Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Internationale Musiktage beginnen mit Mozarts Requiem

Wahrscheinlich die letzten Noten, die Mozart geschrieben hat: die ersten fünf Takte des Lacrymosa am Ende der Sequenz im Requiem
Wahrscheinlich die letzten Noten, die Mozart geschrieben hat: die ersten fünf Takte des Lacrymosa am Ende der Sequenz im Requiem. Nach drei weiteren Takten bricht das Fragment ab.

Am Samstag beginnen die Internationalen Musiktage Dom zu Speyer. „Himmlisches Jerusalem“ ist das Thema. Gefeiert wird das Jubliäum, dass der Dom vor 40 Jahren Unesco-Weltkulturerbe wurde. Im Eröffnungskonzert erklingt Mozarts unvollendetes Requiem.

Wer sind die Ausführenden am Samstag, 18. September, um 18 und um 20 Uhr bei dem Doppelkonzert im Dom?
Domkapellmeister Markus Melchiori, der künstlerische Leitung der Musiktage, steht am Pult. Solisten sind Martina Nawrath, Sopran, Anne Bierwirth, Alt, Christian Dietz, Tenor, und Manfred Bittner, Bass. Es singt der Domchor Speyer, es spielt auf Originalinstrumenten das Barockorchester L’arpa festante.

Wo gibt es Karten?
In der Dom-Info, der Tourist-Info 06232 142392, allen Reservix-Stellen, www.reservix.de und beim RHEINPFALZ-Ticket-Service, 0631 3701-6618, ticketservice@rheinpfalz.de.

Wie entstand Mozarts Requiem?
Der Meister erhielt 1791 vom Boten eines misterösen Adeligen den Auftrag, eine Totenmesse zu schreiben. Der Auftraggeber, Graf Franz von Walsegg, gab gerne bestellte Musikstücke für seine eigenen aus. So sollte es bei dem Requiem auch sein.

Warum ist das Werk ein Fragment?
Mozart komponierte im Laufe des Jahres 1791, in dem unter anderem die Opern „Titus“ und „Zauberflöte“ entstanden, der dem Requiem. Als er am 5. Dezember 1791 starb, waren aber große Teile des Werks noch nicht festig. Komplett hat Mozart nur Introitus und Kyrie geschreiben, von der Sequenz und dem Offertorium komponierte er nur den Vokalsatz, den Bass und einige kurze instrumentale Andeutungen. Vom Lacrymosa am Ende der Sequenz gibt es sogar nur acht Takte. Ob und welche Skizzen es von Mozart zu Sanctus, Benedictus, Agnus Dei und Communio gab, ist nicht ganz zu klären. Am Ende der Sequenz hätte es eine Fuge geben sollen. Dazu gibt es eine Skizze.

Warum hören wir heute dann aber ein vollständiges Stück?
Nach Mozarts Tod war seine Witwe Constanze aus finanziellen Gründen bemüht, den Auftrag des Grafen zu erfüllen. Sie fragte Schüler Mozarts, ob sie das Fragment vervollständigen würden. Franz Xaver Süßmayr war dann dazu bereit und ergänzte die fehlenden Teile. An die Amen-Fuge traute er sich aber nicht heran.

Gibt es auch andere Versionen?
Ja, Süßmayr war mit Mozart bekannt und konnte womöglich noch Skizzen von ihm einarbeiten. Ein begnadeter Komponist war er aber nicht. So wurde seine Fassung immer wieder kritisiert. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden alternative Fassungen, allerdings im Abstand von fast zwei Jahrhunderten. Franz Beyer hat beispielsweise einige Unebenheiten von Süßmayr verbessert (Jos van Immerseel hat sie 2007 in Speyer dirigiert). Zum Mozart-Jahr 1991 legte Robert Levin seine Fassung vor – 2002 erklang sie unter Sir Roger Norrington auch in Speyer –, die eine Amen-Fuge und weitere über Süßmayr hinausgehende Lösungen bringt.

Welche Fassung erklingt am Samstag im Dom?
Domkapellmeister Markus Melchiori hat sich für die Konzerte im Dom für die Süßmayr-Version entschieden, weil diese – wie er sagt – zeitlich am nächsten an Mozart dran ist.

Eröffnungskonzert 2020.
Eröffnungskonzert 2020.
Das Barockorchester L’arpa festante.
Das Barockorchester L’arpa festante.
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