Speyer Fluch und Segen
Der Platz liegt aus Sicht von Geschäftsführer Roland Kern gut in der Luft. Für 2015 werde er ein deutlich kleineres Defizit einfliegen. 2014 belief es sich auf rund 550.000 Euro, jetzt wird eine Größenordnung von 430.000 Euro genannt. Ausgeglichen wird der Verlust von den Anteilseignern, darunter BASF, die Städte Ludwigshafen und Speyer, der Rhein-Pfalz-Kreis sowie die Industrie- und Handelskammer (IHK). Vorgelegt wird der Jahresabschluss 2015 in der Aufsichtsratssitzung am 14. April. Positive Signale meldet Kern auch bezüglich des geplanten satellitengestützten Instrumentenanflugverfahrens (wir berichteten). Der Auftrag dazu war an Kern im Aufsichtsrat (AR) einstimmig ergangen – auf Initiative der am Platz ansässigen Flugunternehmen, sagt Jürgen Vogel, Leiter Geschäftsbereich Standortpolitik der IHK Pfalz, auf Anfrage. IHK-Hauptgeschäftsführer Rüdiger Beyer ist AR-Vorsitzender. Er war gestern im Ausland. Im Gutachten zum Bedarf des Verfahrens am Platz vom November 2012 wurde festgestellt: „Hier handelt es sich um ein geplantes und veröffentlichtes Verfahren, um mit Hilfe von GPS anzufliegen, an einem festgelegten Punkt auf Sicht weiterzufliegen oder – wenn das aus Wettergründen nicht möglich ist – mit einem Durchstarteverfahren an den Ausweichplatz zu fliegen.“ Kern betont im RHEINPFALZ-Gespräch, dass das Verfahren die Genehmigung des Platzes nicht berührt. Er beruft sich dabei auf eine Stellungnahme des rheinland-pfälzischen Landesbetriebs Mobilität (LBM) vom Oktober 2014. Darin heißt es, das Verfahren „stellt keine wesentliche Erweiterung der Anlage oder des Betriebes des Verkehrslandeplatzes dar“. Eine „Änderung der Genehmigung (...) ist nicht erforderlich“ und „gegen (...) das Anflugverfahren bestehen (...) keine Bedenken“. Seit voriger Woche liegt Kern ein Schreiben des Bundesverkehrsministeriums vor. Danach beschäftigt sich dort eine Expertengruppe damit, das EU-Recht dazu in genehmigungsrechtliche Fragen zu kleiden. „Ich erwarte im Laufe dieses Jahres eine Entscheidung“, ist der Geschäftsführer optimistisch. Tatsache sei, sagt der Geschäftsführer, seit April 2012 im Amt mit Vertrag vorerst bis April 2017, dass von bisher im Schnitt rund 16.500 Landungen im Jahr 1000 nach dem neuen Verfahren anfliegen können – Jets der BASF etwa. „Diese Bewegungen bringen etwa 50 Prozent der Einnahmen.“ Das Verfahren ermögliche es, Strecken um lärmempfindliche Gebiete zu legen, sagt die LBM-Stellungnahme aus. „Genau das passiert. Wir bringen die Maschinen weiter von der Stadt weg und führen sie dann an den Platz heran“, verweist Kern auf die Karten, die die geplanten Anflugrouten aus Norden markieren. „Für Platz und Stadt ist es ein Segen.“ Dem widerspricht unter anderem Peter Krauß, bis voriges Jahr Mitglied des Aufsichtsrates und Anteilseigner am Platz. Er plädiere für den Erhalt und Ausbau als kleinen Verkehrslandeplatz vor allem durch private Investoren. Unternehmer Krauß, selbst Flieger, ist auch Bieter um die gerade ausgeschriebene Fläche des Ex-Towers. Er will dort eine Firma ansiedeln, die alternative Flugzeugantriebe entwickelt. „Das Verfahren braucht es nicht“, sagt er. Es ermögliche Anflüge bei jedem Wetter und immer aus Norden, die Südanflugroute sei nicht von dem Verfahren erfasst. Lärm und Gefahren über der eng und hoch bebauten Stadt mit Dom und Technik-Museum sowie der künftigen Erlus-Bebauung bleibe erhalten. „Wenn ein Instrumentenanflugsystem installiert ist, dann ist es ein Instrumentenplatz.“ Möglicherweise kämen mehr Jets. Gute Voraussetzungen bestünden auch für Zwischenstopps zum Tanken in Speyer. Im neuen Hangar mit 7,20 Meter hohen Toren ließen sich Linienflugmaschinen unterbringen, bemerkt Krauß noch. „Eine Zunahme von Verkehr ist nicht zu erwarten“, sagt IHK-Sprecher Vogel. Das Verfahren diene allein der Erhöhung der Sicherheit beim Anflug auf Speyer. Ein seit einigen Tagen kursierendes, anonym verfasstes Flugblatt warnt vor Folgen der Pläne auf den Platz. „Keine Einflugschneise über den Hafenvillen“, „Großflugzeuge bis 20 Meter Länge sollen kommen“ und „Anwohner wehrt Euch“ heißt es dort von Flugplatzgegnern. Kern ärgert sich und mutmaßt, dass sogar Krauß dahintersteckt. Der versichert auf Anfrage, das Papier vor dem RHEINPFALZ-Gespräch nicht gekannt zu haben. Die angeführten Argumente träfen jedoch zu. Krauß wohnt in der „Einflugschneise“. Die Speyerer Grünen sehen die „Aufrüstung“ des Flugplatzes mit einem Instrumentenanflugsystem durch den rechtsgültigen Planfeststellungsbeschluss nicht gedeckt, da sich dieser „ausdrücklich auf einen Flugplatz im Sichtflugbetrieb“ bezieht. Sollte sich darüber hinweggesetzt werden, schließen die Speyerer Grünen „rechtliche Schritte gegen das geplante Anflugverfahren nicht aus“, kündigen sie an.