Speyer Gut vorbereitet, aber nicht begeistert

Waldsee/Otterstadt. Die Freiwillige Feuerwehr ist von der Fusion der vier Gemeinden zu einer neuen Verbandsgemeinde betroffen, weil dort die Zuständigkeit für Feuerwehr und Katastrophenschutz sitzt. Die Kameraden aus Waldsee und Otterstadt kennen das schon, sie sind schon als Verbandsgemeindewehr mit zwei Standorten organisiert, für die Neuhofener und Altriper ist das Neuland, das sie nicht gerade mit Begeisterung betreten. „Auch wenn wir uns wirklich gut verstehen, eine Liebesheirat ist das nicht“, sagt Wehrleiter Peter Schreiner aus Altrip. „Unsere Feuerwehr ist sehr alt, wir waren immer in der Lage, uns selbst zu helfen“, betont der Neuhofener Wehrleiter Thomas Klamm. Das soll aber nicht heißen, dass man nicht zusammenarbeiten will, ganz im Gegenteil. Die Zusammenarbeit klappe bestens und das schon lange bevor die Kommunalreform überhaupt Gesprächsthema wurde. Das haben die Kameraden im vergangenen Jahr bei den Großeinsätzen in der Region und zwei Wohnhausbränden in Waldsee wieder einmal unter Beweis gestellt. Jede der Wehren hat eine speziell angepasste Ausrüstung. In Neuhofen gibt es unter anderem eine Drehleiter wegen der großen Industriegebiete und einiger Gebäudekomplexe, die über keinen zweiten Rettungsweg verfügen. Waldsee/Otterstadt und Altrip haben als Rhein- beziehungsweise Altrheinanlieger Boote. Wegen der Naherholungs- und Campinggebiete, auf denen sie mit engen Wegen und wenig Hydranten kämpfen müssen, haben sie auch Fahrzeuge, die größere Mengen Löschwasser an den Einsatzort bringen oder über lange Schläuche Löschwasser aus Seen fördern können. Da war es auch bisher selbstverständlich, dass man sich gegenseitig half, wenn es nötig war. „Daran wird sich nichts ändern“, sagt Michael Jaspers, Wehrleiter der Feuerwehr der alten Verbandsgemeinde Waldsee. Auch nicht an den Standorten der Feuerwehr, die erhalten bleiben. „Es wäre ja Quatsch, wenn ich als Otterstadter bei einem Brand im Ort erst nach Waldsee fahren müsste und dann zurück zum Einsatz nach Otterstadt“, sagt Thomas Straßer, Wehrführer aus Otterstadt. Peter Klauß, stellvertretender Wehrleiter aus Waldsee, ergänzt: „Schließlich muss die Feuerwehr in acht Minuten am Einsatzort sein. Das wäre nicht zu schaffen, wenn Standorte aufgegeben würden.“ Doch die Folgen wären noch tiefgreifender, wie die Wehrleiter klar machen: Gäbe es nur noch einen zentralen Standort, würden viele Feuerwehrleute aus den anderen Orten nicht mehr mitmachen. Die verbleibenden Kameraden hätten mehr Einsätze, eine höhere Belastung und deswegen wohl auch Probleme mit ihren Arbeitgebern. Personell gibt es eine Veränderung: Es wird einen neuen Wehrleiter für die Verbandsgemeinde-Feuerwehr geben. Er wird von den heutigen Wehrleitern und Wehrführern der einzelnen Feuerwehren gewählt und durch den neuen Verbandsgemeinderat bestätigt. Das muss in den nächsten sechs Monaten geschehen. Positiv sieht Jaspers Synergien, die gerade bei der Ausbildung des Nachwuchses genutzt werden – oder bei der anstehenden EDV-Umrüstung und bei Fortbildungen, wie sie aktuell für die Umstellung auf Digitalfunk nötig sind. Einen gemeinsamen Termin für eine komplette Feuerwehreinheit zu finden, klappe in der Regel nicht. Nun könnten Kameraden, die beim einen Termin keine Zeit haben, dann bei einer der Veranstaltungen in den Nachbargemeinden teilnehmen. Auch gibt es in den einzelnen Wehren Spezialisten in unterschiedlichen Fachgebieten, die gegenseitig die Übungen bereichern können. Über ein mögliches Einsparpotenzial können die Wehrleiter nur bitter lachen. „Die prognostizierten großen Einsparungen erzielt man nicht in unserer Ausrüstung, sondern eher durch Personaleinsparungen, und wir sind alle ehrenamtlich. Einzig durch Bedarfsbündelung und gemeinsame Nutzung von Spezialgeräten kann gespart werden – aber das praktizieren wir bereits seit zwei Jahren“, sagt Jaspers. An der Ausrüstung dürfe gar nicht gespart werden. „Wir sind gut ausgestattet, wir haben, was wir brauchen, aber dafür müssen wir kämpfen. Es ist nicht so, dass die gebratenen Tauben von den Dächern fliegen“, erklärt Klamm. Stefan Loebel, stellvertretender Wehrleiter von Altrip, fügt hinzu: „Außerdem investieren wir sehr viel ehrenamtliche Arbeit in die Erhaltung und Pflege unseres Materials und des Fuhrparks.“ Mit Spannung sehen die Brandbekämpfer den Entscheidungen des neuen Verbandgemeinderats entgegen, zumal im Fuhrpark der Wehren zum Teil längst überfällige Ersatzbeschaffungen anstehen. „Das Problem ist ja nicht der Lack außen, sondern die Technik, die man nicht sieht. Nach 30 Jahren braucht man einfach ein neues Fahrzeug“, erklärt Peter Schreiner.