Speyerer Stadtgeschichte(n) RHEINPFALZ Plus Artikel Goldwäscher am Rhein

Schon immer begehrt: Gold – hier in Form von Münzen.
Schon immer begehrt: Gold – hier in Form von Münzen.

Es ist anzunehmen, dass Richard Wagner im Trockenen saß, als er den „Ring der Nibelungen“ um die Geschichte von dem im Rhein versenkten Goldschatz komponierte. Im Nassen dagegen hielt sich Johann Ganninger auf, der letzte Speyerer Rheingold-Wäscher. Seine Waschbank samt den anderen Arbeitsgeräten kamen nach seinem Tod 1896 ins Historische Museum der Pfalz.

Goldwaschen war sehr mühevoll. In der damals üblichen Arbeitszeit von neun oder zehn Stunden wurden etwa vier Tonnen Sand des aus den Alpen herangeschwemmten Rheinsands ausgeschöpft, von Kieselsteinen befreit und ausgesiebt. Der Sand enthielt Goldflitter, von denen durchschnittlich 165.000 ein Gramm Gold ergaben, wie Geologen berechnet haben. Mitglieder der Numismatischen Vereinigung Speyer staunten, als sie 1969 nahe der Salierbrücke die Tradition dieser Art von Goldsuche wiederbelebten: In ihren Sieben blieben tatsächlich immer noch Goldflitter hängen.

Vom Gold im Rhein waren die Anwohner seit der Römerzeit fasziniert. Bis ins späte Mittelalter lohnte sich die „nasse Goldsuche“ einigermaßen, später immer weniger. Aus dem 14. oder 15. Jahrhundert stammt ein kleiner Rheingold-Barren mit dem Stempel der Freien Reichsstadt Speyer und der Fassade des Doms. Von 1821 bis 1856 ließen die Bayern-Könige Maximilian I. Joseph, Ludwig I. und Maximilian II. Dukaten aus Speyerer Rheingold mit ihren Porträts herausgeben, versehen auch mit den Aufschriften „ex auro rheni“ (aus dem Gold des Rheins) und „sic fulgent littora rheni“ (so glänzen die Ufer des Rheins).

Mit Schwarzhandel schneller an Geld

Vor 1824 war dieses Waschgold bei der Königlichen Kreiskasse in Speyer abzugeben. Die leitete es an das Hauptmünzamt in München weiter. Dort wurde es geschmolzen und der Geldwert nach Speyer gemeldet. Die vergütete den Goldwäschern nach Monaten die entsprechende Geldsumme.

In dem Buch „Rhein“ von Helmut Seebach heißt es: „Für die Goldwäscher war die lange Wartezeit ein Grund zur Unzufriedenheit. Sie versuchten daher, über den Schwarzhandel schneller an Geld zu kommen. So entschloss sich der bayerische Staat, von 1824 das Umschmelzen in Speyer vornehmen zu lassen.“ Damit beauftragt wurde der Uhrmacher David Möllinger. Der und später seine Kollegen Georg Poth und Karl Koehl bescheinigten den Wäschern die abgelieferte Menge und schmolzen das Gold in ihrem Beisein. Mit der Bescheinigung konnten die Wäscher ihren Lohn bei der Kreiskasse abholen.

Verzicht auf Gold-Ablieferung

Nach 1860 lohnte die staatlich angeordnete Suche nach dem Rheingold kaum noch. Wurden 1832 noch 5000 Gramm Gold abgeliefert, waren es nicht ganz 30 Jahre später nur noch 56 Gramm. Das Königreich Bayern, dem die Pfalz angehörte, verzichtete daher ab 1863 auf die Gold-Ablieferung, Gold-Regal genannt. Jeder Wäscher konnte seitdem behalten, was er herausgesiebt hatte und es selbst umschmelzen lassen.

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