Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel In der Stadt gibt es eine Bier-Tradition

Steht heute längst nicht mehr: Die ehemalige Brauerei Schwartz-Storchen in Speyer.
Steht heute längst nicht mehr: Die ehemalige Brauerei Schwartz-Storchen in Speyer.

STADTGESCHICHTE(N): Die Stadt Speyer hat eine Bier-Vergangenheit. Nach schlechten Weinlese-Jahren in den Wingerten um die Domstadt holte der Stadtrat 1438 einen Brauer aus Bamberg, „um in Mangels Wein Bier zu sieden“.

In den Annalen der Stadt wird schon 1349 ein „Bierungelt“ erwähnt, eine Biersteuer. Nach Unterlagen des städtischen Archivs gab es 1658 in Speyer acht „Bierhäuser“, demnach Wirtschaften mit Sudbetrieb. Zwischen 1770 und 1880 sind neun und elf Kleinbrauereien erwähnt, zum großen Teil mit Gastwirtschaftsbetrieb. Da nicht alle mit ihrem Umsatz zufrieden waren, und sich von einem Zusammenschluss mehr versprachen, formierten sich am 20. April 1886 zehn größere und kleinere Brauhäuser zum gemeinsamen Angriff auf durstige Kehlen.

Die Fusion bildeten die Bayerische Brauerei-Gesellschaft vormals H. Schwartz, Zum Storchen AG, Zur Sonne vormals H. Weltz, das Speyerer Brauhaus vormals Schultz, die Löwenbrauerei AG vormals J. Busch/Annweiler und mehrere Kleinbrauereien, die nur für ihre Hauswirtschaften siedeten. Nach dem Ersten Weltkrieg sorgten sich neben der Brauerei Schwartz-Storchen AG noch die Brauhäuser Anker und Stern um den Bierdurst der Speyerer, ab 1935 gab es nur noch Schwartz-Storchen und Anker. Dort wurde ab Anfang der 1970er-Jahre nicht mehr gebraut.

1969 kam die Schwartz-Storchen-Produktion zur Eichbaum-Brauereien AG Mannheim. Als dieses Unternehmen am 1. Januar 1970 das inzwischen übernommene Schwartz-Storchen-Brauhaus schloss, war bis zur Eröffnung der Domhof-Hausbrauerei am 26. August 1988 die über 530 Jahre andauernde Speyerer Bierbrau-Tradition erloschen.

Groß war die Anzahl der Bierbrauer, Brauereien und Wirtschaften mit Bierausschank zwischen 1770 und 1914 in der Domstadt. So heißt es in dem Buch des früheren Speyerer Archivrats Albert Pfeiffer „Entwicklung des Brauwesens im allgemeinen und insbesondere der Stadt Speyer“.

So viele Bierbrauer gab es

Um 1770 als Bierbrauer (mit Wirtschaftsbetrieb, dazu kamen 21 Gasthäuser ohne Braubetrieb) gemeldet waren: Wilhelm Adam, Stern; Esajas Buschberger, Goldenes Kreuz in der Carlsgasse, nachmals Johannes Müller und Philipp Christian Schultz; Andreas Brinckmann, Krone; Johannes Jakob Deines, Rössel in der Salzgasse mit einem Bierhaus in der St.-Johannes-Gasse; Johannes Henning, Bierhaus in der St.-Johannes-Gasse; Friedrich Wilhelm Kümmich, Zu den drei Königen, Senator Justus Medes, Zum Adler; Philipp Jakob Wille, Fässel in der Lauergasse mit einem Brauhaus auf dem Markt und Georg Weiß, Wirt und Bierbrauer in der Hundsgasse (heute Gutenbergstraße).

Um 1880 sind neun Bierbrauerein aufgeführt: Adam Spatz in der engen Gasse, Bartholomäus Steiner Witwe in der Salzgasse, Jakob Klump in der Salzgasse, Georg Weingand am Kornmarkt, Adam Diemer in der Wormser Straße, Friedrich Schreier in der Treuengasse, Daniel König in der Korngasse, Johannes Müller Erben in Karlsgasse, Caspar Freyburger in der Hauptstraße (später Maximilianstraße). Dazu kamen 21 Wirtschaften, teilweise mit Braubetrieb.

Im 19. Jahrhundert als Brauereien genehmig waren: 1820 Peter Anton Gescheider in der Poststraße, 1821 Johann Schwesinger im Roten Viertel Nr. 150, 1823 Georg Friedrich Villmann im Weißen Viertel Nr. 22, 1823 Georg Friederich Weltz im Weißen Viertel Nr. 5 (im ehemaligen Rougemontschen Hause), 1839 Philipp Ludwig Müller in der Wormser Straße Nr. 188, 1841 Heinrich Schultz jr. in der Wormser Straße Nr. 183.

1868/69 weist das Adressbuch der Stadt Speyer an Bierbrauern aus: Johann Biersack, Ludwig Dilg, Jean Eppel, Karl Fehn, Wilhelm Häußler, Jean Hahn, Gebrüder Hauser, Georg Kayser, Jakob Krafft, Ignatz May, Heinrich Moos, Martin Moos, Friedrich Schirmer, Heinrich Schultz Witwe, Heinrich Schwartz. Jakob Schwesinger, Christian Sick, Friedrich Villmann, Heinrich Weltz, Wilhelm Weltz Witwe. Davon als „Etablissements mit Dampfkraft“ registriert sind: Bierbrauerei von Heinrich Weltz, Bierbrauerei von Christian Sick, Bierbrauerei von Heinrich Schwartz. Genannt sind ferner sechs Gastwirte, drei Kaffeewirte, 34 Speise- und Getränkewirte, zwei Branntwein-Wirte und ein Kostgeber.

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