Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Fußballstar Lutz Lindemann kommt zum ASV Waldsee

War vor fast fünf Jahren schon mal in Waldsee: Lutz Lindemann.
War vor fast fünf Jahren schon mal in Waldsee: Lutz Lindemann.

Er war DDR-Auswahlspieler und stand mit Jena im Europapokalendspiel. Am Mittwoch referiert Fußballstar Lutz Lindemann beim ASV Waldsee. Im Gespräch mit Martin Erbacher gibt er alles, nur einen bestimmten Tipp nicht ab.

Was haben Sie nach ihrem letzten Besuch in Waldsee gemacht?
Ich bin jetzt im sechsten Jahr Fernsehexperte und sehr zufrieden damit. Dass ein Experte so lange arbeitet, ist selten. Wir sehen dann, ob der Vertrag verlängert wird. Bestimmte Herren ziehen ein Fazit. Ich würden gerne weitermachen. Fußball ist mein Leben. Ich werde immer noch viel angesprochen. Ich habe aber auch andere Möglichkeiten. Ich mache aber nichts hauptamtlich. Ich werde 75. Beim Skandalspiel gerade erst in Berlin habe ich zum ersten Mal Angst gehabt. Am Wochenende habe ich Bielefeld gegen Halle kommentiert. Nun geht’s im Fernduell zwischen Greifswald und Cottbus um den Aufstieg.

Wer wird Meister?
Ich bin für Cottbus und gönne es ihnen. Sie sind die einzigen, die die Möglichkeiten mit dem Stadion haben. In Greifswald bleiben vielleicht die Zuschauer weg, wenn es nicht läuft.

Leipzig war im Champions-League-Halbfinale und zweimal Pokalsieger.
Auch wenn es einige in Leipzig nicht gerne hören, es war die beste Entscheidung. Sie haben mit viel Geld wenige Fehler gemacht und Fußballsachverstand. Andere haben mit viel Geld wenig gemacht. Das Stadion ist voll. Es fahren auch Leute aus Brandenburg hin. Sie tun dem ostdeutschen Fußball gut.

Und sonst?
Nicht so erfreulich, wenn man Rostock sieht. Dresden bleibt trotz zwischenzeitlich zwölf Punkten Vorsprung in der 3. Liga. Das sind doch Traditionsvereine, die jungen Leuten helfen. Die Entwicklung bei Union Berlin ist sehr traurig. In Magdeburg müssen sie realistisch sein, sind auf einem guten Weg. Ein ganz großer Einsteiger fehlt.

Wer fehlt bisher auf der Bundesligalandkarte?
Thüringen ist traurig. Ich habe beiden Vereinen, Erfurt und Jena, viel zu verdanken. Jetzt ist Jena im oberen Regionalligamittelfeld. Erfurt war schwach, in der Rückrunde nicht gut.

Was kann Heidenheim besser als Jena?
Das Umfeld ist besser. Ich kann es von außen nicht beurteilen. Der kleine Ort hat ringsum Sponsoren, die das finanzielle Fundament bilden. Wie lange ist Frank Schmidt schon Trainer? Er ist ruhig und besonnen. Ich bin ein Fan von ihm. Er hat mit den anderen Sensationelles geleistet, dieses System, diese Spielweise. Wie Jan-Niklas Beste Standards zelebriert. Seine Freistöße sind Absicht. Ich konnte ja auch welche schießen.

Wie haben Sie den Europapokalsieg von Magdeburg vor 50 Jahren gegen AC Mailand erlebt?
Vor dem Fernseher, wie viele anderen. Ich hätte nicht gedacht, dass ich da auch mal hinkomme. Der Gegner war keine Laufkundschaft. Das war ein Highlight, etwas ganz Großes, ein Traum. Einige Spieler haben den Fußball in Ostdeutschland geprägt. Dann habe ich auch im de Kuip in Rotterdam gespielt. Wir haben mit der Nationalmannschaft in der Weltmeisterschaftsqualifikation verloren. Ich habe ein Tor geschossen. Es wurde aber Abseits gepfiffen.

Und das vor 50 Jahren 1:0 gewonnene WM-Spiel der DDR gegen die Bundesrepublik?
Auch vor dem Fernseher, ich habe schon Oberliga gespielt. Aber das war vor meiner Zeit. Wir haben den Daumen gedrückt. Mit Torschütze Jürgen Sparwasser habe ich zu meiner Zeit in Magdeburg auf dem Zimmer gelegen. Er war schon weiter. Wir sind beide in Halberstadt geboren. Es hatte weltweite Beachtung, auch aus politischen Gründen, den späteren Weltmeister zu schlagen. Die Spieler sind weltbekannt. Die Funktionäre prahlten noch Jahre damit.

Was erzählen Sie den Waldseern am Mittwoch ab 18 Uhr Neues?
Ich lasse auf mich zukommen, was sie wissen wollen. Ich bin nicht der Allwissende. Ich bin im Osten gut vernetzt und kann auch die Entwicklung im Fußball gut einschätzen.

Was sagen zur EM-Qualifikation Georgiens?
Ich habe mich gefreut, nur damals nicht, als wir das Endspiel gegen Dinamo Tiflis 1:2 verloren haben, nach 1:0-Führung, der Chance zum 2:0. Sie hatten sensationelle Fußballer. Die hätten überall spielen können, wenn man sie gelassen hätte. Ich bin nach Tiflis eingeladen. Sie zeigen jedes Jahr das Finale im Fernsehen. Leider habe ich keine Zeit.

Wer wird Europameister?
Ouuuh, Deutschland hat jetzt gute Spiele abgeliefert. Ich bin nicht zu euphorisch. Frankreich hatte keine Lust. Die Niederlande waren engagierter. Die Spieler sind in der Lage, gegen jeden mitzuhalten. Halbfinale wäre in Ordnung, Finale super.

Wer wird nun Europameister? Die Waldseer geben sich nicht so leicht geschlagen.
Sie sollen froh sein, dass der 1. FC Kaiserslautern in der Zweiten Liga geblieben ist. (lacht)

Wer wird Deutscher Meister 2025?
Wenn Leverkusen normal bleibt, wenn die entscheidenden Spieler bleiben, dann sind sie mein Favorit. Das war eine Augenweide, Zirkulation, Dreiecksspiel bis zur Perfektion, dann in die Tiefe gespielt. Das war einmalig. Besser kann es nicht gehen.

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