Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Grundschulen: Kein Ende der Misere beim Führungspersonal in Sicht

Verliert ihre Rektorin: Woogbachschule in West. Die Stelle soll laut Schulaufsicht „so bald als möglich ausgeschrieben werden“.
Verliert ihre Rektorin: Woogbachschule in West. Die Stelle soll laut Schulaufsicht »so bald als möglich ausgeschrieben werden«. Bis dahin gibt es an der größten Speyerer Grundschule eine interne Überbrückung.

Zu Schuljahresbeginn stehen drei staatliche Grundschulen ohne Führungsspitze da. Dann werden zwei Stellen nachbesetzt. Nun geht die Rektorin der Woogbachschule. Und was jetzt?

Die Botschaft, die Bürgermeisterin Monika Kabs (CDU) beim vergangenen Schulträgerausschuss zu verkünden hatte, war knapp, doch sie hatte es in sich: Nicole Pospich, Leiterin der Woogbach-Grundschule, verlässt die Domstadt zum 1. März, um eine Aufgabe bei der Außenstelle der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Neustadt anzutreten. Die Nachricht habe sie „etwas überrascht“, räumt die Schuldezernentin auf Nachfrage ein. Schließlich habe Pospich die mit rund 450 Schülern größte Grundschule Speyers erst zum Schuljahr 2021/22 übernommen. „Ich bedauere diese Entwicklung sehr“, sagt Kabs – zumal die größte Not beim schulischen Leitungspersonal gerade gelindert schien, weil zum 1. Februar sowohl die Salier- als auch die Zeppelinschule neue Rektorinnen begrüßen konnten.

Zur Erinnerung: Zu Beginn des Schuljahres standen mit der Siedlungsgrundschule, der Zeppelinschule und der Salierschule drei der fünf staatlichen Grundschulen in Speyer ohne Führungsspitze da. Die beiden verbliebenen Rektorinnen Pospich sowie Karina Kauf von der Grundschule im Vogelgesang sprangen ein und übernahmen zusätzliche Leitungsaufgaben. Pospich, die sich inzwischen per Rundschreiben bei der Schulgemeinschaft verabschiedet hat, war in dieser Behelfskonstruktion auch für die Siedlungsgrundschule verantwortlich. Mit ihrem Abgang fehlt nun zugleich der Bildungseinrichtung im Norden der Stadt eine Ansprechpartnerin in wichtigen Fragen. „Hier muss dringend eine Lösung her“, fordert Kabs und sieht die bei der ADD angesiedelte Schulaufsicht in der Pflicht.

Verlässt Speyer nach vier Jahren wieder: Nicole Pospich.
Verlässt Speyer nach vier Jahren wieder: Nicole Pospich.

Wieder zwei Grundschulen ohne Spitze

Leicht wird das nicht, wie die Schuldezernentin als ehemalige Rektorin der Siedlungsrealschule aus eigener Anschauung weiß. Denn erstens sind bereits mehrere Bewerbungsrunden für die Leitung der Siedlungsgrundschule im Sande verlaufen. Und zweitens droht nun auch an der Woogbachschule eine Hängepartie, weil Pospichs Posten in den kommenden sechs Monaten nicht ausgeschrieben werden dürfe. So lange habe die Pädagogin die Möglichkeit, an die Schule zurückzukehren. Die Stadt als Schulträger habe bei einer Nachbesetzung „leider wenig bis gar keinen Einfluss“, klagt Kabs. Sie könne nicht mehr als abwarten. Einzige Handlungsmöglichkeit: Sekretariatsstunden erhöhen, sofern die betroffenen Grundschulen dies wünschten, um die kommissarischen Schulleitungen in der Übergangszeit zu entlasten.

Dem Landtagsabgeordneten Michael Wagner (CDU) lässt die Führungsmisere an den Grundschulen keine Ruhe. Er hatte schon Ende Januar vom Bildungsministerium wissen wollen, wohin die Reise geht. Die Antwort, die er vor wenigen Tagen erhielt, befriedigt Wagner nicht. Darin ist die Rede davon, dass das Land zwar bestrebt sei, Schulleitungsstellen „so schnell wie möglich zu besetzen“, dass es dabei jedoch zahlreiche Fristen zu beachten gebe. Auch müssten sich Bewerber einer „funktionsbezogenen Überprüfung“ unterziehen. Dies alles dauere eben. Doch gebe es an jeder Schule eine „ständige Vertretung“, sprich: die Konrektorenstelle, welche einspringe. Bei „längerer Vakanz“ könne zudem „die Mitführung durch die Schulleitung einer Nachbarschule als temporäre Lösung dienstlich geboten sein“.

Konrektoren müssen Aufgabe schultern

„Das lässt mich sprachlos zurück“, wettert Wagner: „Kein Wort dazu, was es bedeutet, wenn eine Schulleitung für die Führung von zwei Grundschulen Verantwortung tragen muss.“ Auch für die „ständige Vertretung“, die im Bedarfsfall in die Bresche springen soll, ist die alleinige Führung einer Grundschule kein Klacks, wie Christine Brack bestätigt. Die Konrektorin der Zeppelinschule hielt den Laden zwischen dem kurzfristigen Fortgang von Rektorin Angela Behle und der Ankunft von deren Nachfolgerin Katja Steinmüller-Kraushaar am Laufen. „Wir haben uns von Tag zu Tag gehangelt“, berichtet Brack. Es habe schon seinen Grund, warum eine Doppelspitze vorgesehen sei.

Die ADD indes sieht sowohl die Woogbach- als auch die Siedlungsgrundschule trotz Vakanz an der Spitze funktionsfähig. In beiden Schulen seien „durch Konrektor beziehungsweise Konrektorin die Funktionsstellen der ständigen Stellvertretung der Schulleitung besetzt, und diese stellen das Schulleitungshandeln sicher“, heißt es seitens der Behörde auf Anfrage. Beide würden zudem „schulintern vom Kollegium bei den anfallenden Verwaltungsaufgaben unterstützt. Darüber hinaus steht auch stets die Unterstützung durch die Schulaufsicht zur Verfügung.“ Die Leitung der Woogbachschule werde „so bald als möglich ausgeschrieben“. Für Speyer-Nord hat die ADD immerhin einen klitzekleinen Hoffnungsschimmer parat: Für die Leitung der Siedlungsschule gebe es „Interessenbekundungen“.

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