unberührt bleibenden Wartturm (Fasnachtsmuseum), als teilweise „furchtbar“. Geplant seien deutliche Verbesserungen mit viel Begrünung zwischen den Häusern.
Vor allem beim Verhältnis der geplanten Neubauten zum Wartturm und beim Freiraumkonzept sahen die vom Stadtrat bestellten Experten im Gestaltungsbeirat noch Konkretisierungsbedarf. Sie regten die Einschaltung von Landschaftsarchitekten und Freiraumplanern an und wollen in einem späteren Stadium die Pläne nochmals vorgelegt bekommen, bevor die politischen Entscheidungen dazu fallen. „Wollen Sie die Gebäude einfach in eine große Wiese stellen?“, fragte Mitglied Christina Simon-Philipp nach.
„Der Turm müsste stärker ins Konzept aufgenommen werden“, so Mitglied Edda Kurz. Kollege Luca Kist sah den Bestandteil der früheren Landwehr als „Wahrzeichen, das aus vermarktungstechnischer Sicht noch unter Wert verkauft wird“.
RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler
Kann nicht schaden
Einst kamen kritische Stimmen aus dem Rathaus zum Bauvorhaben auf dem Holtzmann-Gelände. Jetzt sucht der Investor das Einvernehmen mit der Verwaltung. Schaden kann das nicht. Die Lage ist nicht optimal, aber wenn es genügend Nachfrage für Wohnen und Gewerbe auf diesem Gelände gibt, nützt das Speyer mehr als eine teilweise Brachfläche.
