Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Fußball: Als „Molle“ gegen Fritz Walter spielte

Schwelgt in Erinnerungen: Heiner „Molle“ Herbel vor elf Jahren.
Schwelgt in Erinnerungen: Heiner »Molle« Herbel vor elf Jahren.

Die frühere Fußball-Oberliga war die höchste bundesdeutsche Spielklasse. Sie war in fünf Staffeln aufgeteilt. Die Besten machten in einer Qualifikationsrunde den deutschen Meister aus. Von 1953 bis 1955 und von 1956/57 bis 1960 gehörte der frühere FV Speyer dieser Oberliga an. Einer seiner Spieler hatte einen Ruf wie Donnerhall: Heiner „Molle“ Herbel (1918 bis 2011).

Der gebürtige Speyerer, als linker Läufer auf dem Platz eisenhart und voller Tricks, machte jeden Gegenspieler mürbe. Fritz Walter, der 2020 100 Jahre alt geworden wäre, dem er in Spielen des FVS mit dem 1. FC Kaiserslautern schon vor dem Zweiten Weltkrieg begegnete, blieb von Herbelschen Attacken allerdings verschont.

„Weil der de Balle immer glei weitergspielt hot“, erklärte er einmal in einem RHEINPFALZ-Gespräch, „unn des war aa gut so. Dann wie hett’n des ausgsehe, wenn ich an de Ehrenspielführer vun de Nationalmannschaft hart dragewesche hett?“.

Eisenhart

Trotz aller Härte – Heinrich Herbel spielte nie foul, war nie gesperrt und fiel auch nie wegen einer Verletzung aus. Der „eiserne Molle“ war auch gegen sich selbst hart. Er spielte selbst mit gebrochenem Nasenbein und auch mit einer klaffenden Stirnwunde: „Do hot’s nix gewwe weche denne Wehwehle.“

Die Härte auch gegen sich selbst eignete sich Herbel wahrscheinlich als Soldat und danach als kriegsgefangener Bergwerk-Arbeiter an. Fast zehn Jahre war er an vielen europäischen Fronten und danach als „prissonnier de guerre“ in einem französischen Stollen.

Als die Bewacher mitbekamen, dass er gut Fußball spielt, teilten sie ihn einer Lagermannschaft zu. „Mit dere hab ich sunndaachs als dreimol hinnernanner gekickt.“ Und montags fuhr er dann wieder als „Mineur“ ins Bergwerk ein.

Sofort gespielt

Als er an einem Freitag wieder in Speyer eintraf, trat er gleich am folgenden Sonntag auf dem Roßsprung an, zum ersten und letzten Mal in einer zweiten FVS-Mannschaft. Obwohl er Angebote von anderen Vereinen erhielt, blieb „Molle“ seinem FV Speyer treu. „Ich war der Spieler, den se am schlechteste bezahlt henn, weil se gewisst henn, der geht jo doch nie fort“.

Heiner Herbel, Betriebsschlosser bei Siemens, kassierte gegen Ende seiner Oberliga-Zeit die vom Deutschen Fußball-Bund erlaubte Gage von höchstens 320 Mark im Monat. Ein paar Scheine „hintenrum“ bekam er offenbar nicht.

Rund 500-mal lief er in der ersten Mannschaft seines Vereins auf. Der FVS ernannte ihn deswegen zum Ehrenspielführer.

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