Römerberg
Handball: TuS Heiligenstein tippt die Weltmeisterschaft
So geht das weiter im Verein bis zum Endspiel der Titelkämpfe. „Wir wollen, dass der Handball im Gespräch bleibt“, begründet Uwe Geier, einer der Mitinitiatoren mit Rainer Weickenmeier, im Gespräch mit der RHEINPFALZ die neuerliche Aktion.
Was einst im privaten Umfeld der zweiten Herrenmannschaft bei der Fußball-WM- und -EM begann, griff schon bald auf die Ballwerfer über, erstmals bei der WM 2019, dann bei der kontinentalen Entscheidung im vergangenen Jahr. Nun beteiligen sich 31 Akteure aus den jeweils zwei Frauen- und Männer-Teams zu etwa gleichen Anteilen.
Die Ausweitung der Gaudi sorgte für einen neuen Rekord. Geier: „Auch sechs, sieben der Kinder sind dabei, und die sind meist gar nicht so schlecht.“ Und doch ist etwas heuer ganz anders: „Wir können nicht mehr so über unsere Tipps debattieren“, erzählt der Handballer: „Manche haben die Listen mit an den Tisch gebracht.“
Master-Frage
Neben allen Ergebnissen gilt es, den Champion vorauszusagen. Die TuS-Familie hält es mit den „üblichen Verdächtigen“, wie der Spielleiter der Pfalzliga-Damen berichtet: „Norwegen, so wie ich, Frankreich, Dänemark. Und dann gibt es die, die immer auf Deutschland tippen, die Patriotischen.“
Außenseiter habe kaum jemand im Visier, vielleicht Kroatien. Und Geier nimmt Ägypten auf die Rechnung: „Sie haben sich lange vorbereitet, haben Heimvorteil, auch wenn es jetzt keine Zuschauer gibt.“
„Es ist eine simple Tipp-Abgabe“, erläutert der Heiligensteiner. Auswerter Weickenmeier nimmt die Prophezeiungen per WhatsApp oder E-Mail entgegen und pflegt die Excel-Datei: „Das ist ein bisschen antik, aber übersichtlich auf einen Blick.“ Zuerst sagen die Mitspieler alle Vorrunden-Resultate voraus.
Problem gelöst
Und schon trat Problem Nummer eins auf: Tschechien und die USA sagten wegen Corona kurzfristig ab. Nordmazedonien und Schweizer rückten nach. Aber die Tipps gingen schon seit zehn Tagen ein. Dilemma gelöst: „Sie konnten modifiziert werden“, erklärt der Handballer: „Das haben aber nicht viele gemacht.“
Das Risiko: Die Vereinigten Staaten galten zumeist als klarer Verlierer. Denn: Es kommt auf jeden Treffer an. Drei Punkte erhält, wer das exakte Endergebnis wusste: „Das ist natürlich die absolute Ausnahme“, meint Geier. Zwei Zähler winken für die genaue Tordifferenz, einer bei richtigem Sieger.
Dass es für den zutreffenden Tipp auf den Weltmeister noch mal fünf Punkte gibt, hält die Spannung oft bis zum Finale aufrecht. Vor der Hauptrunde, den Viertelfinals und so weiter trudeln dann die weiteren Vorahnungen auf den Weickenmeier’schen Endgeräten ein.
Spannung pur
Einen Tipp-Favoriten kennen die Römerberger nicht. „Das schwankt und wechselt sich ab“, weiß Geier: „Wer sagt schon ein 40:15 gegen Angola voraus, ohne deren Leistung zu schmälern?“
Zu gewinnen gibt’s selbstverständlich auch was: Jeder Teilnehmer zahlt fünf Euro: „Das schütten wir natürlich komplett aus.“ 40 Prozent gehen an den Wett-König, 30 an den Zweiten, 20 an den Dritten. Da fehlen doch noch 10? Richtig, und das ist der Clou: Die streicht nach Losverfahren der Lucky Loser, also einer der Restlichen ein.
So schön
Und während der Spielbetrieb der Jugend 2020/21 ausfällt und Partien der Erwachsenen am seidenen Faden hängen, schwelgt Geier in Erinnerungen an als Zuschauer vor Ort verfolgte Champions-League-Spiele der Rhein-Neckar Löwen, internationale Meisterschaften in Frankreich, Italien und Österreich, Final-Four-Pokal in Hamburg und vor allem das Non-Plus-Ultra: Der Triumph gegen die Franzosen beim WM-Wintermärchen 2007 in der Köln-Arena, nach zweimaliger Verlängerung.
Und mit den Mitstreitern denkt er bereits über das nächste Tippspiel nach: bei Olympia im Spätsommer in Tokio.
RHEINPFALZ-Kommentar
Die Sportvereine der Region machen und tun, was sie im Lockdown nur können. Online-Training hier, virtuelle Bescherung und Weihnachtsfeier da. Der TuS Heiligenstein zählt zu den Eifrigsten.
Und dennoch: In Teil II des heruntergefahrenen (Sport)Betriebs machen sich Auflösungserscheinungen breit. Tänzer fürchten um ihre Paare. Mitglieder überlegen sich zweimal, einen zweiten Jahresbeitrag für nichts zu berappen. Online-Trainer geraten bei den Jüngsten an ihre Grenzen.
Besonders hat betroffen: Mannschaftssportarten. Fußball und Hockey spielen wir zu elft, Handball zu siebt, Volleyball zu sechst, Basketball zu fünft, ohne Ersatzleute, und wenn dann nur drei wegfallen ...