Speyer Hofladen im großen Stil
Waldsee. Die Selbstständigkeit wurde Monika Ackermann quasi in die Wiege gelegt. In ihrer Familie seien viele selbstständig, sagt die fröhliche 44-Jährige, die mit 20 Jahren aus dem polnischen Chrzanów zwischen Katowice und Krakau nach Deutschland gekommen ist. Dort lernte sie Armin Ackermann kennen, der auf dem landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern bei Waldsee lebte. Seine Eltern hätten früher Kartoffeln, Getreide und Zuckerrüben angebaut, erzählt der 54-jährige Ackermann. Als er und seine Frau den Betrieb übernahmen, erweiterten sie den Anbau um Spargel, Erdbeeren, Gemüse und Weihnachtsbäume. Hinzu kam auch die Gänseaufzucht. Insgesamt 110 Hektar bewirtschaften die Ackermanns. Die Markthalle einzurichten, hatte drei Gründe, wie Monika Ackermann verrät. Erstens habe das Ehepaar eine Alternative zur Landwirtschaft gesucht. „Das ist wie bei Aktien, man weiß nie, was man bekommt. Ist die Ernte gut oder schlecht“, sagt die 44-Jährige. Der zweite Grund war, dass die Ackermanns ihre Produkte direkt vermarkten wollen, und der dritte, dass sie Geld für die Produkte gleich „und nicht erst sechs Wochen später“ vom Händler bekommen wollen. Dass der Hofladen die Dimension einer 600 Quadratmeter großen Markthalle annehmen soll, war laut Monika Ackermann geplant: „Wenn wir etwas machen, dann im großen Stil“, sagt sie und ergänzt: „Wir wollten nicht nur drei Päckchen Nudeln anbieten, sondern fast 60 Sorten.“ Um ein solch großes Sortiment verkaufen zu können, arbeiten die Ackermanns auch mit Landwirten aus der Umgebung zusammen. Die Radieschen kämen zum Beispiel aus Schifferstadt, die Eier aus Dannstadt, sagt die Markthallenbesitzerin. Auch die Hausmacher käme aus der Region. Nur die exotischen Früchte wie Bananen müsse sie aus dem Ausland zukaufen. Für die 44-Jährige ist das Wichtigste, dass die Kunden mit einem Lächeln aus der Halle gehen. Außerdem betont sie, dass ein Einkauf im Hofladen nicht teurer sein müsse als im Supermarkt – manchmal sei es bei ihr sogar billiger, weil sie Angebote mit den beliefernden Landwirten aushandeln könne. „Eine Kundin hat neulich erzählt, dass sie den Preis eines Wocheneinkaufs bei uns mit dem Einkauf beim Supermarkt verglichen habe, und bei uns sei es billiger gewesen“, erzählt Ackermann fröhlich. Das liege auch daran, dass sie viele alleinstehende Kunden habe, die nicht in großer Menge, sondern lieber Einzelstücke einkaufen wollen, sagt sie. Auch wenn der einzelne Paprika bei ihr vielleicht etwas teurer sei, spare der Kunde, weil er die anderen zwei, die er im Dreierpack im Supermarkt mitnehme, nicht wegschmeißen müsse, wenn sie kaputtgegangen sind, meint Ackermann. Ihre Kunden kämen aus den umliegenden Orten sowie aus Ludwigshafen und Speyer. Bis sie sich den Kundenstamm aufgebaut und die Markthalle so ausgesehen habe wie heute, habe es vier Jahre gedauert, sagt Ackermann. Christel Schramm aus Waldsee kommt zweimal die Woche in Ackermanns Markthalle. Dort kauft sie laut eigener Aussage Gemüse und Saft. Heute sind ihr vor allem die Eier wichtig, die sie von der Auslage in den Eierkarton einsortiert. „Damit mache ich wunderbare Torten“, sagt Schramm, die für die Arbeiterwohlfahrt Veranstaltungen wie den Spielenachmittag organisiert, für den sie auch Kuchen backt. Monika Ackermann, die sich noch kurz mit Schramm unterhält, ist der Kontakt zu den Menschen wichtig: „Wenn die Kunden glücklich sind, ist das meine Bestätigung“, sagt die 44-Jährige und lacht. Zeit für die Menschen, die bei ihr einkaufen, hat sie jedoch nicht allzu oft, denn die Markthallenbesitzerin kümmert sich um den Einkauf der Produkte und ist deshalb überwiegend im Auto unterwegs – oder im 40-Tonnen-Lastwagen, wie Ackermann lachend hinzufügt. Wenn sie nicht in der Markthalle ist, bedienen neun Mitarbeiterinnen die Kunden. Eine der Mitarbeiterinnen schiebt gerade Spargel durch eine Maschine, die die Spargelstangen schält. Das Gerät, dem man durch eine Glasscheibe beim Schälen zuschauen kann, gefällt laut Ackermann vor allem den Männern. „Sonntags kommen immer viele Männer, die den Spargel geschält haben möchten, damit sie es zu Hause nicht selbst machen müssen“, sagt sie und lacht. 80 Cent kostet der Service, der gut angenommen werde. „Toll“ kommentiert eine staunende Kundin. Mit dem geschälten Spargel in der Tüte verlässt die Frau lächelnd die Markthalle. Kontakt Ackermanns Markthalle, Schifferstadter Straße 106, in Waldsee ist zurzeit von montags bis freitags von 8 bis 19 Uhr, samstags von 8 bis 15 Uhr und an Sonn- und Feiertagen von 9 bis 12 Uhr geöffnet. Nach der Spargelzeit bis Dezember ist die Markthalle montags bis freitags von 8 bis 19 Uhr und samstags von 8 bis 15 Uhr geöffnet.