Speyer Früheren „Erfolgen“ nachgeeifert

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Wie kommt ein 63-Jähriger aus der Gegend von Pirmasens dazu, in Dudenhofen in einen Laden einzubrechen? Das fragte nicht nur Richterin Alexandra Umealo-Wells, das fragte sich jeder Zuschauer am Mittwoch vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts in Speyer. Das Urteil fiel mit einem Jahr, zwei Monaten auf Bewährung und 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit vergleichsweise milde aus.

„Es ist eine lange Geschichte“, seufzte der voll geständige Angeklagte, als er zur Vorgeschichte des Einbruchs, den er am 17. März dieses Jahres begangen hatte, Stellung nehmen sollte. Was er dann aus seinem Leben erzählte, klang wie ein Roman, war jedoch Wort für Wort aus der Gerichtsakte belegt: Der Angeklagte, der einen ruhigen, intelligenten Eindruck machte, war mal ein richtig „schwerer Junge“ gewesen. Raub, räuberische Erpressung, Körperverletzung, sogar ein versuchter Mord gingen auf sein Konto, begangen an verschiedenen Orten quer durch Deutschland. Er hat 28 Jahre seines Lebens im Gefängnis verbracht, einmal 13, einmal 15 Jahre. Zweimal war er aus dem Gefängnis geflüchtet, der Mordversuch war während einer Flucht geschehen, als er einen Verfolger angeschossen hatte. Das kostete zusätzliche Monate. Seine Karriere auf der falschen Seite des Gesetzes hatte er offenbar früh gestartet, die ersten Einträge auf seiner Vorstrafenliste sind noch Jugendstrafen. Im Gefängnis hat er die Fachschulreife erlangt und eine Ausbildung als Schriftsetzer und Drucker beinahe beendet, die Entlassung kam dem Abschluss dazwischen. Trotzdem konnte er später in diesem Beruf arbeiten – allerdings nicht allzu lange, denn die Firma bekam wirtschaftliche Probleme und musste betriebsbedingt kündigen. Seine letzte Tat liegt nun 28 Jahre zurück, und seitdem hat er ein unauffälliges bürgerliches Leben geführt, wie sein Verteidiger Stefan Beck im Plädoyer betonte. Als er vor etwa 20 Jahren zum zweiten Mal heiratete, habe er seiner Frau vorher versprechen müssen, dass auf immer Schluss sei mit den kriminellen Aktionen. Man fühlt sich an den bekehrten Kriminellen Flambeau aus den Pater-Brown-Geschichten erinnert. Nichts wirkte jedoch geflunkert, die Daten sind belegt, und der Angeklagte wirkte völlig authentisch. Es hätte immer so weiter gehen können, wenn den Angeklagten nicht vor einigen Jahren nacheinander etliche Schicksalsschläge getroffen hätten, wie er erzählte. Nicht nur war er arbeitslos und hatte mit seiner Vorgeschichte auch keine Chancen mehr auf dem Arbeitsmarkt, es starben auch kurz nacheinander enge Familienangehörige, und er, der sich bisher immer auf seine Gesundheit und seine Fitness verlassen konnte, wurde mehrfach langwierig krank. Er verlor das Vertrauen in sich und darauf, dass er noch zu einer Leistung fähig wäre. So schlich sich, wie er sagte, immer mehr der Gedanke an seine früheren kriminellen „Erfolge“ ein. Er wollte es sich noch einmal beweisen. Zu einem Raub aber fehlten ihm die Nerven, das wusste er. Zur gleichen Zeit erzählte ihm ein Bekannter von Schilder-Geschäften mit wenigen Sicherheitsvorkehrungen. Nachts – er konnte wegen seiner Medikamente nicht schlafen – fuhr er durch die Pfalz und erkundete, wo entsprechende Geschäfte zu finden seien. So kam er nach Dudenhofen. Er brach mit dem Brecheisen ein und entwendete die Geldkassette mit etwa 470 Euro. Lange hielt das Hochgefühl nicht an, er wurde noch in der gleichen Nacht gefasst. „Eine zweite Chance, das sollte nicht nur für prominente Bayernpräsidenten gelten“, meinte Verteidiger Stefan Beck aus Landau. Seine Frau hat sich übrigens doch nicht getrennt – aber es gab die dunkelgelbe Karte.

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