Speyer Freundschaftspflege

Aus einer ehemals einseitigen Hilfsaktion ist längst eine tiefe Freundschaft geworden. Das hat sich am Wochenende einmal mehr gezeigt, als 25 Menschen aus der Dompfarrei Heilig Kreuz im schlesischen Oppeln vier Tage bei ihren Gastfamilien von der katholischen Kirchengemeinde St. Pankratius im Ortsteil Berghausen zu Besuch waren.
„Unsere Partnerschaft hat keinen Vertrag“, sagt Paul Neumann, der 1984 bis 1990 Lastwagen mit Hilfsgütertransporten nach Polen fuhr und so die ersten Kontakte zwischen der Dompfarrei Oppeln und Berghausen herstellte. Inzwischen gibt es regelmäßige Besuche. „Der kirchliche Charakter unterscheidet uns gewaltig von anderen Partnerschaften“, betont Neumann. So standen auch bei dem aktuellen Besuch vor allem Kirchenbesichtigungen und gemeinsame Gottesdienste auf dem Programm. Am Samstag ging es nach Worms mit Besuch von Dom, Judenfriedhof, Synagoge, protestantischer Magnus-Kirche und Luther-Denkmal. Am Sonntag war eine Besichtigung des Klosters Eberbach und einer orthodoxen Kirche in Wiesbaden angesagt. Am letzten Tag ihres Aufenthaltes bekamen die Gäste aus Polen eine Führung von Domkapitular Josef Szuba durch den Speyerer Dom mit Aussichtsplattform und Kaisersaal. Ein Höhepunkt des Aufenthaltes war der Freundschaftsabend am Samstag, der mit einem gemeinsamen Gottesdienst begann. Auch wenn es zunächst befremdlich klingen mag, Kirchenlieder lassen sich gleichzeitig auf Polnisch und Deutsch singen. Das bestätigt Józef Chudalla, Chorleiter aus Oppeln. Im Anschluss wurde ein Film von der letzten Fahrt der Berghausener nach Oppeln vor zwei Jahren gezeigt. Der Gesprächsstoff ging den Deutschen und Polen nicht aus. „Wir haben uns über frühere Treffen und Aktuelles unterhalten“, sagt Kaplan Robert Joseph aus Oppeln. Er ist zum ersten Mal mit nach Berghausen gekommen und findet die religiöse Vielfalt in Deutschland, die er hier erlebt hat, sehr interessant. „Es regt mich immer zum Nachdenken an. Warum machen die einen das so, die anderen anders? Dabei denkt man auch über den eigenen katholischen Glauben nach“, sagt er. Sabine Alschner, Pastoralreferentin in Berghausen, war schon öfters in Oppeln zu Gast. Sie findet es faszinierend, wie die Menschen dort ihren Glauben auch nach außen zeigen. Um die Zukunft der Partnerschaft machen sich die beiden und Paul Neumann keine großen Sorgen: „Solange es Menschen gibt, denen es wichtig ist, wird sie bestehen bleiben“, sagt Alschner. Ein wenig bedauern die Drei aber, dass die Jugend dafür nicht mehr zu gewinnen ist. Polen sei bei deutschen Jugendlichen einfach nicht „in“ und auch polnische Jugendliche könnten sich nicht sehr für Deutschland erwärmen. |krx