Speyer
Georg Friedrich Kolbs Erbe trägt Früchte
„Es geht unter anderem darum, den Kita-Besuch für Kinder zu ermöglichen, deren Eltern unteren Einkommensschichten angehören“, erläutert Eberhard Mülberger. Er vertritt heute als Nachkomme die Stifterfamilie im Stiftungsvorstand. Weitere Mitglieder sind Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD) und Stadtkämmerin Silke Schmitt-Makdice. Sie beraten ein- bis zweimal jährlich, wie mit den Erträgen der Stiftung deren Zweck erfüllt werden kann: „die Wohnungsfürsorge für wirtschaftlich Bedürftige“ und „die Erziehung von Kindern, etwa durch die Unterbringung von Kindern“. So steht es in einer Urkunde vom 8. Februar 1918, für die am 7. Juli 1920 die amtliche Genehmigung erteilt worden ist. Die Stadt erinnert daran in einer Pressemitteilung.
„Jeder Cent, den wir in die Zukunft der Kinder und somit in die Zukunft unserer Gesellschaft anlegen, ist gut investiert“, so Oberbürgermeisterin Seiler in ihrer Gratulation an die Stiftung. Sie nennt die Kolbstiftung als mögliches Vorbild, für „all jene, die sich ebenfalls in diesem Bereich engagieren möchten“. Bei der Familie Kolb war es Karl Kolb, Sohn von Georg Friedrich Kolb, der die Stiftung gründete. Als er verstarb, wurde im Einvernehmen mit der Witwe Heinrich Johann Daniel Mülberger, Neffe des Stifters, mit der Verwaltung betraut. „Mein Urgroßvater“, erklärt Eberhard Mülberger. Für seine Familie sei es stets ein Anliegen gewesen, „Kindern Gutes zu tun“, berichtet er über die Prägung. Es passe vieles, bis hin zum Beruf seiner Ehefrau, die Erzieherin ist.
Geld gut angelegt
Eberhard Mülberger selbst ist Banker. Zwar verwaltet die Stadt das Geld der Stiftung, aber er berate hinsichtlich der Anlageformen, berichtet er. „Gut, sicher und für heutige Verhältnisse ertragreich“ seien diese. Rund 260.000 Reichsmark habe die Familie einst für soziale Zwecke gestiftet, „etwas höher in Euro“ sei der heutige Bestand. 3000 bis 5000 Euro könnten somit jährlich ausgeschüttet werden, je nach Finanzentwicklung. Regelmäßig gefördert werden laut Stadtverwaltung die Mindereinnahmen der Kommune und der freien Kita-Träger, die daraus resultieren, dass der Besuch des Kindergartens für Kinder ab Vollendung des zweiten Lebensjahres seit 2010 beitragsfrei möglich ist.
Hinzu können in jedem Jahr nach Beschluss des Stiftungsvorstands zusätzliche Ausschüttungen kommen, so geschehen zuletzt 2019 mit einer Zuwendung über 3000 Euro für die Speyerer „Kindertafel“. „Dieses Jahr warten wir noch ab wegen Corona“, berichtet Mülberger. Im Herbst könnte eine Entscheidung fallen. Auch wenn keine Kinder mehr auf der Straße lebten: Der Bedarf sei da.