Speyer Geigen, Gondeln und Geflügel

Auf und am Wasser: das Picknick-Konzert der Stuttgarter Saloniker mit Patrick Siben am Klavier.
Auf und am Wasser: das Picknick-Konzert der Stuttgarter Saloniker mit Patrick Siben am Klavier.

Die Speyerer Picknick-Konzerte haben dieses Mal an und auf das Wasser gezogen: Die Stuttgarter Saloniker spielten am Sonntagmorgen im Alten Hafen auf einem Floß, während die Zuhörer auf Decken und Campingstühlen am Ufer saßen. Perfekte Logenplätze waren die auf der Terrasse der Pizzeria.

Das musikalische Programm war entsprechend „wasser-lastig“: Strand, Matrosen, Italien, speziell Venedig, die Themse und etwas Geflügel. Das wippte auch in natura auf den Wellen. Alle acht Musiker fanden Platz auf dem Floß mitsamt ihren Instrumenten – zwei Violinen, zwei Klarinetten, eine Trompete und eher Unhandliches wie Cello, Kontrabass und das Klavier vom Leiter der Saloniker Patrick Siben, der übrigens ein echter Pfälzer ist. Sein Schlachtruf „Ahoi Speyer!“ – vielfach zurückgerufen von den Picknickern am Ufer – hatte etwas Familiäres. Das Floß wurde gestakt, meist von Siben, wenn er gerade nicht als Pianist gebraucht wurde. Außerdem hielten es zwei schwimmende Assistenten – angenehmer Job bei den Temperaturen – auf Kurs. Angebunden an langer Leine war es auch, „damit wir nicht in einer Stunde in Köln sind“, so Siben. Los ging es mit dem neapolitanischen „Funiculi, funicula“. Dem folgten Friedrich von Flotows Konzertouvertüre „Die Matrosen“ und der Walzer „Sur La Plage“ des Elsässers Emile Waldteuffel aus einer Zeit, in der Badekleidung noch aus sehr viel Stoff bestand und höchstens der große Zeh mal ins Wasser getunkt wurde. Gleich drei Gondellieder boten sich zum Vergleichen an – das romantisch-ruhige von Felix Mendelssohn-Bartholdy aus den „Liedern ohne Worte“, die lebhafte Barcarola des neapolitanischen Opernkomponisten Ruggiero Leoncavallo und „Mittag an der Adria“ des 1935 verstorbenen Salonkomponisten Amedeo Amadei. Aus den USA kam der Marsch „El Capitan“ von John Philip Sousa. Nach der Pause wurde es „großformatig“: eine Zusammenstellung aus der „Wassermusik“ von Georg Friedrich Händel, die er mit seinem Orchester auf einer Barke auf der Themse während einer Lustfahrt des englischen Königs Georg I. aufführte, und die Operette „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauß – als Sampler von 16 Minuten. Alles drin, alle Walzer-Hits! So machte man das damals, als es noch keine Methode zur Konservierung von Musik gab – nur Noten zum Kauf und Klavierunterricht für die „höhere Tochter“. Das war der Ursprung der Salonmusik, erklärte Siben, der Wunsch, die großen Hits der Zeit angepasst an die eigenen Möglichkeiten nach Hause zu bringen. Was auch heißt, dass die Arrangements recht viel aushalten – damals manchen Misston der Tochter, heute Motorengeräusche der Boote, Hubschrauber und Kleinflugzeuge auf und über dem Wasser. Das Wassergeflügel war die Zugabe: „Der Schwan“ von Camille Saint-Saens in einer Jazz-Version.

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