Speyer
Hanhofen: Förster Jürgen Render sorgt sich um den Zustand des Waldes
Förster Jürgen Render sieht den Wald im Revier Modenbach vor großem Wandel. Dies wird auch eines der Themen beim Walderlebnistag am Samstag in Hanhofen sein. Trockenheit und Hitze setzen den Bäumen im Speyerer Umland stark zu. Doch es gibt auch andere Gründe, warum es dem Wald schlecht geht, wie Render im Interview mit Christian Berger erklärt.
Herr Render, wenn Sie bei Ihrer Arbeit im Wald ins Gespräch mit Bürgern kommen, welche Themen brennen den Leuten am meisten auf den Nägeln?
Aktuell geht es häufig um die Trockenheit. Viele fragen, wie es unserem Wald hier geht. Meist sind die Waldbesucher durch die Berichte in den Medien aufmerksam geworden. Aber oft nehmen viele die Schäden hier auch gar nicht wahr. Der Blick der Spaziergänger ist naturgemäß eher auf Augenhöhe, wo das Unterholz und Krautpflanzen weitgehend grün erscheinen. Die aktuellen Schäden lassen sich jedoch vor allem in den Baumkronen erkennen, rote Kiefernnadeln, kahle Äste und abfallende Rinde. Bei mir als Förster geht der Blick im Wald von Berufs wegen immer nach oben.
Was hat die Menschen vor zehn oder 15 Jahren noch am meisten bewegt in Bezug auf den Wald in und um Hanhofen herum?
Vor zehn Jahren war bei vielen Brennholz das Thema Nummer eins – durch die damals stark gestiegenen Energiepreise. Von Erholungssuchenden wird generell eher das Thema streunende Hunde im Wald oder wilde Müllablagerungen angesprochen. Zudem besteht immer Interesse oder auch Kritik an den Forstarbeiten. Insbesondere, wenn mit einem Vollernter, einem sogenannter Harvester, gearbeitet wurde, werde ich oft angesprochen. Ausgangspunkt ist häufig der schlammige Zustand der Wege oder auch das Bild der Rückegassen, auf denen die Maschinen im Wald gefahren sind. Gerne erkläre ich da immer die Zusammenhänge von Waldbau, Arbeitssicherheit, gebotener Wirtschaftlichkeit und Bodenschutz. Es steckt viel Abwägung, Fachkunde und Aufwand drin, auch wenn es für einen Laien auf den ersten Blick manchmal nicht danach aussieht. Das kann ich absolut nachvollziehen.
Der Klimawandel, genauer gesagt die Erderwärmung, wird oft für Probleme in der Natur verantwortlich gemacht. Wenn ein Baum in Ihrem Revier abstirbt, wann gibt es dann einen Zusammenhang mit Hitze und Trockenheit und wann hat das eher andere Ursachen?
Die Trockenheit allein ist sicherlich bei den jetzt abgestorbenen, noch jungen Bäumen ausschlaggebend, die noch nicht so tief wurzeln. Warum ein älterer Baum konkret abstirbt, kann daneben aber viele weitere Ursachen haben. Mit Trockenheit kommt die Kiefer hier von allen Baumarten eigentlich noch am besten zurecht, trotzdem hat auch sie es bei uns jetzt schwer. Oft ist es ein Cocktail aus Wassermangel, Pilzen, Insekten aber auch Vorschäden, zum Beispiel eine Schwächung durch Wurzelschädigungen oder – ganz bedeutend – den hier in der Rheinebene weit verbreiteten Mistelbefall. Oft kann man auch als Fachmann die ausschlaggebende Todesursache darunter nicht immer eindeutig identifizieren. Ein durch Trockenheit geschwächter Baum ist generell anfälliger gegenüber Insekten und Pilzen. Und viele schädliche Insekten profitieren von zunehmenden Temperaturen – eine fiese Kombination.
Die Sorge um die Natur und die Zukunft der Menschheit auf der Erde hat in den vergangenen zwei, drei Jahren in der Bevölkerung offenbar stark zugenommen. Wie erklären Sie sich das?
Weltweit zieht das Bevölkerungswachstum einen immensen Rohstoff- und Flächenverbrauch nach sich. Und dieser Prozess geht auch nicht immer friedlich zu. Zudem ist weltweit ein großer Rückgang der Artenvielfalt zu beobachten. In Verbindung mit der gesteigerten medialen Vernetzung erreichen uns täglich neue Hiobsbotschaften aus aller Welt. Die Erde als unsere Lebensgrundlage wird immer mehr von uns beansprucht. Immer mehr Menschen sind sich ihrer Verantwortung bewusst geworden. In Konsequenz erfordert dies jedoch nicht nur, sich zu sorgen, sondern auch ein Umdenken und Handeln.
Wie ist es um den Wald in Ihrem Revier insgesamt bestellt?
Bis in den Sommer hinein war es hier im Vergleich zu vielen anderen Revieren oder Gegenden Deutschlands zum Glück noch nicht zu flächigen Ausfällen gekommen. Aber es gibt hier schon überall auf ganzer Fläche viele betroffene Einzelbäume oder auch Baumgruppen. Der Schaden wird erst verzögert sichtbar. Gerade in den vergangenen Tagen habe ich an einigen Stellen etliche neue absterbende Bäume lokalisiert. Wie zu erwarten war, kommt wohl jetzt bis nächstes Frühjahr noch mal ein ordentlicher Schub. Insgesamt hat man mit den Folgen über viele Jahre, sogar Jahrzehnte zu tun. Ich habe zwar ein großes Vertrauen in die Kraft der Natur, aber es kann einem dabei schon manchmal etwas bange werden. Fest steht: Der Wald wird sich in Zukunft gerade hier in der Rheinebene verändern.
