Speyer „Im Mund wie Styropor“
Dudenhofen. Volker Westermann, Förster im Revier Pfälzer Rheinauen, faszinieren Pilze „von Kindesbeinen an, vor allem wegen ihrer Ästhetik und Vielfalt, weniger geschmacklich“, wie er erzählt. Am Mittwochnachmittag hat er sich gemeinsam mit den Fotofreunden 60 plus des Seniorenbeirats Dudenhofen vom Parkplatz an der Ganerb aufgemacht zur Pilzexkursion in den Wald.
marschiert mit dem Sammlerkorb vorweg, die sieben Hobbyfotografen folgen ihm mit ihren Kameras um den Hals. Ein Birkenporling kommt in Sicht. Wächst, am Namen auch für Laien kenntlich, an abgestorbenen Birken, „die Frucht außen sichtbar, das eigentliche Lebewesen im Stamm“, erläutert Westermann und meint damit das die Pilze versorgende dünne Netzgewebe unterhalb der Erde. Der Birkenporling soll, richtig zubereitet, den Magen beruhigen. Westermann erzählt zur Gattung: „Den kannte schon Ötzi und hatte ihn in seinem Rucksack.“ Einen getrockneten verwendet der Förster Zuhause als Nadelkissen. Schnell macht Westermann weitere Pilzarten aus: den „Dudenhöfener Charakterpilz“ Ohrlöffelstachling etwa. Der ist klein, unscheinbar und hat an der Unterseite Stacheln. Im Moos werden Schwindlinge sichtbar, die bei Trockenheit schrumpfen und sich einigeln. Auf Totholz wächst der rotrauchige Wurzelschwamm. Westermann schneidet einen auf und sagt: „Riecht nach Schwimmbad.“ Einen Hobbyfotografen erinnert der Modergeruch an Schweißfüße. Gegründet haben sich die Fotofreunde 60 plus vor einigen Monaten. Initiator Peter Lorenz, Mitglied im Seniorenbeirat der Ortsgemeinde Dudenhofen, zählt aktuell fünf bis sieben Leute, die sich jeden ersten und dritten Montag eines Monats im Untergeschoss des Rathauses treffen. Weitere Teilnehmer seien erwünscht, sagt er. Die „Profis“ empfehlen: Pilze nicht von oben ablichten, sondern nur auf „Augenhöhe“, so nah wie möglich herangehen, nie Blitzlicht verwenden, sie wegen der Belichtung am Waldrand, auf offenem Gelände fotografieren, auf den Hintergrund, die Gräser, Blätter, Äste achten. Weiter geht es auf Böhl-Iggelheim zu. Hauptsächlich Parasolpilze kreuzen den Weg der Wanderer. Paniert zubereitet ist der Parasolpilz im Geschmack dem Wiener Schnitzel ähnlich, der Stil ist getrocknet und zerrieben ein aromatisches, bekömmliches Würzmittel. Westermann erläutert: „Es gibt mehr Pilz-, als Pflanzenarten. Wo Leben ist, sind auch Pilze, die das Leben zersetzen.“ Allein vom Birkenröhrling sind 50 bekannt, an Großpilzen mindestens 500. Zum Sammeln und Zubereiten eignen sich etwa zwei Dutzend. Genau so viele seien giftig. Den letzten Vergiftungsfall (Knollenblätterpilz) im Revier gab’s vor zwei Jahren in Germersheim. Westermann macht einen mit dem Perigordtrüffel verwandten Hirschtrüffel aus und warnt: „Aber leider nicht so schmackhaft, eher zum Speien.“ Was auch auf die optisch ansprechende, dankbar zu fotografierende Ochsenzunge zutreffe: „im Mund wie Styropor.“ Helmlinge werden abgelichtet, die geweihförmige Holzkeule, der abgebrannte Rauchporling. Aus seinem Korb holt Westermann die präparierten Raritäten: einen glänzenden Lackporling („Findet man alle paar Jahre mal“) und den Grünspanbecherling („Färbt das Holz blau“). Gesucht, aber am Mittwoch nicht gefunden, hat Westermann Steinpilze, Pfifferlinge, Fliegenpilze und die Grause Glucke (im Aussehen ein kleiner Blumenkohl). Den Fotofreunden bleibt noch bis Ende Herbst – einige Pilze wachsen auch im Winter – Zeit, um weitere Pilz-Motive zu entdecken.