Speyer Im Sommer Milchabsatz verdoppelt
Erfrischende und gesunde Milch? Die gibt es doch im Supermarkt. Das war nicht immer so. Dass es in Speyer eine Molkerei gab, wissen wohl nur noch die wenigsten. Sie hat vor 45 Jahren ihren Betrieb eingestellt.
Im Jahr 1934 gegründet, wechselte die Molkerei 1942 von der Unteren Langgasse in einen Neubau in der Dudenhofener Straße. Damit gehörte der „wilde Milchhandel“ der Vergangenheit an, bei dem fliegende Händler von Tür zu Tür gingen, um den Bewohnern ihre flüssige Ware unter nicht immer hygienischen Voraussetzungen anzubieten. Dem Genossenschaftsbetrieb in Speyer, dem rund 3000 Milcherzeugerbetriebe verbunden waren, schloss sich 1963 die Molkerei Kuntz aus Hayna an. Der Einzugsbereich der Molkerei reichte nun bis zur französischen Grenze und im Westen bis Kaiserslautern. Der Rückgang an Rohmilch führte aber dazu, dass Speyer 1970 mit der Pfalzmilch Südwest Kaiserslautern fusionierte. Vorbei waren damit die Zeiten, in denen die Molkerei Speyer an normalen Tagen durchschnittlich 14.000 Liter, in Hitzeperioden bis zu 30.000 Liter Trinkmilch auslieferte. Wenn es ähnlich warm war wie jetzt, wurden an Joghurts täglich 5500 statt normalerweise 2500 Becher und an Buttermilch 7000 statt 1000 Becher nachgefragt. Der Absatz von Frischkäse stieg an diesen Tagen von 1000 auf 2500 Kilo. An heißen Tagen war aus Zweibrücken und aus Landstuhl sowie aus dem bayrischen Landshut Frischmilch zugekauft worden. Bereits Ende der 1960er Jahre war befürchtet worden, dass die Molkerei Speyer bald schließen würde. Am 1. Juni 1973 wurde dann die Arbeit tatsächlich eingestellt. Die gesamte Produktion wurde in ein neues Milchwerk in Kaiserslautern verlagert. Der Raum Speyer wurde in den Folgejahren von der Pfalzmilch Südwest mit Molkereiprodukten versorgt, vor Ort gab es nur noch ein Auslieferungslager. Von einst 28 sind nur noch 15 Mitarbeiter beschäftigt worden. Es fehlte, so Molkereidirektor Herbert Hildebrandt und Geschäftsführer Werner Stibig 1973, an bäuerlichen Betrieben, die ausschließlich Milchwirtschaft betrieben. Die Spezialisierung auf Sonderkulturen war letztlich für die Landwirte lukrativer als die Haltung von Milchkühen. In Harthausen setzten sie auf Tabak, in Otterstadt auf Frühkartoffeln, in Dudenhofen auf Spargel, in Römerberg auf Obst und Gemüse. Dabei scheiterte die ursprüngliche Absicht, einen Verarbeitungsbetrieb in Speyer anzusiedeln, am fehlenden Entgegenkommen der Stadt. Die Molkerei war, so wurde kritisiert, ein „Stiefkind“. Im Jahr 1978 lieferte das Auslieferungslager Speyer monatlich noch 82.000 Liter Vollmilch und 157.000 Liter H-Milch. Hinzu kamen 50.000 Becher Joghurt, 13.000 Liter Sahne, 29.000 Kilo Quark und 34.000 Kilo Butter. Der Jahresumsatz lag bei 10 Millionen Mark. Die Mitarbeitervertretung argumentierte, dass das Lager hätte weitergeführt werden können, wenn richtig kalkuliert und gewirtschaftet worden wäre.