Speyer
Helmut Kohls Vertrauter hält Rede bei Joe Bidens Amtseinführung
„Helmut Kohl besuchte den Jesuiten 1998 in Georgetown. Dieser kam 2017 zu Kohls Exequien in Speyer“, twittert Publizist Andreas Püttmann. Der frühere Bundeskanzler Kohl ist am 1. Juli 2017 in Speyer auf dem Kapitelsfriedhof am Adenauerpark beigesetzt worden. Zuvor hatte im Dom die kirchliche Begräbnisfeier stattgefunden. Es war ein Stelldichein der Weltpolitik in und vor der Speyerer Kathedrale, sodass der damals schon 83-jährige Kirchenmann aus den USA keine großen Schlagzeilen machte. In der kommende Woche vor dem Kapitol in Washington werden für einige Minuten alle Kameras auf ihn gerichtet sein.
„Es war eine herzliche Beziehung zwischen meinem Mann und Pater O'Donovan“, berichtete am Freitag Kohls Witwe Maike Kohl-Richter auf Anfrage. „Wenn er in Deutschland war, haben sie sich stets gesehen.“ Auch in ihrem Ludwigshafener Haus sei er mehrfach gewesen. Die Verbindung mit Helmut Kohl habe bis zu dessen Tod Bestand gehabt. Sie selbst halte mit O’Donovan bis heute Kontakt. Ihrem Mann sei dabei der geistige Austausch mit dem hochgebildeten Jesuiten, der auch Präsident der Georgetown Universität war, wichtig gewesen: „Gespräche, die über den Tellerrand hinausgingen. Das hat Helmut Kohl immer beeindruckt, und daraus hat er Kraft geschöpft.“
Kennenlernen im Herbst 1989
Das habe sich schon beim Kennenlernen der zwei Männer gezeigt. Die Georgetown Universität habe eine Spende der Bundesregierung erhalten, für die sich O’Donovan persönlich bedanken wollte – ausgerechnet in jenem Herbst 1989, in dem die Mauer fiel. Sein Umfeld habe O’Donovan davon mit Verweis auf die politische Lage in Deutschland abgeraten, er habe dennoch angefragt und einen Termin bei Kohl erhalten. Kohl-Richter: „Es wurde ein intensives Gespräch, das zur Überraschung von Leo O'Donovan nicht die tagesaktuellen Ereignisse mit Mauerfall und Wiedervereinigung zum Inhalt hatte, sondern Helmut Kohl stellte ihm vor allem viele Fragen, die ihn – Leo O'Donovan – berührten und nicht die Politik.“
Kohl-Richter kann nicht mit Sicherheit sagen, was O’Donovan 2017 in Speyer gemacht hat. „Eingeladen war er, und den Willen zu kommen hatte er auch“, erinnert sie sich. Wie für Helmut Kohl ist der heute 87-Jährige für Joe Biden, den zweiten katholischen US-Präsidenten nach John F. Kennedy, ein Vertrauter. In welcher Beziehung der frühere Bundeskanzler zu Biden stand, weiß Kohl-Richter nicht. Er sei aber mehrfach zu Gast im US-Senat gewesen, deshalb sei eine Begegnung nicht unwahrscheinlich.