Speyer „Habe mich in alles reingekniet“
Jürgen Creutzmann hat für die FDP schon in vielen Parlamenten und Gremien gesessen. Seit mehr als 50 Jahren engagiert sich der Dudenhofener politisch. Gestern hat Landeswirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) dem 71-Jährigen das Bundesverdienstkreuz erster Klasse überreicht, das ihm (Noch-)Bundespräsident Joachim Gauck verliehen hat.
Ein Nachbarsjunge hat den gebürtigen Speyerer Creutzmann 1965 mit zu einem Treffen der Deutschen Jungdemokraten genommen. Wenig später war er Mitglied des Landesvorstands. Seitdem ist die Politik fest im Leben des Wahl-Dudenhofeners verankert. Er halte sich gerne an den Spruch von John F. Kennedy, erzählt Creutzmann nach der Feierstunde im Mainzer Wirtschaftsministerium: „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern was du für dein Land tun kannst.“ Trotzdem freue es ihn natürlich, dass sein Engagement anerkannt werde, sagt er: „Man darf sie nicht zu hoch hängen. Aber das Bundesverdienstkreuz ist eine schöne Auszeichnung.“ Creutzmann hat in Speyer die Mittlere Reife gemacht, ehe er in Heidelberg aufs Wirtschaftsgymnasium ging. Anschließend studierte er Betriebswirtschaft an der Universität Mannheim. Nach einer ersten Anstellung bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft wechselte er 1973 zur BASF. Dort war er bis 2006 tätig, zuletzt zeichnete er als Prokurist für das Rechnungswesen von rund 50 Unternehmen verantwortlich. Seit Ende der 1960er-Jahre ist er politisch aktiv. Ans Aufhören will der Dudenhofener in den nächsten Jahren noch nicht denken. „Man muss das nicht ewig machen. Aber es macht mir immer noch viel Spaß“, erzählt er. Er ist Mitglied im Ortsgemeinderat Dudenhofen, im Verbandsgemeinderat Römerberg-Dudenhofen sowie im Kreistag des Rhein-Pfalz-Kreises, wo er Fraktionsvorsitzender der FDP ist. Creutzmann gilt als jemand, der mitunter auch gerne Kritik übt. Die Liste seiner Ämter ließe sich noch einige Zeit fortführen: Unter anderem war Creutzmann von 1998 bis 2009 Landtagsabgeordneter, von 2001 bis 2006 Vizepräsident des Landtags, und von 2009 bis 2014 Mitglied des Europaparlaments. Seit 1983 ist er zudem als Schatzmeister im Vorstand des FDP-Landesverbands. 1974 war er Mitbegründer der FDP in Dudenhofen. Bei der Frage, welches seiner Ämter er am besten ausfüllen konnte, muss Creutzmann nicht lange überlegen. Wie aus der Pistole geschossen sagt er: „Im Europaparlament. Dort hat man ungemeinen Einfluss. Es ist eine spannende Arbeit, und man kann viel bewegen.“ Als Beispiel nennt er etwa das Mitwirken bei einer Kampagne für kleine und mittlere Unternehmen. Auf Europaebene könne man mehr erreichen als im Landtag, wo die Regierung das meiste vorgebe, ist er überzeugt. Etwas zu bewegen, für die Bürger zu gestalten, das sei ihm wichtig, sagt Creutzmann. Besondere „Herzensthemen“ habe er dabei nicht. „Was auf mich zukommt, habe ich gemacht und mich in alles reingekniet“, erzählt er, auch wenn das mit viel Arbeit verbunden sein könne: auf Sitzungen vorbereiten, Unterlagen durchackern, etc. „Wenn etwas Spaß macht, macht man es ja auch gern“, sagt der 71-Jährige. Er bedauert, dass sich nicht mehr Menschen in der Kommunalpolitik engagieren. Groß gefeiert hat er die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes nicht, berichtet er. Mit der Familie gab es ein gemeinsames Essen. Creutzmann ist verheiratet, hat einen Sohn (49) und eine Tochter (44) sowie vier Enkel.