Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Hitze in der Stadt hat oftmals leichtes Spiel

Einer der Hitze-Brennpunkte der Stadt: der Platz an der Gedächtniskirche. Petra Moser (Vierte von rechts) hat bei einer „Klima-R
Einer der Hitze-Brennpunkte der Stadt: der Platz an der Gedächtniskirche. Petra Moser (Vierte von rechts) hat bei einer »Klima-Radtour« des Vereins Inspeyered die Gründe dafür erklärt.

Vielerorts in der Stadt wird es im Sommer glühend heiß. Solche Brennpunkte stellt Petra Moser von Inspeyered vor. Doch die Biologin kennt Gegenmittel und Positivbeispiele.

Durch den Klimawandel, Stichwort Erderwärmung, werden die Sommer hierzulande heißer. Speyer ist von dieser Entwicklung besonders stark betroffen. Unsere Region zählt schon heute zu den Gebieten mit außerordentlich hohen Durchschnittstemperaturen und den meisten Hitzetagen. So wurde für 2024 an der Station des Deutschen Wetterdienstes in Waghäusel mit 12,7 Grad die bundesweit höchste Jahresdurchschnittstemperatur registriert, unmittelbar gefolgt von Mannheim mit 12,5 Grad.

Die Hitzebelastung vergrößert, wie Petra Moser bei einer vom Verein Inspeyered veranstalteten „Klima-Radtour“ am Dienstag sagte, der hohe Versiegelungsgrad der Domstadt mit 63 Prozent. „In der Pfalz ist nur Ludwigshafen mit 66 Prozent stärker versiegelt als Speyer“, ordnet sie ein. Das Ausmaß der Bebauung der Siedlungsfläche und deren sonstige „Belegung“ mit wasserundurchlässigen Strukturen wie etwa Straßen hatte der Gesamtverband deutscher Versicherer in einer Studie ermitteln lassen. In der Rangliste dieser Erhebung steht Ludwigshafen auch bundesweit an erster Stelle, gefolgt von Mannheim, Rüsselsheim und Speyer.

Hitze von oben und von unten

Wer sich an einem Tag mit mehr als 30 Grad Höchsttemperatur im Schatten, Meteorologen sprechen dann von einem Hitzetag, im Bereich der Gedächtniskirche bewegt, kommt fast unweigerlich ins Schwitzen. Zum einen, weil es dort nur sehr wenig Schatten gibt, zum anderen, weil die Hitze aufgrund der fast kompletten Versiegelung des Platzes mit Pflastersteinen auch von unten kommt. So wird die Luft schnell weit über 30 Grad heiß.

„Die Kugelahorne sind alle in einem schlechten Zustand. Sie werden bald absterben“, sagt Petra Moser mit Blick auf die kleinkronigen Bäumchen nördlich und östlich der Gedächtniskirche. Zwei große Platanen, eine Linde und eine Eiche auf dem weitläufigen Platz spenden zwar deutlich mehr Schatten und sind augenscheinlich vitaler als die Ahornbäume, wie die Biologin anmerkt. Doch tragen sie in der kleinen Anzahl nicht zu einer spürbaren Abkühlung bei.

Früher war mehr Grün

„Vor dem Zweiten Weltkrieg war der Platz an der Gedächtniskirche noch stärker begrünt“, teilt Petra Moser mit. Als Beweis dafür lässt sie eine historische Darstellung unter den mehr als 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Klima-Radtour herumgehen. Auch mit Verweis auf die Historie plädiert die Referentin für eine Entsiegelung und Wiederbegrünung der Fläche, deren Randbereiche der Stadt gehören, während der größere Rest im Eigentum der evangelischen Landeskirche ist.

Das Thema Begrünung sieht Moser auch bei Verkehrswegen wie der Kämmererstraße als Gegenmittel gegen die sommerliche Überhitzung. Weil es in der Beispielstraße an Vorgärten fehlt, sind laut der Biologin Fassadenbegrünungen und Pflanzen auf den Gehwegen geeignet, für Abkühlung zu sorgen. „Leider müssen Hauseigentümer oder Mieter das sogenannte Spontangrün entfernen“, bedauert Moser. Laut der Reinigungssatzung der Stadt sind „verunreinigende Stoffe“ einschließlich „Laub, Unkraut und Flüssigkeiten“ auf Gehwegen zu beseitigen. Die Stadtratsfraktion der Grünen hat, so Moser, die für die Partei im Stadtrat sitzt, einen Antrag auf Satzungsänderung gestellt, damit künftig Spontangrün erlaubt wird.

Klimaanlagen oder Gehölze

Bei neuen Wohngebieten wie den Häusern in der Petronia-Steiner-Straße, die ans Priesterseminar beziehungsweise ans Kloster der Karmelitinnen angrenzen, stellt Moser eine hohe Versiegelung und wenige große Bäume fest. Anwohner der Petronia-Steiner-Straße wie Katharina und Daniel Leske mit Tochter Clara berichten über große sommerliche Hitze, auf die einige Nachbarn mit der Installation von Klimaanlagen reagierten.

Familie Leske hat sich dafür entschieden, nicht ihre Wohnräume direkt, sondern die Umgebung auf natürliche Art abzukühlen: durch Beschattung der Klostermauer mit Matten und Pflanzen sowie durch Pflege weiterer größerer Gehölze im Garten als Schattenspender. „Im Sommer ist es in unserem Garten um einige Grad kühler als vor unserem Haus an der Straße“, sagt Katharina Leske.

Wo es an Grün mangelt, haben es zudem Insekten wie Bienen schwer Nahrung zu finden. Um darauf hinzuweisen, haben Tourteilnehmer an der Gedächtniskirche und am Dom mit abwaschbarer Kreide eine „weinende Biene“ aufs Pflaster gesprüht.

Auch auf dem Domplatz ist es im Sommer überdurchschnittlich heiß. Die „Klimaoase“ sorgt nur noch bis zum September für ein wenig
Auch auf dem Domplatz ist es im Sommer überdurchschnittlich heiß. Die »Klimaoase« sorgt nur noch bis zum September für ein wenig Abkühlung, dann wird sie abgebaut.
Ob an der Gedächtniskirche oder auf dem Domplatz (hier im Bild): Bienen finden nur wenig Nahrung in Form von Blütennektar und Po
Ob an der Gedächtniskirche oder auf dem Domplatz (hier im Bild): Bienen finden nur wenig Nahrung in Form von Blütennektar und Pollen. Da weint sogar die mit Kreide aufgesprühte Biene.
Genießen selbstgeschaffene Schattenplätze in ihrem Garten in der Petronia-Steiner-Straße (von rechts): Katharina und Clara Leske
Genießen selbstgeschaffene Schattenplätze in ihrem Garten in der Petronia-Steiner-Straße (von rechts): Katharina und Clara Leske.
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