Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Fußball: Wie ein Fußball-Ruheständler das Spiel sieht

Fühlt sich in seiner neuen Rolle pudelwohl: Manfred Schmitt.
Fühlt sich in seiner neuen Rolle pudelwohl: Manfred Schmitt.

SPEYER. Psssst ... Es gibt nicht nur den Fan, den Schiedsrichter und Spieler, also die unmittelbar Beteiligten an einem Fußballspiel. Im Hintergrund tummeln sich meist auch die stillen Beobachter, wenn die 22 Akteure der Kugelnachjagen. Ein solcher ist mittlerweile der im Speyerer Fußball nicht wegzudenkende Manfred Schmitt geworden.

Mit 57 Jahren hat Schmitt so einiges in seinem Fußballleben mitbekommen. Zuletzt war er bis August 2017 Trainer des Oberligisten TuS Mechtersheim. „Ich habe enttäuscht die Brocken hingeworfen“, sagte er: „Danach hatte ich noch Gespräche mit einigen Vereinen. Der Funken ist aber nicht mehr übergesprungen.“

Der technische Angestellte des Landesarchivs engagierte sich seit 1991 als Coach, zu Beginn beim VfR Speyer, auch beim FV Dudenhofen. Früher sei er bis zu sechsmal in der Woche auf dem Fußballplatz zu finden gewesen. Mittlerweile sei dies aber deutlich rückläufig, weil er mehr den privaten Spaß am Rande der 90 Minuten sucht.

Rosinen rausgepickt

„Ich habe mir in der letzten Zeit die Rosinen rausgesucht. Ich besuche dann auch mal alte Kumpels in Weingarten, Dudenhofen, Pfeddersheim, Lustadt oder Deidesheim“, erzählt Schmitt von Partien unabhängig von der Spielklasse.

Bevor Schmitt zu einem Match aufbricht, informiert er sich erst mal: „Ich war immer mehr vom Amateurfußball begeistert. Ich lese alles über die Amateure in Sachen Neuzugänge, Auf- und Abstieg. Ich bin ja noch nicht so weit weg und kenne viele Spieler. Ich weiß im Vorfeld schon, warum ich zu einem Spiel fahre.“

Am Fußballplatz angekommen, hält er sich doch lieber im Hintergrund auf: „Ich gehe meist mit einem Kumpel zu dem Spiel, oder treffe mich auf dem Fußballplatz mit jemandem“, sagt der Ex-Oberligatrainer.

Quälende Fragen

Zu Beginn seien gewisse Fragen immer wieder auf dem Sportgelände gefallen: „Wann fängst du wieder an?“ Alternativ gab es auch den Spruch: „Warum bis du hier, wirst du Trainer?“ Deshalb versuche sich Schmitt nach eigenen Worten, „abseits der Meute“ zu stellen.

„Ich will das Spiel sehen. Es ist schön, mal diese Seite kennen zu lernen. Das ist viel entspannter, als Trainer zu sein“, erklärt der Speyerer. Früher sei Fußball mehr ein Job gewesen, der jeden Tag viele Telefonate mit sich gebracht habe.

„Ich habe das lange gemacht. In den ersten Wochen war das gewöhnungsbedürftig. Da war ein luftleerer Raum“, erzählt Schmitt, der Dank seines großen Freundeskreises aber schnell Abstand gewann.

Überraschung Sechserkette

Die 90 Minuten selbst erlebt Schmitt dann wegen seines Fachwissens doch anders, als der gewöhnliche Fußballfan. „Ich schaue gerne auf das Taktische“, sagt der frühere Fußball-Trainer, der dann auch auf Besonderheiten achtet.

Beim Pokalspiel zwischen dem FC Speyer 09 und Wormatia Worms sei ihm die vom FCS installierte Sechserkette gleich ins Auge gefallen. „Das habe ich vorher noch nie gesehen“, sagt Schmitt.

Er verbittet sich jedoch, seine Meinung zu Aufstellungen und Taktik an die Verantwortlichen weiterzugeben: „Dazu bin ich nicht nah genug an der Mannschaft. Es gibt so viele Gründe, weshalb eine Taktik oder Aufstellung vom Trainer gewählt wurde.“

Dudenhöfer Varianten

Aber auch die Wow-Effekte schaut sich Schmitt genau an. „Die Freistoßvarianten von Dudenhofen sind sehr ideenreich“, berichtet er. Nach dem Abpfiff folgt die Analyse mit seinen Freunden. Das jedoch sei eine Sache, die sich auf das Gespräch selbst beschränke.

Schmitt: „Als Trainer habe ich früher Nächte lang nicht geschlafen. Da hat man über Pech, die Schlussminuten oder Situationen, in denen deine Mannschaft möglicherweise benachteiligt wurde, tagelang nachgedacht“, erzählt Schmitt, der sich pudelwohl in seiner Position als stiller, leiser, aber auch intensiver Beobachter im Hintergrund fühlt.

Die Serie

In der Serie „Elf Freunde sollt ihr sein“ beschreiben wir das Fußballspiel aus verschiedenen Blickwinkeln – vom Fan über den Stadionsprecher bis hin zur Spielerfrau – in elf Teilen, so unsere erste Überlegung. Aber wir haben die Ersatzspieler vergessen, und so geht’s noch ein bisschen weiter.

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