Speyer Hauptbahnhof: Kein Aufzug an Gleis 2 – für Monate
Auf beiden Bahnsteigen des Speyerer Hauptbahnhofs setzen sich vor und nach fast jeder Zug-Ankunft Aufzüge in Bewegung. Sie ermöglichen die Unterquerung der Gleise und damit den Weg zum Mittelbahnsteig, ohne auf die Treppen angewiesen zu sein. Das war der Stand bis vorige Woche. Seit Montag werden die Lifts jedoch ausgetauscht – und das ist ein längerer Prozess: „Sie haben den sogenannten ,Lebenszyklus’ erreicht und werden erneuert, um die Verfügbarkeit langfristig sicherzustellen“, teilt eine Bahn-Sprecherin auf Anfrage mit. „Die neuen Aufzüge gehen voraussichtlich Anfang August in Betrieb.“
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Laut Bahn sind die Einschränkungen unumgänglich. Die alten Aufzüge hatten schon vor einigen Jahren mehrfach längere Ausfälle zu verzeichnen, die für Ärger bei Fahrgästen sorgten. „Wir bedauern die Unannehmlichkeiten, die den Reisenden dadurch in Speyer entstehen. Es liegt in unserem ureigensten Interesse, dass die Fahrgäste komfortabel und barrierefrei zu den Zügen gelangen können“, so der Bahnhof-Betreiber. Bahnsteig 1 bleibe während der Arbeiten barrierefrei erreichbar. Bahnsteig 2 sei nur über einen Treppenzugang zugänglich. Im Tunnel unter den Gleisen ist der Durchgang derzeit verkleinert.
Nächste Bahnhöfe als Ziel?
Auf barrierefreie Zugänge angewiesene Kunden müssten ausweichen, so die Bahn. Sie könnten über die Website www.bahnhof.de die nächsten Stationen mit Rolltreppen und Aufzügen erfahren – in vielen Fällen Schifferstadt oder Germersheim. Telefonische Auskünfte gebe es bei der 3-S-Zentrale oder der Mobilitätsservice-Zentrale (MSZ) der Bahn. Diese ist telefonisch unter 030 652128 88 sowie per E-Mail unter msz@deutschebahn.com erreichbar. Mit deren Hilfe lässt sich laut Bahn „die barrierefreie Reise entsprechend planen, sprich alternative Reiseverbindungen und mögliche Zugverlegungen an andere Bahnsteige prüfen“.
Dass die Baumaßnahme kommen würde, hatte auch die Stadtverwaltung erfahren, war aber zwischenzeitlich von einem späteren Beginn ausgegangen. Jetzt bedauert sie vor allem die Auswirkungen. Der Ausbau sei wegen der bisherigen technischen Probleme zwar „dringend erforderlich“, so Sprecherin Janine Friedmann. Es sei jedoch „unzureichend, dass die notwendige Barrierefreiheit während der Umbauarbeiten nicht sichergestellt wird“. Für betroffene Zielgruppen seien entweder funktionierende Aufzüge oder eine „adäquate Ausweichlösung“ entscheidend. Die Bahn müsse aus Sicht der Stadt „eine alltagstagliche Mobilitätslösung zur Verfügung stellen“.
Stadt übt Kritik
Die Stadt appelliert an Bürger, sich gegenseitig beim Tragen von Kinderwägen und Fahrrädern zu unterstützen. Sie hat auch die Landesbeauftragte für die Belange von Menschen mit Behinderungen informiert und will den Seniorenbeirat einbeziehen. Der städtische Behindertenbeauftragte Rhett-Oliver Driest und die Interessengemeinschaft Behinderter und ihrer Freunde (IBF) sind schon alarmiert. Sie kümmerten sich um eine mobil eingeschränkte Frau aus Schifferstadt, die nicht mehr wusste, wie sie nach Speyer reisen kann.
Driest berichtet von etlichen weiteren Beschwerden. „Die Bahn macht es sich zu einfach“, urteilt er. Mit der IBF habe er darüber gesprochen, ob deren Fahrdienst Rollstuhlfahrer bei Bedarf an die Bahnhöfe der Nachbarstädte bringen könne. Der gemeinnützige Anbieter habe derzeit zwar einen Fahrermangel, wolle bei Anfragen unter Telefon 06232 25234 aber jeweils die Möglichkeiten prüfen.
Rollstühle zu schwer zum Tragen
Er bedauere es sehr, dass bei einem solch lange dauernden Projekt keine besseren Lösungen für Behinderte gefunden würden, so der selbst auf einen Elektrorollstuhl angewiesene Driest. Zusammenklappbare Rollstühle könnten getragen werden, bei seinem schweren Gefährt funktioniere das aber schon nicht mehr. Der Bahnhaltepunkt Speyer-Nord/West als weitere Zustiegsmöglichkeit zumindest in S-Bahnen verfügt nicht über Aufzüge, aber über Rampen. In vielen Fällen seien nun zeit- und kostenaufwendige Transferfahrten zu erwarten, so Driest. Er fordert, dass die Bahn die Kosten dafür übernimmt.
