Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Gesellschaft gefragt für gutes Leben im Alter

Die Gesellschaft wird älter: Das hat Auswirkungen auf kommunale Strukturen.
Die Gesellschaft wird älter: Das hat Auswirkungen auf kommunale Strukturen.

Der demografische Wandel fordert heraus. Der Anteil der Senioren steigt. Darauf muss die Gesellschaft regieren. Das Beispiel Speyer zeigt: Die Zahlen sind eindeutig.

5718 Speyerer über 65 Jahren gab es Ende 1970. Gut 50 Jahre später hat sich dieser Wert laut Statistischem Landesamt mehr als verdoppelt: 12.297 Speyerer Senioren hatten einen hoffentlich guten Rutsch ins Jahr 2024. Fast gegenläufig die Entwicklung der „Jungen“: damals 12.121 Unter-20-Jährige, Ende 2023 nur noch 7579 – so wenige wie nie zuvor in den vergangenen fünf Jahrzehnten. Großartig ändern wird sich diese Tendenz auch nicht. Die Anzahl der Geburten steigt nicht mehr.

An dieser Stelle finden Sie Statistiken von 23degrees.

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Bei den Sterbefällen geht die Anzahl hingegen tendenziell nach oben.

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Eine weitere Entwicklung: Die geburtenstarken Boomer-Jahrgänge überschreiten nach und nach die Altersgrenze von 65. Diese Gruppe wird immer größer.

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Darauf müssen Politik und Gesellschaft reagieren, sagt Constanze Konder. Die Gerontologin (Alterswissenschaftlerin), selbst erst 30 Jahre alt, leitet seit 2021 das Seniorenbüro der Stadt Speyer. Alle Bereiche der Gesellschaft müssten aufeinander abgestimmt werden, um ein gutes Leben im Alter zu ermöglichen, betont sie. „Bisher ist das nicht der Fall.“ Sie plädiert für ein größeres Augenmerk auf diese „Querschnittsaufgabe“. Dazu müsse eine bedarfsgerechte Seniorenarbeit ausgebaut werden – aber nicht über die Köpfe der älteren Bürger hinweg, sondern bewusst mit diesen gemeinsam: „Dabei ist der Mitwirkungsgedanke, also die mitgestaltende Teilhabe der älteren Generationen, zentral.“

Auch im Ruhestand aktiv?

Die Babyboomer seien dafür genau die richtigen Partner. Konder: „Sie haben ein hohes Potenzial, sich gesellschaftlich einbringen zu können und zu wollen.“ Sie seien körperlich länger gesund, brächten aus ihrem Arbeitsleben Fähigkeiten mit, die gut einzusetzen seien, und hätten ein hohes Bedürfnis nach sinnvoller Betätigung auch im Ruhestand. Die Rahmenbedingungen für ihr Engagement müssten jedoch modernisiert werden: Im Vergleich zu heute müsse stärker auf zeitlich begrenzte Projekte gesetzt werden, die Flexibilität müsse steigen und die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt werden können.

Alle Bereiche der Stadtgesellschaft seien gefragt, so Konder. Als Beispiel nennt sie das Thema Wohnen. Eine Herausforderung sei die Schaffung „altersgerechter Wohnoptionen“, eine andere die Ausstattung etwa älterer Einfamilienhausgebiete mit Versorgungs- und Teilhabestrukturen. „Für viele Babyboomer werden nachbarschaftliche oder freundschaftliche Strukturen in ihrer Umgebung wichtiger, da beispielsweise die Familie nicht unbedingt in der Nähe wohnt.“ Auch Initiativen wie die Nachbarschaftshilfe oder die Arbeit der Gemeindeschwestern plus könnten Beiträge gegen Isolation leisten. Sie seien in Speyer schon etabliert, müssten aber gerade im Hinblick auf die Boomer-Generation fortentwickelt werden.

Geldbeutel nicht entscheidend

Immer wieder werde dabei die Kommune gefragt sein, erwartet Konder. Bei aller Eigeninitiative und bei allem Ehrenamt werde es wohl auch eine wachsende Anzahl von Hilfsbedürftigen geben: „Insbesondere Frauen, Migrantinnen und Migranten sowie Geringqualifizierte können im Alter über wenig Geld verfügen.“ Die Anzahl der Ausländer über 65 hat sich laut Statistischem Landesamt zwischen 1970 und 2023 in Speyer um den Faktor 23 erhöht (von 39 auf 904). Angebote müssten auch für Senioren ohne großen Geldbeutel zugänglich sein, betont Seniorenbüro-Leiterin Konder.

Der Report

Die Jahrgänge von Mitte der 1950er bis Ende der 1960er-Jahre gehen nach und nach in Rente. Sie waren die stärksten in Deutschland. Das wirkt sich bis heute auch in Speyer und dem Umland aus. Diese Artikelserie beleuchtet die Folgen auf die Gesellschaft aus unterschiedlichen Perspektiven. Alle bislang erschienenen Folgen unter www.rheinpfalz.de/boomer01.

Constanze Konder
Constanze Konder
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