Speyer Güterzüge auf S-Bahn-Strecke
Die Bahn AG hat wieder die „Kleine Pfalzlösung“ als mögliche Strecke für Güterzüge aus der Schublade geholt. Vorder- und Südpfalz stehen erneut vor einem Problem, das seit 2015 als erledigt galt: 40 Güterzüge pro Tag auf der Strecke von Ludwigshafen über Speyer, Germersheim und Wörth nach Karlsruhe.
Die Bahn erstellt eine Machbarkeitsstudie für die sogenannte „Kleine Pfalzlösung“. Diese Planung sieht vor, dass auf der elektrifizierten linksrheinischen Strecke, die auch durch den Rhein-Pfalz-Kreis führt, bis zu 40 Güterzüge in 24 Stunden fahren. „Diese Idee wurde vor drei Jahren aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen, weil sich die gesamte Region dagegen ausgesprochen hatte“, erinnert sich der Germersheimer Landrat Fritz Brechtel (CDU). Jetzt habe die Bahn infolge der Streckensperrung beim Einbruch des Tunnels in Rastatt gemerkt, dass ihr eine Ausweichstrecke fehlt, falls die Hauptachse ganz oder teilweise ausfällt. In einer Pressekonferenz verwies der Vorsitzende des Verbandes Region Rhein-Neckar gestern in Mannheim, Stefan Dallinger, allerdings darauf, dass die Bahn ihre Untersuchungen zur „Kleinen Pfalzlösung“ bereits vor dem Rastatter Unglück begonnen habe. Möglicherweise doch als Zwischenlösung bis zum geplanten viergleisigen Ausbau des Abschnitts Mannheim-Karlsruhe. Landrat Brechtel sieht indes keinerlei Veränderung der Ausgangssituation seit der Ablehnung der „Kleinen Pfalzlösung“. Vor allem die vielen beschrankten Bahnübergänge im Landkreis sprächen gegen diese Lösung. Dabei wären die Schranken nämlich so oft geschlossen, dass sämtlicher Autoverkehr zum Erliegen käme, so Brechtel. „Und natürlich spielt auch der Lärmschutz eine Rolle. Die Bahnlinie geht mitten durch Dörfer.“ Nach wie vor seien sich die Landräte und Bürgermeister der Region einig, dass diese Planung nicht umgesetzt werden darf. In diesem Sinne hat der Verbandsvorsitzende Dallinger in einem Brief an das Bundesverkehrsministerium sein Erstaunen zum Ausdruck gebracht, dass man in Berlin wieder über die „Kleine Pfalzlösung“ rede. Adressat des Briefes ist mit Enak Ferlemann der Staatssekretär im Verkehrsministerium, der vor drei Jahren versicherte, dass die „Kleine Pfalzlösung“ vom Tisch sei. In seinem Brief schreibt Dallinger: „Wie Sie wissen, engagiert sich der Verband Region Rhein-Neckar seit vielen Jahren auf unterschiedlichen Ebenen intensiv für die Stärkung der Schiene als Verkehrsträger. Dies gilt insbesondere auch für den Ausbau der Rheintalstrecke, sowohl zwischen Frankfurt und Mannheim, als auch südlich von Mannheim in Richtung Karlsruhe. Mit großem Erstaunen musste der Verband Region Rhein-Neckar nun zur Kenntnis nehmen, dass die DB Netz AG im Zusammenhang mit den Ausbauplanungen im Eisenbahnkorridor Frankfurt-Mannheim-Karlsruhe die mit Geld der Kreise, Städte und Gemeinden elektrifizierte Nahverkehrsstrecke von Ludwigshafen über Speyer und Germersheim nach Karlsruhe in den Fokus genommen hat. Aktuell wird im Rahmen einer Machbarkeitsstudie eine Ertüchtigung für den Transit-Güterverkehr konkret geprüft.“ Diese Nutzung sei für den Güterverkehr in der Schlussbewertung der „Studie für den Eisenbahnkorridor Mittelrheinachse-Rhein/ Main-Rhein/ Neckar-Karlsruhe“ insbesondere aus Kapazitätsgründen ausdrücklich ausgeschlossen worden, so Dallinger. In mehreren Stellungnahmen gegenüber dem Verkehrsministerium zur Korridorstudie und zum Bundesverkehrswegeplan habe der Verband deutlich gemacht, dass die „Kleine Pfalzlösung“ als mögliche Güterverkehrsführung von der Region und dem Verband Region Rhein-Neckar sowie den betroffenen Gebietskörperschaften abgelehnt werde. Ein Grund für die Ablehnung sind laut Dallinger auch die zu erwartenden Lärmbelastungen in den Wohngebieten an den eigens geschaffenen S-Bahn-Haltepunkten. Der Verband fordere daher das Bundesverkehrsministerium auf, als Auftraggeber gegenüber der DB Netz AG für die Einstellung der Planungen und Studien zur Umsetzung der „Kleinen Pfalzlösung“ Sorge zu tragen. Südwest