SPEYER RHEINPFALZ Plus Artikel Fußball: Schneiders Noten bekamen auch schon aktuelle Bundesliga-Schiedsrichter

Bewertet Leistungen von Schiris: Hans Schneider.
Bewertet Leistungen von Schiris: Hans Schneider.

Hans Schneider ist Schiedsrichterbeobachter und hat in seiner Karriere, die 1979 an der Pfeife begann, so einiges erlebt. Seit 27 Jahren beobachtet er nun Unparteiische auf dem Feld. Seine Arbeit beschränkt sich aber nicht nur auf 90 Minuten.

Gerhard Andres, Kreisschiedsrichterobmann aus Weingarten, förderte den Speyerer Hans Schneider. Bis in die Verbandsliga stieg Schneider, der als Mechaniker in der BASF arbeitete und mit 66 Jahren nun in Rente ist, auf. Der ehemalige Fifa-Schiedsrichter Werner Föckler bereitete ihm einen Weg in den hochklassigen Sport als Schiedsrichterbeobachter. „Er war mein Förderer, mein Mentor. Wir pflegen eine sehr intensive Freundschaft“, sagt Schneider der für den FV Berghausen gemeldet ist.

Seine aktive Schiedsrichter-Karriere beendete er 1993 wegen gesundheitlicher Probleme. Nach einem Jahr Pause ging es dann als Beobachter weiter. Bis zur Regionalliga bewertete Schneider Schiedsrichterleistungen. „Es durften Leute durch meine Schule gehen, die heute in den Bundesligen pfeifen“, erzählt Schneider und meint bekannte Schiris wie Sascha Steegemann und Christian Dingert.

Kaffee und Snack gehören dazu

Bewerten und heimgehen – das ist nicht die Arbeitsweise von Schneider. „In dem Moment, in dem ich die E-Mail bekomme, dass ich einen Schiedsrichter beobachten soll, geht es schon los. Acht Tage vor dem Spiel ist die Einteilung dann endgültig“, erklärt Schneider. Dann informiere er sich über Spieler der Teams, den Fahrweg und auch den Tabellenstand. „In einer Partie Erster gegen Letzter kann auch mal was passieren. Beim Dritten gegen den Vierten schaue ich aber mal genau auf die Tabelle. Wenn man seriös arbeiten will, gehört das dazu“, sagt Schneider.

Bei Einsätzen in der vierthöchsten Spielklasse muss er 90 Minuten vor dem Anpfiff vor Ort sein. Dann stellt er sich dem Unparteiischen vor. Das am liebsten bei Kaffee und einem kleinen Snack. „Ich will dem Schiedsrichter das notwendige Maß an Sicherheit geben und ihm Mut einreden“, sagt Schneider, der froh ist, wenn das „Beobachtungsobjekt“ mit einem guten Gefühl auf den Platz geht. Oftmals seien gerade Schiri-Frischlinge in den höheren Spielklassen nervös. Er könne das durch seine flapsige Art gut ausgleichen, meint Schneider. „45 Minuten vor Spielbeginn ziehe ich mich zurück und komme erst wieder 15 Minuten nach dem Spiel zu den Schiedsrichtern“, erklärt der 66-Jährige weiter.

Das Recht auf korrekte Beurteilung

Das Spiel beobachtet Schneider intensiv. „Jeder Schiedsrichter hat das Recht auf eine korrekte Beurteilung“, stellt er fest. Ausgangswert sei bei einer Notenskala von null bis zehn immer der Wert 8,4. Positive Einzelszenen werden mit plus 0,1 Punkten bewertet, bei ungerechtfertigten Roten Karten oder Elfmetern wird ein halber Punkt abgezogen. „Ich habe noch keinen Schiedsrichter erlebt, der alle Einzelszenen richtig bewertet hat“, erklärt Schneider, dass es die perfekte Leistung nicht gibt.

Aber auch von schlechten Leistungen will er nicht sprechen, verweist vielmehr auf unglückliche Tage. „Das sind aber gestandene Männer, die damit umgehen können“, erklärt er. Er freue sich, wenn er gute Leistungen der Schiris sehe. „Gut sind die Noten 8,3 und 8,4. Bei weniger als acht Punkten sieht es dann nicht so gut aus“, erklärt Schneider, sagt aber auch, dass nicht jedes Spiel genug schwierige Einzelszenen habe, um eine top Bewertung zu erreichen.

Zertretene Pfeife in der Kabine

War die Leistung gut, lässt Schneider bei der Analyse nach dem Spiel zuerst den Referee sprechen. „Zwei bis vier Entscheidungen werden angesprochen. Da geht es auch um Kommunikation und Körpersprache auf dem Platz. Bei strittigen Situationen hole ich mir das Video zum Spiel und schaue sie mir noch einmal an, um gerecht beurteilen zu können“, erzählt Schneider. Schwieriger sei es, eine unglückliche Leistung zu beurteilen. „Ich war schon einmal nach dem Spiel in einer Kabine, da habe ich eine zertretene Pfeife auf dem Boden gesehen“, erzählt der Speyerer. Den Schiris sei durchaus bewusst, wenn es nicht so gut gelaufen ist. „Die Jungs sind da knochentrocken ehrlich. Wenn sie daneben lagen, wissen sie das.“

Berichte schreiben ist nach dem Spiel angesagt. Diese müssen bei einem Regionalligaspiel innerhalb von 48 Stunden beim Verband sein. Rückfragen seien selten. „Ich schaue mir meine Berichte immer noch einmal kritisch an“, gibt Schneider an und betont, dass er diese Selbstbeurteilung für unbedingt notwendig hält.

Die Serie

In der Serie „Elf Freunde sollt ihr sein“ beschreiben wir das Fußballspiel aus verschiedenen Blickwinkeln – vom Fan über den Stadionsprecher bis hin zur Spielerfrau – in elf Teilen, so unsere erste Überlegung. Aber wir haben die Ersatzspieler vergessen, und so geht’s noch ein bisschen weiter.
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