Speyer
Flüchtlinge aus Speyer
Im Sommer vor 320 Jahren, am 11. August 1709, veröffentlichte der später durch seinen Roman „Robinson Crusoe“ weltbekannt gewordene englische Publizist Daniel Defoe in London einen Text, in dem er auch Speyer und das Bistum Speyer erwähnte. Der Artikel, heute darstellt in dem von der Deutschen Verlagsgesellschaft München herausgebrachten Büchlein „Kurze Geschichte der pfälzischen Flüchtlinge“, ist in Anbetracht der derzeitigen Flüchtlingssituation überraschend aktuell.
Der als Journalist gegen soziale Missstände ankämpfende Defoe (1660 bis 1731) forderte in dem Artikel „die unbedingte Aufnahme deutscher Flüchtlinge, „da es England zur nationalen Ehre gereichen und einen beträchtlichen wirtschaftlichen Gewinn mit sich bringen wird“. Die britische Königin Anne sprach sich für eine Ansiedlung in England aus, andere Mitglieder der herrschenden Klasse wollten mit der Ansiedlung den Protestantismus im englischen Irland stärken.
Die wegen Armut und religiöser Verfolgung zu Zehntausenden ihre pfälzische und kurpfälzische Heimat verlassenden Männer, Frauen und Kinder brachten das englische Herrscherhaus mit der Zeit in Bedrängnis: Die Einheimischen wehrten sich, da ihnen die Neuankömmlinge Arbeit wegnahmen. Die Ansiedlungskommission der Krone setzte sich für die Ansiedlung in Irland und den englischen Kolonien in den späteren USA ein.
Defoe erwähnt, dass „die meisten unserer Flüchtlinge in der Nähe von Mannheim, Heidelberg, Speyer, Frankenthal in Worms wohnten. Diejenigen, die diese Gegend bereist haben, werden sie als eine der schönsten Europas kennen. Aber nachdem sie fast 100 Jahre Kriegsschauplatz war und alles erduldete, was das Haus Österreich ihr anzutun vermochte, hat das Haus Bourbon ihren Niedergang vollendet“ (Anm. d. R.: 1689 ließ der französische Bourbonen-König Ludwig XIV. Speyer zerstören).
An der Massenflucht beteiligten sich laut Roland Paul, dem früheren Direktor des Instituts für pfälzische Geschichte, offenbar nur wenige Speyerer aus religiösen Gründen. Die Meisten verließen ihre Stadt, die damals gerade wieder aufgebaut wurde, wohl aus wirtschaftlicher Not.