Es gibt Forderungen in der Bevölkerung, „den“ Wald nicht mehr wirtschaftlich zu nutzen, sondern ihn sich selbst zu überlassen. Was halten Sie davon?
Wir Menschen brauchen Natur. Und es ist auch wichtig, dass es Waldgebiete gibt, wo Natur Natur sein kann. Aber das Thema ist mit viel Erfahrung, Augenmaß und ehrlichem, ganzheitlichem Blick anzugehen. Den Wald sich selbst zu überlassen, ist nicht automatisch Garant dafür, dass sich in Kürze ein bestimmter erwünschter naturnaher Zustand einstellt. Denn nicht zuletzt aufgrund von vielen neu eingewanderten Pflanzen und Tieren und der Klimaveränderung werden alle Karten mit hoher Dynamik immer neu gemischt – das ist für uns Forstleute immer schon ein Dauerthema. Außerdem darf man nicht außer Acht lassen: Wir Menschen brauchen auch den Nutzen aus dem Wald. Jeder Mensch in Deutschland benötigt im Durchschnitt pro Jahr circa 1,3 Kubikmeter Holz. Deutschland ist in der Holzbilanz kein Selbstversorger, daher muss viel Holz beziehungsweise müssen Holzprodukte wie Zellstoff importiert werden, manchmal aus sehr zweifelhaften Quellen. In deutschen Wäldern gelten aufgrund bestehender und auch gut kontrollierter Gesetze die höchsten Standards für Waldbewirtschaftung. Nutzung, Naturschutz und auch die Erholungsfunktion werden bei allem Handeln berücksichtigt.
Das Credo der Umweltbildung lautet: kennen, schätzen, schützen. Auf welchen Wegen können Menschen für den Naturschutz begeistert werden?
Ja, da gibt es viele Möglichkeiten: Ganz besonders freuen wir uns, wenn sie am Samstag zum Walderlebnistag in Hanhofen kommen. Das ist eine optimale Gelegenheit bei vielen Akteuren Informationen über Wald und Natur aus erster Hand zu bekommen. Darüber hinaus gibt es auch ein großes Angebot an Veranstaltungen vom Forstamt Pfälzer Rheinauen für Kitas, Schulen, Kinder, Jugendliche und Familien über die Rucksackschule. Aber auch landesweit und bundesweit gibt es von den Forstämtern viele informative Angebote unter www.treffpunktwald.de.
Erkennen Sie Unterschiede bei Einwohnern von Dudenhofen, Hanhofen und Römerberg in deren Einstellung zum Wald?
Bei diesen drei Gemeinden sehe ich jetzt keine großen Unterschiede. Generell kann man aber schon feststellen, je ländlicher eine Gemeinde ist, desto größer ist häufig der praktische Bezug zum Wald. Da machen viele noch selbst im Wald ihr Brennholz oder sind sogar Waldbesitzer. In stadtnahen Wäldern ist der Wald für viele Bürger oft nur stark frequentierter Raum für die Erholung, seine Bedeutung auch als unverzichtbarer Lieferant des Öko-Rohstoffs Holz wird da eher ausgeblendet oder sogar als Störung empfunden. Einschränkungen der Erholungsnutzung auch zum Schutz der Natur werden leider oft missachtet. Aber das ist unser Job als Förster, die jeweiligen Gegebenheiten des Waldes, der Waldbesitzer und der Besucher bei der Betreuung dieser Wälder unter einen Hut zu bringen.
Zur Sache: Walderlebnistag in Hanhofen
Das Forstamt Pfälzer Rheinauen und die Ortsgemeinde Hanhofen laden für Samstag, 21. September, 10 bis 16 Uhr, zum 26. Walderlebnistag in der Pipelineschneise ein. Der Anfahrtsweg ist ab dem „Aldi-Kreisel“ am östlichen Ortseingang von Hanhofen ausgeschildert. Die offizielle Eröffnung der Veranstaltung ist um 11 Uhr am Lagerfeuer mit dem neuen Beigeordneten von Hanhofen Bernhard Steigleider (SPD).
Jürgen Render, Leiter des Forstreviers Modenbach, hat den Walderlebnistag mit Unterstützung der Gemeindeverwaltung organisiert. Nach seiner Auskunft gibt es wieder zahlreiche Vorführungen und Informationen über die Natur sowie Spiele, eine Waldrallye mit Gewinn-Verlosung gegen 15.30 Uhr, kleine Überraschungen und ein Mittagessen am Lagerfeuer. „Eine Besonderheit sind in diesem Jahr die Pfalz-Lamas, die Rudolf Klotz aus Völkersweiler zum Walderlebnistag bringt. Sie dürfen von Kindern unter Aufsicht auf den Waldwegen geführt werden“, teilt Render mit.
Beim Walderlebnistag präsentieren sich außerdem unter anderen die Naturschutzvereine aus Hanhofen, Harthausen und Dudenhofen, die Bogenschützin Brigitte Appel, die örtlichen Jagdpächter, Jäger Arthur Ranzenberger mit der Erlebnisschule Wald und Wild, die Jagdhornbläser der Kolpingfamilie Dudenhofen, der Waldbauverein Ganerb, der Spargel- und Gartenbauverein Dudenhofen, die Jugendpflege der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen und der Imkerverein Speyer.