Speyer „Ich bin wohl ein Trendsetter“

Placeholder-Image

«Dudenhofen.»Wildkräuter sind Dorisa Winkenbachs Profession. Von Anfang an hat sie die Dudenhofener Kräutertage mit ihren Beiträgen bereichert. Am Wochenende ist es wieder soweit. Schwerpunkt der elften Kräutertage in Dudenhofen ist die Minze. Ellen Korelus-Bruder hat Winkenbach nach dem Grund gefragt. Und nach ihrer Vorliebe für das Kraut, das in etwa 200 Variationen in der Natur vorkommt.

Frau Winkenbach, was ist an der Minze so besonders?

Wer von ihr träumt, soll mit Reichtum und Glück gesegnet sein, sagt der Volksmund. Und: Mit Ruhe und Geduld wächst sie reichlich und grenzenlos. Sie ist erfrischend und belebend, ist vielseitig verwendbar. Unsere Vorfahren haben ihre Toiletten mit frischen Minzblättern ausgelegt, aufgesetzt mit 40-prozentigem Wodka ergibt sie ein wunderbares Getränk, in die Wasserflasche gestopft hilft sie dem durstigen Wanderer. Ihre Begeisterung steckt an. Wird der Minzduft am Wochenende durch Dudenhofen ziehen? Ganz bestimmt. Zufällig sind wir darauf gestoßen, dass vor genau 100 Jahren die Haltestelle des „Pfefferminzbähnel“ im Dorf eingeweiht worden ist. Sofort haben wir Hans-Ulrich Kroszewski, Verfasser der Pfefferminzbähnel-Geschichte, mit seinem Infostand zu den Kräutertagen eingeladen. Am Sonntag um 18 Uhr hält er einen Vortrag. Am Montag pflanzen wir ein Minzbeet an der früheren Dudenhofener Haltestelle. Warum ziehen Sie mit Kräutern durch die Lande? Seit fast 30 Jahren bin ich mit den Wildkräutern unterwegs, um Menschen dazu zu bewegen, sich kulinarisch und gesundheitlich wieder mehr der Natur zuzuwenden. Inzwischen hat mich der Zeitgeist damit links überholt. Ich bin wohl ein Trendsetter! (lacht). Sieht ganz so aus. Kommt Ihre Botschaft dennoch an? Erstaunlicherweise ja. Ich verstehe mich als kulinarische Gesundheitsfürsorgerin. Beispielsweise biete ich am Sonntagmorgen „Outdoor-Cooking“ an, also Essen von der Wiese in die Pfanne in den Mund. Gemeinsam mit Besuchern bereite ich – allerdings im Haus – Minz-Mayonnaise zu und weihe sie in die Herstellung von Erfrischungswasser gegen Hitze ein. Was ist Ihre Triebfeder? Wildkräuter sind meine Kranken- und Lebensversicherung, sage ich immer. Reich kann ich mit ihnen nicht werden, aber froh. Manchmal lege ich finanziell drauf, manchmal werde ich großzügig belohnt. Aber es ist einfach wunderbar, die Begeisterung der Leute für heimische Kräuter zu sehen und ihre Bereitschaft, sich ihrer in Haus und Garten anzunehmen. Also werden Sie weitermachen? Wie es in Dudenhofen weitergeht, werden wir sehen. Es gibt einen Bürgermeisterwechsel, die Karten werden neu gemischt. Ich bin zuversichtlich, zu den zwölften Kräutertagen wieder hier zu sein. Es kommt vor, dass ich mir nach anstrengenden Veranstaltungen sage: „Das war’s.“ Immerhin bin ich mittlerweile dreifache Großmutter. Wenn es aber wieder soweit ist, kann ich nicht anders als mich auf meinen nächsten Einsatz für die wilden Kräuter der Natur zu freuen. Zur Person Dorisa Winkenbach ist in Wiesbaden aufgewachsen. In der elterlichen Gärtnerei hat sie erste Erfahrungen mit Kräutern gemacht. Ihre botanischen, pädagogischen und ernährungswissenschaftlichen Ausbildungen sowie künstlerische und therapeutische Weiterbildungen setzt die dreifache Mutter und Großmutter in Vorträgen, Seminaren und Exkursionen weit über die hessische Grenze hinaus ein. Programm Die elften Kräutertage finden am Wochenende in Zürkers Hofladen in Dudenhofen statt. —Samstag, 27. April, 8.30 Uhr, Kräuterbetrachtungen in der Mühlenwiese; 10.30 Uhr offizielle Eröffnung; 13 Uhr Kochworkshop „Kulinarische Minzvariationen“ (Sonntag 14.30 Uhr); 15 Uhr Kräutersprechstunde; 16 Uhr „Gesunder Genuss – kulinarische Kräutervielfalt“ – Vortrag und Austausch. —Sonntag, 28. April, 10 Uhr, Spaziergang mit Kochkurs „Von der Wiese durch die Pfanne in den Mund“; 18 Uhr Vortrag Hans-Ulrich Kroszewski zum Pfefferminzbähnel.

x