Speyer Fleiß und Leidenschaft
«Waldsee.» Leidenschaft, Enthusiasmus und Beharrlichkeit führten Lothar Fischer zum Erfolg. Der 82-jährige Waldseer Leichtathlet begann mit knapp 60 Jahren seine zweite Laufbahn.
Bis zum 24. Lebensjahr war Fischer schon bei den Leichtathleten der TG Waldsee aktiv. Dann spannte ihn der landwirtschaftliche Familienbetrieb, den er von seinem Vater übernahm, so stark ein, dass keine Zeit für den Sport blieb. Als Familienoberhaupt und Chef des Kleinbetriebes war er jetzt gefordert, den Anbau und die Ernte von Kartoffeln, Tabak, Getreide sowie Zuckerrüben zu managen. Später als Rentner spürte Fischer wieder die Sehnsucht nach dem Sport. Bei der Prüfung zum Sportabzeichen beeindruckte ihn seine Weitsprungleistung derart, dass sie ihn zu weiterem intensiven Training anspornte. Im Jahre 1996 nahm er erstmals an den deutschen Seniorenmeisterschaften in Leinfelden-Echterdingen teil. Auf Anhieb belegte der Waldseer bei seinem Neueinstieg in der Altersklasse M60 Platz drei im Weit- und zwei im Dreisprung. Natürlich forderte das intensive Training im fortgeschrittenen Alter seinen Tribut. Verletzungen zwangen ihn immer wieder zu Trainingspausen. In den darauf folgenden Jahren führten Lothar Fischer und seine Gattin Renate Wettkampfreisen in die große weite Welt. Erstmalig startete er bei Senioren-Welttitelkämpfen 1997 in Durban (Südafrika). Hier kam der Leichtathlet zwar in den Endkampf, knüpfte aber aufgrund von Verletzungsproblemen im Vorfeld nicht an seine Topleistungen an. Die ganz großen Erfolge gab es im australischen Brisbane bei der WM 2001, als Fischer als Doppelweltmeister heimflog. Auch in dieser Saison, am 1. September 2001, sprang Fischer im Ludwigshafener Südweststadion mit 5,47 Metern Weltbestleistung im Weitsprung der M65. Außerdem ist Lothar Fischer aktueller Weltbester der Altersklassen M75 und M80 im Dreisprung mit 10,10 m (30. Juli 2011 in Minden) und 9,04 m (9. Juli 2016 in Leinefelde-Worbis). Weitere Meriten des früheren Landwirtes aus Waldsee sind die beiden Titel im Mehrkampf bei den Deutschen Turnfesten in Mannheim und Frankfurt. Der leichtathletische Turnfest-Mehrkampf besteht aus den Disziplinen 50-Meter-Sprint, Weitsprung, Kugelstoßen und Vollballwerfen. Die Erfolgsserie des spätberufenen Leichtathleten aus der Rheinebene ging 2011 bei den Weltmeisterschaften in Sacramento (USA) weiter, erneut mit zwei Titeln. Dabei hadert er noch heute, dass er dort aufgrund Zeitumstellung und Hitze etwas unter seinen Möglichkeiten blieb. Auch in diesem Jahr führte mal wieder kein Weg am Senior aus Waldsee vorbei. Bei den deutschen Hallenmeisterschaften im thüringischen Erfurt siegte er in der M80 sowohl im Weitsprung mit 3,94 Metern als auch im Dreisprung (8,26). Lothar Fischer führt seine Erfolge im fortgeschrittenen Alter auf viel Trainingsfleiß, Leidenschaft, Enthusiasmus und Beharrlichkeit zurück. Er sieht sich selbst nicht als besonderes Talent. Die Erfolge des Seniors sollten Ansporn für viele Nachwuchssportler sein, bei Schwierigkeiten und Verletzungen nicht gleich die Sportschuhe an den berühmten Nagel zu hängen.