Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Gretas Großmutter aus Speyer feiert Geburtstag

Am Trapez: Foto von früher, mit dem Freya Widmeier-Jossé ihre Geburtstagsgäste einlädt.
Am Trapez: Foto von früher, mit dem Freya Widmeier-Jossé ihre Geburtstagsgäste einlädt. Foto: privat

„3 x 30 Jahre jung und noch immer in Schwung“, schreibt Freya Widmeier-Jossé in einem an die Lokalredaktion der RHEINPFALZ adressierten Brief. Mit ihm kündigt die unter ihrem Mädchennamen Jossé einst weltbekannte Speyerer Artistin ihren 90. Geburtstag am heutigen 3. Februar an. Versuche der Redaktion scheitern, sie an ihrem Wohnort Kirchheim/Teck zu erreichen: Die offenbar noch immer quirlige Dame ist vermutlich unterwegs.

„Freya for future“ heißt in dem Schreiben weiter. Und: „Ich kann es bis heute nicht unterlassen, ,vegane’ Denkanstöße betreffend Klimawandel zu geben. Greta könnte meine Enkelin sein.“ Damit meint Widmeier-Jossé die junge Schwedin Thunberg, die die Klimaschutz-Kundgebungen „Fridays for future“ initiiert hat. Zu der Veränderung der klimatischen Verhältnisse hatte Freya Widmeier-Jossé anlässlich ihres 80. Geburtstages angemerkt: „Schauen Sie sich an, wie viele CO2-Emissionen auf das Konto der Viehzucht gehen.“

Mit den „veganen Denkanstößen“ spricht die seit vielen Jahren verwitwete Freya Widmeier-Jossé an, was für die US-Amerikaner wenige Jahre nach dem Weltkrieg, zu der Zeit ihrer Auftritte unter Zirkuskuppeln, in Berichten ein großes Thema war: „Blonde Vegetarierin am Trapez“ hieß es im „San Francisco Examiner“ und „Blonder deutscher Trapezstar verdankt seine Selbstbeherrschung der vegetarischen Kost“ in dem in Louisville erscheinenden „Courier Journal“.

Artistenschule in der Salierstraße

Freya Jossé, 1930 in Speyer als Tochter eines Kunstmalers geboren, schloss sich nach 1945 der Artistenschule der Speyererin Gertrude Johann-Luvas an. Johann-Luvas, geborene Weiler, war 1914 geboren und verstarb 2007 in Texas. Sie betrieb in der Salierstraße eine Schule für Artistik, damals noch ein anerkannter Ausbildungsberuf. Wie Freya Jossé war auch eine weitere Speyererin sehr talentiert, Gertrud „Struppi“ Zimmermann. Als Trio traten die Ausbilderin und ihre zwei „Lehrlinge“ als „Die 3 Luvas“ auf und wurden weltberühmt. Nach der Auflösung des Trios gelang Johann-Luvas gemeinsam mit ihrem Sohn Peter erneut eine Trapez-Weltsensation: an einem Hubschrauber hängend Darbietungen in 350 Meter Höhe.

Im Casino und bei der Queen

Den ersten Auftritt von Freya Jossé ermöglichte die Lehrerin im Hotel „Wittelsbacher Hof“, in dem die französischen Besatzer eine Zeit lang ein Offizierskasino unterhielten. Es folgten Engagements in anderen deutschen Städten, in Schweden und in Australien, wo Widmeier-Jossé eine Weltkarriere als Trapezartistin mit der Spezialität Fersen- und Zehenhang und sogenanntem Kautschuk-Turnen begann. Danach ging es nach Großbritannien (wo ihr die junge Königin Elizabeth eine kleine Audienz gewährt), nach Italien und für lange Zeit in die Vereinigten Staaten.

In Speyer, wo sie ihre Laufbahn begann, schloss die Künstlerin diese auch ab – 1967 bei einer Veranstaltung des TSV. Ihre Tochter Thora schien zunächst die Berufstradition ihrer Mutter fortzusetzen, aber sie hörte dann mit der Artistik auf.

Als junge Frau: Die Artistin wusste sich international als „blonde Vegetarierin“ zu vermarkten.
Als junge Frau: Die Artistin wusste sich international als »blonde Vegetarierin« zu vermarkten. Foto: privat
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