Römerberg „
Handball: Herle trainiert auch weiter die Heiligensteinerinnen
Für mich war klar, dass ich weitermache und nirgendwo anders zusage“, sagte Herle im Gespräch mit der RHEINPFALZ, in dem er locker und humorvoll wirkt, oft lacht. Auch die Spielerinnen seien davon ausgegangen: „So kann ich ja nicht abtreten. Das gibt’s bei mir nicht. Das ist ein No-Go. Dazu bin ich zu ehrgeizig.“
Und so dauerte es auch nicht lange mit der Zusage, als Heiligensteins Spielleiter Uwe Geier, sein Ansprechpartner für alles rund um die Mannschaft, am Montagabend bezüglich einer weiteren Zusammenarbeit bei ihm durchklingelte. Überrascht habe ihn der Anruf nicht mehr, höchstens der Zeitpunkt.
Dazu ist ihm die Mannschaft auch trotz der ungewöhnlichen Vorbereitung auf die nie gestartete Runde zu sehr ans Herz gewachsen. Das Potenzial sei vorhanden. In der Abwehr könne sich der TuS noch steigern: „Ohne Abwehr gewinnt man kein Spiel.“ Im Angriff gebe es ein, zwei neue Konzepte. Auf wenige bisherige greife er nicht mehr zurück.
Online kennengelernt
Schon rund um seine Zusage im Frühjahr befand sich das Land wie jetzt schon einmal im harten Lockdown: „Wir haben uns online kennengelernt und über die gute, alte Zeit geschlawwert“, berichtete der 43-Jährige.
Streaming-Dienste und Vorstellung per Video-Konferenz beherrschten die ersten Tage. Herle setzte Work-Outs an, ehe es wieder in zwei Gruppen aufgeteilt ins Freie ging. „Wir haben beim TuS zum Glück eine schöne Beachanlage und eine schöne Laufstrecke“, erzählte der Offenbacher.
„Dann haben wir in der Halle wieder richtig trainiert, und eine Woche vor Saisonbeginn war schon wieder alles zu.“ Und alles ging von vorne mit dem Online-Training. Zweimal die Woche arbeiten die Spielerinnen derzeit für jeweils 30, 45 Minuten an ihrer Fitness.
Fitness gewährleistet
Herle überlegt sich selbst was und greift auf Angebote zurück. Da ist alles dabei, was für die Beine, die Arme, Arbeiten mit Eigenkörpergewicht. Der Übungsleiter wähnt seine Gruppe fit, wehrt sich jedoch nicht dagegen, wenn eine darüber hinaus noch was freiwillig macht, räumt aber ein: „Ich bin auch kein Kaltwetter-Jogger.“
Der Ball bleibt außen vor: „Da geht gar nichts im Moment.“ Challenges mit Tischtennisbällen in einem Parcours sorgen zumindest für Spaß und Abwechslung.
Herle denkt, seine Auswahl gut genug zu kennen (Ich habe mit allen gesprochen), auch wenn der ehemalige Regionalliga-Handballer des TV Offenbach im weiblichen Bereich bislang nur Erfahrungen beim SV Bornheim sammelte – bei der viel jüngeren C-Jugend.
Wahrer Charakter
Aber der Trainer weiß natürlich, dass sich der wahre Charakter vielleicht erst dann zeigt, wenn’s darum geht, Punkte einzuspielen. Bange davor ist ihm freilich nicht. Er denkt, dass es auch dann bei den „Mädels“, wie er sie schon nennt, keine bösen Aktionen gebe. Auch zum Vorsitzenden Christian Theysohn bestehe guter Kontakt.
Den jetzigen Vertrauensbeweis durch den Verein weiß er zu schätzen. Eine ähnliche Situation mit einer so langen Phase ohne Trainer und Spiel kennt er aus seiner aktiven Zeit nicht, weder aus gesundheitlichen, privaten oder beruflichen Gründen.
Und dennoch sagt Herle: „Ich denke nicht , dass es eine Saison 2020/21 geben wird, auch keine halbe Runde.“ Und falls der Verband doch mit zehn Tagen Vorlauf den Startschuss gibt: „Dann ist es relativ knapp, den Leistungsstand wieder zu erreichen. Aber das geht den anderen auch so.
RHEINPFALZ-Kommentar
Es ist ein Zeichen, das da die Handball-Verantwortlichen rund um Spielleiter Uwe Geier in traurigen Pandemie-Zeiten setzen. Die Saison der Pfalzliga-Handballerinnen hat noch nicht mal begonnen. Der Auftakt steht in den Sternen. Und trotzdem blicken sie weit voraus.
Ob’s noch mal losgeht oder erst im Herbst oder noch später: Trainer Volker Herle steht für den Neuanfang bereit, wann auch immer. Die Spielerinnen haben Planungssicherheit und wissen: Da ist einer, der lässt uns nicht im Stich, verliert nicht die Lust, geht nicht bei erstbester Gelegenheit von Bord, kümmert sich um Online-Training, hält den Kontakt und die Truppe beisammen.
Aus diesem Grundvertrauen könnte etwas entstehen.