Speyer „Gästehaus Maximilian“ in Speyer: Logistik, Qualität und rauer Ton

Neuer Anblick: sanierte Stuckdecke mit Rosette.
Neuer Anblick: sanierte Stuckdecke mit Rosette.

Für das „Gästehaus Maximilian“ hat das „Finish“ begonnen. Der Umbau der beiden historischen Häuser Karmeliterstraße 11 und 13 soll bis August fertig sein. „Eine Herausforderung für Handwerker, Architekt, Denkmalschutz und Bauherrn“, sagt Markus Fritz, verantwortlicher Architekt vom Büro ADS in Speyer.

Seit vorigen Samstag sehen Markus Fritz und alle Beteiligten Licht am Ende des Tunnels. Der Estrich ist seitdem aufgebracht. Jetzt fehlen nur noch der nicht minder wichtige Rest: Das heißt Malerarbeiten, Fliesen, Parkett. Die Möbel werden Ende Juli geliefert. Parallel wird draußen in diesen Tagen der Bürgersteig maßgeschneidert umgebaut. Über die Breite des Ensembles steigt das Pflaster nach Fertigstellung zur Tür hin sanft an. „Das Haus und der Aufzug darin sind barrierefrei zu erreichen“, betont Fitz. Das war eine der zentralen Aufgabenstellungen: Barrierefreiheit. Gelungen ist es nicht überall zu 100 Prozent. Beide Häuser weisen verschiedene Geschosshöhen auf. Die Ebenen stoßen versetzt aneinander. Durchgängige Flächen über beide Häusergrundrisse waren deshalb nicht immer hinzubekommen. Der Denkmalschutz – „wir haben sehr gut mit dem Denkmalschützer der Stadt, Jürgen Alshuth, zusammengearbeitet“, betont Fritz – hat ebenfalls die letzte Freiheit in der Gestaltung versagt. Eine Stuckdecke im zweiten Obergeschoss samt Deckenkranz musste erhalten werden. „Es war nicht immer einfach, aber es hat geklappt. Die Decke ist nun der ganze Stolz der Bauherrin“, sagt Fritz und weist beim Gang durch die Baustelle auf das perfekt restaurierte und teils neu modellierte Kunstwerk an der Zimmerdecke hin. „Mitten durch die Rosette ging ein Riss, da war ein Kabel durchgezogen. An der Ecke war ein Loch herausgebrochen“, ergänzt er kopfschüttelnd und zieht sein Handy aus der Tasche, um die Fotos vom Grad der Zerstörung zu zeigen. Der notwendige Kompromiss: aus dem Zimmer führt nun eine Stufe hinaus auf den Flur. Vom Keller bis ins Dachgeschoss werden dort aus die 13 Zimmer erschlossen. Zum Flur hin öffnet sich auch der Aufzug. Dieser Lift war eine andere großen Herausforderungen an die Bauleute. Der Schacht ist komplett aus sogenanntem Brett-Stapel-Holz gearbeitet. Er wurde in Maßteilen vorbereitet, nach Neustadt zur Firma Holz-Zerf geliefert, dort zusammengeschraubt und innen mit Feuerschutz ausgekleidet. Dann wurde er per Tieflader nach Speyer gebracht. Vom Postplatz aus ist der Lkw – Maßarbeit – rückwärts in die Karmeliterstraße gestoßen bis vor ans Ziel. Dort hat ein 100-Tonnen-Autokran von der Firma Heintzelmann das zehn Tonnen schwere „Objekt“ von oben in das offene Haus am vorgesehenen Platz eingelassen und auf das dort zuvor eingebaute Betonfundament gestellt. Fritz nannte das System eine tolle Alternative zur bisherigen Technik, zeit- und kostensparend. Es erspare das Verschalen und das Betonieren jeder Etage nacheinander. „Ich habe aber Blut und Wasser geschwitzt, als der Schacht eingehoben wurde“, gibt der Architekt zu. „Nicht auszudenken, wenn das Teil aufgerichtet wird und ins Schwingen gerät.“ Die Abmessungen des „Teils“ lassen seine Bedenken gut nachvollziehen. Höhe: 15,90 Meter, Breite: 1,65 Meter, Tiefe: 2,50 Meter, Gewicht: zehn Tonnen. Noch eine Herausforderung: die Enge der Baustelle – drinnen im alten Gemäuer und draußen in der alten Stadt über der Stadtmauer, wo die Häuser einst hingebaut worden waren. „Du musst mit allen Nachbarn immer gut auskommen. Zweimal war die Straße in der Bauzeit komplett gesperrt. Das ist gerade wieder der Fall. Mit den Anliegern ist dann stets zu koordinieren, wie sie an ihr Haus kommen. Eine logistische Großaufgabe. Wir haben verständnisvolle Nachbarn“, lobt er. Völlig unerwartet hat eine weitere Herausforderung Komplikationen beschert: die aktuell überhitzte Konjunktur. „Es ist derzeit schwer, Firmen und Handwerker zu bekommen und den Zeitplan einzuhalten. Das geht nur mit starken Partnern, mit denen wir schon lange zusammenarbeiten. Die Gewerke sind anspruchsvoll, filigran, aufwendig. Dafür braucht es Spezialisten.“ Der Gang über die Baustelle ist beendet. Da passiert es doch: Plötzlich schreit der Architekt in Richtung Handwerker los: „Spreche ich spanisch? Ich habe gesagt, da müssen Bretter unter das Gerüst gelegt werden. Der Estrich darf nicht kaputt gehen. Er ist frisch und muss noch trocknen.“ Auf dem Bau herrscht mitunter ein rauer Ton. Die Bauherren Alexandra und Tim Gast, Geschäftsführer der Cafébar Maximilian, freuen sich, dass das Projekt „Gästehaus Maximilian“ vor dem Abschluss steht. „Denkmal- und Brandschutz kosten Nerven und gehen ins Geld“, sagt Tim Gast. Zahlen will er nicht nennen. Beide hoffen, den angepeilten Eröffnungstermin halten zu können; August. „Wir sind schon in der Vermarktung. Die Nachfrage ist da“, sagt Gast. Daten und Fakten —2015: Erster Kontakt mit Vorbesitzer —Oktober 2016 bis Mai 2017: Planung und Umbaugenehmigung —(geplante) Fertigstellung August 2018: 13 Gästezimmer auf 390 Quadratmeter Nutzfläche, verteilt auf Erdgeschoss, erstes und zweites Ober- sowie Dachgeschoss; Aufzug, 90 Quadratmeter großer Keller; Ladestelle für E-Bikes —Name: Gästehaus Maximilian mit „Self-Check-In“. Der Gast kann sich mittels Zahlencode das Zimmer öffnen.

Am Haken: Der zehn Tonnen schwere Aufzugschacht über der Karmeliterstraße.
Am Haken: Der zehn Tonnen schwere Aufzugschacht über der Karmeliterstraße.
Riss in der Mitte, Loch in der Decke: das Vorzeigezimmer vor der Renovierung.
Riss in der Mitte, Loch in der Decke: das Vorzeigezimmer vor der Renovierung.
Letzte Arbeiten außen: das künftige Gästehaus Maximilian.
Letzte Arbeiten außen: das künftige Gästehaus Maximilian.
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