Speyer
Fritz-Ober-Straße: Verkehrszahlen unterschiedlich interpretiert
Die Anwohner
Hans-Peter Richter hatte sich im August an die RHEINPFALZ gewandt und eine Umfrage im Viertel angekündigt. Deren Resultate legen nun Richter und zwei weitere betroffene Bürger vor. 40 Anwohner von Fritz-Ober-, Franz-Stützel-, Carl-Dupré- und Christian-Eberle-Straße sowie Ziegelofenweg hätten sich beteiligt. Laut Richter gibt es ein „eindeutiges Ergebnis“: Der Straßenzug werde als „Gefährdungszone“ empfunden. Nur einer von 40 Befragten stufe die allgemeine Verkehrslage sowie die Verkehrsdichte dort als „okay“ ein, alle anderen als „störend“ oder „nicht akzeptabel“. Beim Verkehrslärm neigten sogar alle den beiden problematischen Kategorien zu.
Einhaltung Tempo 30? Für 39 von 40 Teilnehmern nicht in Ordnung. Die Anzahl der Geschwindigkeitsüberschreitungen pro Tag wird im Mittel auf 21 bis 40 geschätzt. Die Nachtruhe zwischen 22 und 6 Uhr wird aus der Sicht von nur 14 der 40 Befragten in ausreichendem Maß respektiert. „Wir wollen nur, dass das Tempo 30 mit moderater Fahrweise auf einer guten Fahrbahn eingehalten wird“, so die Bürgergruppe. Sie schlägt unter anderem mehr Kontrollen, eine bessere Verkehrslenkung und Radwege im Bereich Ziegelofenweg als Abhilfen vor.
Die Stadt
Verwaltungsmitarbeiter haben sich die Situation vor Ort angesehen. Gezielten Austausch mit den Anwohnern darüber habe es zuletzt nicht gegeben, so Sprecherin Lisa Eschenbach. Die Stadt teilt nicht alle Bedenken der Bürger. Beim Verkehrsaufkommen schlägt sie zum Beispiel keinen Alarm. Diese Einschätzung werde durch Daten getragen, die in den vergangenen Wochen über einen Verkehrszähler gewonnen worden seien, so Eschenbach.
Zwischen 7. und 31. August seien in der Fritz-Ober-Straße insgesamt 54.728 Kraftfahrzeuge erfasst wurden. Eschenbach: „Das bedeutet heruntergerechnet durchschnittlich 2252 Kraftfahrzeuge pro Tag, was für eine Sammel- und Verbindungsstraße wie die Fritz-Ober-Straße ein niedriger Wert ist.“ 85 Prozent davon seien nicht schneller als 34 Kilometer pro Stunde gefahren. „Das wiederum belegt, dass dort die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 30 Kilometer pro Stunde vom Kfz-Verkehr angenommen wird.“
Auch der Anteil an Lastwagen sei nicht übermäßig. Zu 86,6 Prozent seien Pkw vorbeigefahren (47.404), zu 11,9 Prozent motorisierte Zweiräder (6528), zu 1,4 Prozent Lastwagen und Busse mit einer Länge zwischen sechs und zwölf Meter (790). Die sechs Lkw mit einer Länge über zwölf Meter in den gut drei Wochen machten nur einen Bruchteil aus.
RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler
Mehr Blitzer nötig
Für eine „Sammel- und Verbindungsstraße“ ist der Verkehr auf der Fritz-Ober-Straße/Ziegelofenweg laut Stadt eher gering. Allerdings gibt es das große Problem, dass an dem Verkehrsweg viele Wohngebäude, Sportanlagen und die Gesamtschule liegen. Insofern alarmiert weniger die Kfz-Anzahl als die Quote der Temposünder: Dass 85 Prozent der Motorisierten nicht oder kaum schnell sind, heißt im Umkehrschluss, dass 15 Prozent ein Knöllchen erhalten würden – wenn geblitzt würde.
Dass die Gefahr für Raser, von der zuständigen Polizei erwischt zu werden, heute eher gering ist, ist ein Grund dafür, dass die Stadt mit kommunalen Tempokontrollen als Alternative liebäugelt. Prüfungen laufen. Es gibt noch Hoffnung für die Fritz-Ober-Straße.