Harthausen RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Harthausens Frauen-Fußballtrainer André Grüner

Spielen Landesliga: André Grüner (rechts) und die SG Harthausen/Weingarten.
Spielen Landesliga: André Grüner (rechts) und die SG Harthausen/Weingarten.

Der ASV Harthausen und der SV Weingarten werden in der neuen Saison als SG ASV Harthausen 1946/SV Weingarten 2007 in der Frauen-Landesliga an den Start gehen. Im Interview mit Nico Henrich erklärt Trainer André Grüner die Gründe für die Spielgemeinschaft, spricht über das Aussterben des Frauenfußballs sowie die neue Konkurrenz beim FV Hanhofen.

Wie kam es zu der Spielgemeinschaft?
Wir beim ASV Harthausen waren uns schon sicher, dass wir mit einer Neuner-Mannschaft an den Start gehen. Das war auch schon alles so abgeklärt. Aus meiner Zeit als Spieler beim SV Weingarten habe ich noch Kontakt dorthin. Auch der SVW hatte zu wenige Spielerinnen. Spielleiter Norman Schmerbeck kam auf mich zu. Letztes Jahr haben wir bei einem Bier den ersten Schritt gemacht und aus Spaß mal darüber gesprochen. Jetzt haben wir uns zusammengesetzt, Probetrainings gemacht und die Spielgemeinschaft beschlossen. Weingarten hat eine junge, talentierte Mannschaft und wollte den Schritt wagen. Außerdem verstehen wir uns alle sehr gut und freuen uns auf die neue Saison.

Was erhoffen Sie sich von der neuen Kooperation?
Ich hoffe, dass der Spaß wieder zurückkehrt. Für die Spielerinnen und für mich als Trainer war es letzte Saison sehr anstrengend, immer zu schauen, ob genug Spielerinnen beim Training oder beim Spiel da sind. Außerdem haben wir nicht so abgeschnitten, wie wir wollten. Dieses Jahr wollen wir den ein oder anderen Verein ärgern.

Wieso machen Sie trotzdem als Cheftrainer weiter?
So beende ich das nicht. Ich habe von Rebecca Alt eine intakte Mannschaft übernommen. Die Mädels wollten mich behalten. Ich wollte auch weitermachen. Also, weiter geht’s.

Wo wird trainiert und gespielt?
Das ist immer abwechselnd. Nach Corona können wir das dann auch besser planen, wenn wieder klarer ist, wie es weitergeht. Ein großer Vorteil ist, dass wir im Winter nicht mehr auf den Hartplatz müssen.

Welche Ziele haben Sie mit der neuen Truppe in der Landesliga?
Ich habe mir keine bestimmte Platzierung vorgenommen. Wir wollen auf jeden Fall nicht so da stehen wie letzte Saison, sondern ein paar Punkte mehr holen.

Welche Besonderheiten gibt es im Umgang mit einer Frauenmannschaft?
Viele, es ist etwas anderes, als wenn man Männer trainiert. Man braucht bei den Frauen mehr Feingefühl und muss definitiv mehr kommunizieren. Trotzdem wollen sie Fußball spielen, genau wie Herren auch. Auf jeden Fall wird nicht so viel gemeckert und gepienst wie bei den Männern. Die Mädels bluten, brauchen ein Tempo, und dann geht’s weiter. Natürlich ist die Qualität eine andere. Das Spiel ist langsamer. Der Leistungsunterschied ist groß. Aber Frauen geben immer 120 Prozent und lassen niemals den Kopf hängen.

Immer mehr Spielgemeinschaften und ein Rückgang in der Jugend, stirbt der Frauenfußball aus?
Ich glaube nicht, dass er ausstirbt. Nach der Frauen-WM im eigenen Land gab es einen Boom. Der ist langsam verflogen.

Was reizt Sie daran, eine Damenmannschaft zu trainieren?
Ich lebe für den Fußball, spiele selbst, seit ich ein kleines Kind bin. Als Jugendtrainer hatte sich die Chance bisher nie ergeben. Meine Frau hat beim FC Speyer gespielt. Dort habe ich dann das Torwart-Training übernommen, und ab und an die dritte Mannschaft gecoacht. Beim ASV Harthausen bekomme ich jetzt mein eigenes Engagement als Spieler und das als Trainer gut unter einen Hut.

Wie bewerten Sie den Verlauf der abgelaufenen Runde?
Wenn wir im Training sowie im Spiel vollständig waren, dann konnten wir oben mithalten. Die Mädels hatten eine Riesenmoral und haben nie aufgegeben, so wie beim 2:3 gegen den Tabellen-Zweiten TuS Knittelsheim. Wir haben auch Tabellenführer Fortuna Göcklingen fast ärgern können, als wir beim 0:2 ein Tor in der ersten und eines in der 90. Spielminute bekamen, oder gegen den Tabellen-Dritten VfL Hainfeld, denen wir ein Remis abverlangt haben. Wir haben teilweise Spiele verloren, weil wir mit elf Frauen angereist sind. Eine hat sich verletzt und dann mussten wir in Unterzahl weiterspielen. Ohne arrogant klingen zu wollen, behaupte ich, dass wir, wenn wir vollständig gewesen wären, oben mitgespielt hätten.

Ist der Kader schon komplett?
Weitere Spielerinnen sind immer willkommen. Wir haben ein paar Abgänge. Ein großes Problem ist die Position der Torhüterin. Das macht mir am meisten Kopfweh. Da brauchen wir dringend noch jemanden. Wir sind eine junge, engagierte Mannschaft, wo jeder Bock hat und 120 Prozent gibt. Ich als Trainer bin ebenfalls noch nicht so alt und mache auch mal den ein oder anderen Spaß. Wir haben drei Rasenplätze zur Verfügung, sind ambitioniert und leben von der Kameradschaft.

Nicht nur in Harthausen wird Frauenfußball gespielt, sondern von nun an auch beim FV Hanhofen mit früheren Dudenhofenerinnen.
Davon habe ich nur über Ecken mitbekommen. Der Kontakt kam nie zustande. Ich habe das letztendlich über Social Media erfahren. Aber Harthausen gegen Dudenhofen ist ein Derby. Da waren immer viele Emotionen dabei. Ich denke, das wäre sowieso schwierig geworden.

Zur Person

André Grüner kam am 1. Juli 1994 in Speyer zur Welt und wohnt in Dudenhofen. In der Jugend kickte der Torwart für den FV Dudenhofen, TuRa Otterstadt und den ASV Speyer, wo er seine ersten Schritte in der Aktivität ging. Anschließend spielte er noch mal für Dudenhofen und kam über den SV Weingarten zum ASV. Hier kickt Grüner in der ersten Mannschaft. Der Forstwirt der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen ist verheiratet, Fan des 1. FC Kaiserslautern und engagiert sich bei der Freiwilligen Feuerwehr in Dudenhofen.

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