Speyer Geldsegen für die Bürgerstiftung

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Die 2008 gegründete Bürgerstiftung Waldsee bekommt in den nächsten sechs Jahren eine ordentliche Kapitalspritze: rund 80.000 Euro pro Jahr, gestiftet von einem Nachkommen der Familie Marx, der in Paris lebt.

Der Hintergrund: Ein Teil der zu Waldsee gehörenden Campingplätze war ursprünglich im Besitz der Familie Marx, die dort für ihre Ziegelei Material abbaute. Die Erben der ehemaligen Ziegelei, jüdische Bürger, die heute im Ausland leben, wollten das Gelände vor 23 Jahren an die Gemeinde Waldsee verkaufen. Der war der Kaufpreis in Höhe mehrerer Millionen D-Mark damals zu hoch, um ihn auf einen Schlag zu bezahlen. Man wurde dennoch handelseinig: Waldsee bekam das Gelände und muss dafür die Einnahmen aus der Verpachtung der Campingplätze an die Erbengemeinschaft weitergeben, bis der Kaufbetrag beglichen ist. Das läuft noch sechs Jahre so. Nun hat Ortsbürgermeister Otto Reiland (CDU) vor zwei Jahren den noch in Europa lebenden Erben angeschrieben und von der Bürgerstiftung Waldsee erzählt. Der Erbe, der sich nach Aussage von Reiland immer noch sehr für Waldsee interessiert, hat der Stiftung ein großzügiges Geschenk gemacht und tritt seinen Anteil der Kaufpreisrate in Höhe von knapp 80.000 Euro im Jahr an die Bürgerstiftung ab. Reiland freut sich darüber – und auch über die Begründung des Mannes, der in Paris wohnt und über den er weiß, dass er die Waldseer Kommunalpolitik verfolge und davon sehr angetan sei. Das sei auch ein Grund, warum der Mann sich entschieden habe, die noch ausstehenden Kaufpreisraten an die Bürgerstiftung zu geben: „Das freut mich ungemein“, sagt Reiland. Nicht nur aus Paris bekommt die Bürgerstiftung Waldsee eine Unterstützung, auch aus Waldsee direkt: Die im vergangenen Jahr verstorbene Gertrud Bauer hat der Bürgerstiftung 40.000 Euro hinterlassen, berichtet Reiland. Das Geld ist seit Dezember im Stiftungskapital. Außerdem habe Gertrud Bauer auch jedem der Waldseer Kindergärten 5000 Euro geschenkt. Insgesamt beträgt das Stiftungskapital der Bürgerstiftung jetzt 108.000 Euro. Im April kommt erstmals das Geld des Marx-Erben dazu. Die Bürgerstiftung wurde 2008 gegründet. Damals hatte die Gemeinde Waldsee das Mindestkapital von 25.000 Euro eingezahlt. Laut Satzung dürfen nur die Zinsen des Stiftungskapitals verwendet werden. Das Stiftungskapital selbst soll nicht angetastet werden. Damit können in Not geratene Personen aber auch Projekte beispielsweise aus den Bereichen Bildung, Sport, Jugend-, Familien- und Altenhilfe, Kultur, Umwelt, Heimatpflege oder Brauchtum unterstützt werden. In Waldsee gibt es noch einen weiteren Topf: 350.000 Euro hatte der Waldseer Herbert Amann vor einigen Jahren der Gemeinde geschenkt. „Mit der Auflage, dass mit den Zinserträgen unverschuldet in Not Geratene, das Personal der Gemeinde und die katholische Frauengemeinschaft unterstützt werden“, berichtet Ortsbürgermeister Reiland. Anfangs bekam die Gemeinde 4,75 oder 5 Prozent Zinsen, erinnert sich Reiland: Das waren so um die 14.000, 15.000 Euro im Jahr, die ausgegeben werden konnten. Jetzt – in Zeiten schlechter Zinsen – gibt’s nur noch etwa 0,4 Prozent Zinsen und es können pro Jahr um die 1400 Euro verwendet werden. Einmal im Jahr, am 6. Januar, dem Geburtstags des Schenkers, teile ihm die Verbandsgemeindekasse mit, wie viel Geld ausgeschüttet werden könne. In diesem Jahr werden insgesamt 600 Euro ausbezahlt: an eine bestimmte Person, den Personalrat und die KFD. Der andere Teil der Zinserträge wird noch zurückgehalten für Notfälle – beispielsweise, um einer Mutter einen Zuschuss für eine Kur für ihr Kind zu geben. Reiland sagt, es sind manchmal relativ kleine Beträge, die für manche eine sehr große Hilfe sein können. (krx/snr)

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