Speyer
Harthausen: Erinnerung an den vor 60 Jahren gestorbenen Bildhauer Werner Schreiner
Aufgewachsen in Harthausen, absolvierte Werner Schreiner von 1947 bis 1949 eine Lehre als Steinmetz und anschließend die Meisterschule der Bildhauer in Kaiserslautern, um dann beim Präsidenten der Akademie der Bildenden Künste in München, Professor Josef Henselmann, als Meisterschüler angenommen zu werden. Fast acht Jahre verbrachte Werner Schreiner in München, wo er im Untergeschoss der Akademie ein Atelier zur Verfügung hatte und wo zahlreiche Arbeiten entstanden, die nicht nur zu Hause in der Pfalz, sondern besonders auch im süddeutschen Raum – München, Franken und Schwaben – große Beachtung fanden.
Kraftvolle Monumentalität
„Des Pfalzpreisträgers große Holzplastik überzeugt durch eine genaue, instinktive Formgebung, die den begabten Bildhauer zeigt, der durch faszinierende Gestaltaussage, kraftvolle Monumentalität und einen eigenen unmanierierten Stil aus der Unmittelbarkeit der Beobachtung und einer bildhauerischen Geistigkeit den plastisch wirksamen Kern zu erfassen versteht“, urteilte die Kommission bei der Vergabe des Pfalzpreises 1956.
„Sicher hätte er sich zu den Ersten des Landes hochgearbeitet! Nun aber nahm ihn Gott vor der Ernte!“, konstatierte sein Lehrer Josef Henselmann in einem Beileidsschreiben an die Familie. Kulturredakteur Franz L. Pelgen, der Werner Schreiner freundschaftlich verbunden war und seinen Weg als Künstler journalistisch begleitete, berichtet von einem liebenswerten, bescheidenen und herzlich-fröhlichen Menschen und einem wahrhaft begnadeten Künstler.
In der Monografie „Bildhauer Werner Schreiner“, die 1987 vom Verlag Bild & Kunst in Harthausen anlässlich des 60. Geburtstages erschienen war, urteilt Erich Koch, mittlerweile Professor an der Münchener Akademie, über seinen ehemaligen Kommilitonen: „Was er durch Kraft nicht schaffen konnte, erreichte er durch eisernen Willen“.
Eigenwillige Lösungen
Viele Auftragsarbeiten in der Pfalz, zum Beispiel eine große Altarwandplastik in Kandel in der Kirche Sankt Pius, künden von der eigenwilligen ikonographischen Lösung, die Werner Schreiner für die ihm gestellten Aufgaben fand. Dem Dombaumeister Wilhelm Schulte ist es mit zu verdanken, dass beim Neubau des Priesterseminars (1955 bis 1957) in Speyer Werner Schreiner mit der Gestaltung der Altarwand beauftragt wurde, weil er sich mit jedem Thema geistig und theologisch auseinandersetzte. „Christus und die sieben Engel“ war das Ergebnis, das einen überhöhten Jesus zeigt und die Engel, die für die kirchlichen Gemeinden stehen.
Die Gestaltung der Seitenaltäre in der Kirche Sankt Elisabeth im Würzburger Stadtbezirk Zellerau war eine der ersten Auftragsarbeiten in den 1950er-Jahren für Werner Schreiner. Hier kam auf der linken Seite der Kirche Keramik zur Anwendung für die Darstellung der Heiligen Elisabeth von Thüringen, einen Brotkorb tragend mit einem Bettler. Sie starb mit 24 Jahren, aufgezehrt von der Fürsorge für andere. Der rechte Seitenaltar zeigt Maria und das Kind, ebenfalls in roter Keramik. Im Jahre 2012 drohte diesem Gotteshaus der Abriss. Dank der Spendenbereitschaft der Mitglieder der Kirchengemeinde wurde dieses Vorhaben nicht umgesetzt, so dass auch die Arbeiten von Werner Schreiner – zumindest vorläufig – erhalten bleiben.
Straße nach ihm benannt
Seine Heimatgemeinde Harthausen dagegen verfügt leider nur über kleinere Bronze-Arbeiten am Ehrenmal für die Gefallenen der Gemeinde. Ein weiteres kleines Bronzerelief befindet sich auf dem Grabstein, der 1960 von Erich Koch gemeinsam mit Leopold Hafner für den Freund Werner Schreiner geschaffen wurde und seit 2006 nahe der Friedhofshalle einen Ehrenplatz erhalten hat. Bereits in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat die Gemeinde eine Straße nach dem Träger des Pfalzpreises des Jahres 1956 benannt.
Bronzerelief als Schenkung
Durch großzügige Schenkungen gelangte Harthausen in den Besitz einer weiteren Bronzeplastik: Im November 2014 übergaben Verena Ziegler und Barbara Blum aus Baden-Baden, Nach-Cousinen zu Werner Schreiner, dem Harthausener Bürgermeister Harald Löffler das Bronzerelief „Christus am Kreuz“. Dabei handelt es sich wohl um einen Zweitguss aus dem Zyklus des Kreuzweges mit 14 Stationen, der für die Kirche Sankt Norbert in Kaiserslautern gefertigt worden war.
Ein weiteres Geschenk besteht in der Übergabe einer Entwurfsarbeit aus Kupferblech, die im Zusammenhang mit der Gestaltung der Chorwand in der Kirche in Kandel „Sankt Pius“ im Harthausener Atelier entstand. Sie gelangte über den Besitz von Karl Hufnagel, dem Namensgeber der Schule in Harthausen, und seiner Tochter Barbara Hintzen, Speyer, zurück in das Tabakdorf.