Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Flugplatz-Betreiber: „Über allem steht die Sicherheit“

Zufrieden mit der neuen Station: die Flugplatz-Verantwortlichen Yannis Graf (links) und Patrick Drechsel.
Zufrieden mit der neuen Station: die Flugplatz-Verantwortlichen Yannis Graf (links) und Patrick Drechsel.

Seit Kurzem hat Speyer eine Wetterstation im Netz des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Patrick Drechsel und Yannis Graf von Flugplatz-Betreiber FSL erklären den Hintergrund.

Herr Drechsel, können die Speyerer am Flugplatz jetzt die Wettervorhersage abholen?
Drechsel: Wir haben zwar im südwestlichen Bereich des Flugplatzes eine neue vom Deutschen Wetterdienst zertifizierte Wetterstation, die der DWD für seinen Datenpool und seine Angebote nutzen kann. Für uns hat sie aber vorrangig eine andere Funktion. Sie ist eines der Ergebnisse der Einführung des satellitengesteuerten Instrumentenflugverfahrens im Januar. Sie gehört zu den Vorgaben, um die Sicherheitsparameter hochzuschrauben. Piloten erhalten jetzt über die Windsäcke hinaus, die neben der Start- und Landebahn erhalten bleiben, zertifizierte Wetterinfos. Das Wetter ist in der Luftfahrt ein wichtiges Thema.

Was ist der Unterschied zu den früheren Messungen?
Drechsel: Die bisherige Wetterstation war nicht vom DWD zertifiziert. Sie konzentrierte sich auf die Windsituation und hatte nur ein eingeschränktes Angebot. Für die neue Anlage stellt der DWD die fachliche Aufsicht, prüft die Ausstattung sowie die Messverfahren und macht uns Vorgaben etwa zur Reinigung. Jetzt werden Wind, Luftdruck, Temperatur und Taupunkt laufend erfasst. Der Flugplatz-Betreiber hat sich das eine Summe im niedrigen sechsstelligen Bereich kosten lassen.

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Wie kommt man an die Daten?
Drechsel: Es handelt sich primär um eine Informationsquelle für Piloten. Die Daten können etwa auf einer speziellen Frequenz über Funk abgerufen werden: Dabei handelt es sich um automatisierte Flugwetter-Durchsagen, die im halbstündigen Rhythmus aktualisiert werden. Unser Tower-Personal kann in Echtzeit über sie verfügen. Die breite Öffentlichkeit soll künftig Screenshots der Daten auf unserer Website finden, die in festen Abständen erneuert werden.

Die mehrjährigen Vorarbeiten und hohen Investitionen für das Instrumentenflugverfahren hat die FSL als Flugplatz-Betreiber aber sicherlich nicht nur wegen des Wetters in Kauf genommen …
Graf: Über allem steht die erhöhte Sicherheit. Der Verkehrslandeplatz Speyer kann nun auch unter Wetterbedingungen angesteuert werden, bei denen ein Anflug nach Sichtflugregeln nicht mehr möglich ist. Mit dem neuen Verfahren sind weitere Verbesserungen verbunden. Im Bodenverkehr sind wir von vier auf acht Köpfe gewachsen. Unser Flugplatzinformationsdienst verfügt jetzt über Lizenzen der Flugsicherung, die vorher nicht erforderlich waren. So gibt es jetzt mehr Informationen und die jeweiligen Piloten werden entlastet – was bisher sehr gut angenommen wird.

Und die Konsequenz sind mehr Landungen in der Domstadt, deren Bevölkerung dem Flugplatz teilweise skeptisch gegenübersteht?
Graf: Gewiss nicht in größerem Maßstab. Der Anteil der Geschäftsflieger hält sich unter den rund 45.000 Flugbewegungen im Jahr recht konstant. Die geplanten Flüge werden künftig zuverlässiger durchgeführt werden können und es wird zu weniger wetterbedingten Stornierungen kommen. Insgesamt gehen wir jedoch von weitgehend konstanten Jahresbewegungszahlen aus.

Drechsel: Was sich ändern kann, ist der Mix. Der Flugplatz ist nun besser und vorhersehbarer nutzbar, sodass zum Beispiel zeitkritische Organtransporte verlässlicher abgewickelt werden können. Dafür sind wir die Nummer eins in der Region. Bei den jährlich aktualisierten Entgelten wollen wir diejenigen entlasten, deren Flieger leiser sind. Auch eine Veränderung in der Luftfahrtstruktur trägt dazu bei: Es ist ein rechteckiger Bereich um den Flugplatz herum definiert worden, für den Flugzeuge angemeldet werden müssen. Piloten sind – ähnlich wie im Straßenverkehr – grundsätzlich angehalten, Ortschaften möglichst zu meiden. Durch die neue Funkpflichtzone ergibt sich für Speyer der Vorteil, dass Piloten künftig gezielt und noch besser auf schallschonendes Flugverhalten sowie die Meidung bebauter Gebiete angesprochen und aktiv auf der Frequenz informiert werden können.

Graf: Eine Garantie ist das aber nicht, denn der Luftraum in unserer Region ist größtenteils unkontrolliert. Wir sehen uns hier als Interessenvertreter der Bewohner, können Piloten aber keine verbindlichen Anweisungen erteilen. Zudem sind nicht alle Flüge über Speyer zwingend dem Flugplatz bekannt oder auf unserer Frequenz unterwegs. Entsprechend können wir nur die uns bekannten Luftfahrzeuge aktiv informieren.

Zur Person

Patrick Drechsel (34), Fluglehrer und Wirtschaftsinformatiker, ist seit 2025 Leiter des Flugplatzbetriebs und der Air Traffic Services.

Yannis Graf (28), Pilot und Betriebswirt, ist schon länger bei der FSL, die den Flugplatz Speyer-Ludwigshafen betreibt. Seit 2025 ist er ihr Geschäftsführer.

Im Tower: Daten der Wetterstation werden auf Monitor dargestellt.
Im Tower: Daten der Wetterstation werden auf Monitor dargestellt.
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