Speyer Großes Interesse an Neubauprojekten
Der Haupt- und Bauausschuss der Ortsgemeinde Harthausen hat am Donnerstagabend im Tabakschuppen vor vielen Zuhörern diskutiert. Vorgestellt wurde die von der Gemeinde in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie zum „Smart City“-Projekt im östlichen Teil des Neubaugebietes „Südlich Wooggraben“ mit etwa 35 Wohneinheiten.
Smart City beschreibt ein Quartier, das sich mit erneuerbaren Ressourcen, intelligenter Vernetzung und geschlossenem Kreislauf energetisch weitgehend selbst versorgt. In Harthausen soll das Quartier zwischen dem Ende der jetzigen Wohnbebauung Richtung Dudenhofen, dem Hainbach, der Speyerer Straße und dem ehemaligen Klärwerk entstehen (wir berichteten). Wie das funktionieren könnte, haben Peter Vogel, Peter Hildenbrand und Frieder Schmitt von der in Stuttgart ansässigen Unternehmensgruppe Vogel Clear Energy auf 500 Seiten untersucht und in knapp 20 Minuten – eine Vorgabe von Ortsbürgermeister Harald Löffler (CDU) – erläutert. Wichtig waren den befragten Interessenten vor allem die Themen Nachhaltigkeit, digitale Vernetzung und Wirtschaftlichkeit im Sinne von Effizienz, Autonomie und Werthaltigkeit. Mit den genannten Prämissen plante das Büro ein Mustergebäude, definierte Standards, berechnete den Energiebedarf und zeichnete die Energieströme von der Bereitstellung bis zur Nutzung im Haus auf. Ihre Modelle entwickelten die Vogel-Mitarbeiter mithilfe eines Simulationsprogramms anhand der „möglichen Versorgungselemente“ Sonne, Erdwärme, Abwasserwärme, Biomasse und Holzpellets. Ein erstes Ergebnis der Planer unter dem Stichwort Lebenszyklus-Kostenanalyse zu den Varianten klassischer Strom-, klassischer Gas- und zweier Nahwärme-Kreisläufe beschrieben die Planer so: Über einen längeren Zeitraum gemessen bestehen zwischen den Technologien kaum Unterschiede. Gravierend sind die Differenzen beim Autonomiegrad: Warme Nahwärme 66,6 Prozent, Gas 41,8 Prozent, kalte Nahwärme 27,2 Prozent und Strom 24,8 Prozent. Im wirtschaftlichen Vergleich schneidet warme Nahwärme (Umwandlung der Energiequelle durch eine zentrale Wärmepumpe) am besten ab, gefolgt von kalter Nahwärme (Umwandlung durch Eis-, Wärmespeicher oder Erdsonden-Feld), dann Gas, Strom. Bei der Einsparung von Kohlenstoffdioxid (CO2-Ranking) ist die Reihfolge kalte Nahwärme, warme Nahwärme, Strom, Gas. Die einzelnen Aspekte fassten die Vertreter von Vogel Clean Energy in einem Quadrantendiagramm mit den Achsen CO2-Vermeidung und Kosten zusammen. Unter dem Gesichtspunkt Wirtschaftlichkeit stuften sie warme Nahwärme am Geeignetesten ein. Dabei könnten 120 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden. Die Kosten beliefen sich auf 1651 Euro pro Tonne. Unter dem Aspekt Umweltfreundlichkeit schnitt die kalte Nahwärme (CO2-Ensparung 206 Tonnen, Kosten 1918 Euro) am besten ab. Die Werte von Strom: 96 Tonnen CO2-Einsparung, Kosten 2275 Euro; Gas: null CO2-Vermeidung, Kosten 1933 Euro. Mit Blick auf den Verbrauch, die Wirtschaftlichkeit und den Autonomiegrad wäre nach der Studie warme Nahwärme (Versorgung über eine zentrale Wärmepumpe) eindeutiger Favorit. Lediglich in der CO2-Bilanz liegt kalte Nahwärme vorn. Geprüft werden könnten, so Frieder Schmitt, noch die Systeme Windenergie und Speicherbatterie. Nächste Schritte in Sachen „Smart City“ sind das „Interessenbekundungsverfahren“, eine Konzept-Bewertung und am Ende die Einholung von Angeboten. Geplanter Radweg: Mit Mehrheit votierte der Haupt- und Bauausschuss für den Verzicht eines vier Meter breiten Wendestreifens für landwirtschaftliche Fahrzeuge entlang des geplanten Radweges nach Schwegenheim. Ursprünglich hatte ihn der Landesbetrieb Mobilität in seiner Planung vorgesehen. „Grundsätzlich“ gegen das Modell kombinierter Rad- und Fußweg ist die SPD. Die Begründung von Christina Vogelsang: „Einen einfachen Radweg hätte der Landesbetrieb komplett bezahlt, zu dem von der CDU gewollten Rad- und Gehweg muss Harthausen Geld aus der Gemeindekasse zuschießen.“ Den Betrag taxierte SPD-Kollege Kurt Humm auf 100.000 Euro. Neubaugebiet: Ulrich Villinger vom Planungsbüro Piske (Ludwigshafen) stellte die bei der Öffentlichkeitsbeteiligung zum Bebauungsplanentwurf „Südlich Wooggraben – Teilbereich West“ eingegangenen Stellungnahmen der direkt Betroffenen vor. Gewünscht wurde die Aufstockung der Traufhöhe von 4.50 Meter auf fünf Meter, die Planungsfläche um zwei Grundstücke zu erweitern (Villinger: „Ist beides machbar.“) und zwei andere Grundstücke vom Geltungsbereich auszuklammern. Villinger: „Dafür muss man im weiteren Verfahren eine Lösung finden.“ Durch die vorgesehene Öffnung des Endstücks der Prinz-Luitpold-Straße zwischen Brücke und Friedhof befürchten Anwohner eine höhere Verkehrs- und Lärmbelastung sowie die Wertminderung ihrer Grundstücke. Zu dem Teilstück, einer möglichen Öffnung der Brücke, Straßenbeschaffenheit, Zufahrt und Müllentsorgung fragte Melanie Fiolka (CDU) mehrfach nach. Villinger beschied abschließend: „Der Abschnitt ist nicht Bestandteil des Entwurfs“ und empfahl, an der Planung festzuhalten. In den Anmerkungen der diversen Behörden sah er keinen Hinderungsgrund.