Speyer
Felix Kirschbacher will über Gott reden
An den Wänden von Felix Kirschbachers Büro am Domplatz 5 hängen statt der vielleicht zu erwartenden Ölgemälde zwei Filmplakate: von Alfred Hitchcocks „Vertigo“ und von Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“. Es sind seine Lieblingsfilme, die für den studierten Filmwissenschaftler und Theologen die Lage der Kirche von heute gut beschreiben. „Es geht um Urängste und das Darüber-Hinauswachsen“, erklärt er.
Geboren und aufgewachsen ist Kirschbacher in Gladbeck. Im nördlichen Ruhrgebiet sei er „klassisch kirchlich“ getauft, konfirmiert und sozialisiert worden, berichtet er von früher enger Bindung an die Kirche. Die Umnutzung seiner Heimatkirche zum Veranstaltungsort habe ihn als Jugendlicher beeindruckt und beschäftigt. Das habe seine beruflichen Überlegungen beeinflusst: „Ich wollte daran arbeiten, dass die Kirche wieder eine größere Rolle spielt.“ Schon vor 20 Jahren habe er Kraft im Glauben und in der Gemeinschaft gefunden, betont er. Für Kirschbacher ist der heutige Schwund an Gemeindemitgliedern kein Grund zu verzagen. „Ein Ende der Institution ist bei Weitem nicht in Sicht“, ist er überzeugt.
Wissenschaftliche Erfahrung
Er muss es wissen. Als Jugendbildungsreferent und Studienleiter der Evangelischen Akademie der Pfalz hat er seit 2017 für und mit jungen Leuten Schnittstellen zwischen Wirtschaft und Gesellschaft, Ethik und Theologie beleuchtet. Nach dem Studium der Filmwissenschaft und der evangelischen Theologie an der Uni Mainz war er bis 2016 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaft der Universität Mannheim.
Wie für ihn auf den Leib geschrieben empfindet er sein neues Amt als Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in der Nachfolge von Wolfgang Schumacher und Andreas Rummel. Er habe sich langsam an die Pfalz herangerobbt, berichtet er von unterschiedlichen Wohnorten von Rheinhessen bis Bornheim bei Landau, wo er heute mit Frau und Tochter (3) zu Hause ist. „Die Pfalz ist Heimat geworden“, beschreibt der 37-Jährige seine Begeisterung für die Landschaft und die Menschen. Als leidenschaftlicher Radfahrer bedauert er den für den Drahtesel doch zu weiten Weg zwischen Bornheim und Speyer.
Kirschbacher versteht sich nicht als „Schreibtischtäter“. Er will sich an die Menschen wenden, Gemeinden stärker vernetzen, mit seiner Arbeit die Vielfalt der Kirche sichtbar machen. Dazu gehöre auch, die Beteiligung und Mitgestaltung zu fördern sowie die Vorteile der Digitalisierung mit Kampagnen, Blogs, Streams oder Podcasts zu belegen. Mit Begriffen wie „Sprecher“ oder „Öffentlichkeitsarbeit“ will Kirschbacher sein Aufgabengebiet nicht allein beschreiben. Für ihn geht es vorrangig um Kommunikation. Er will über die Kirche ins Gespräch kommen. Zur Kernkompetenz Senden und Verkündigen der Frohen Botschaft dürfe das Empfangen nicht vergessen werden, mahnt er, auf die Veränderung von Kirche und Gesellschaft durch Digitalisierung einzugehen. „Jeder innerhalb und außerhalb der Kirche kann bei uns sich und seine Interessen finden, eingebunden und erreicht werden“, lautet Kirschbachers Anspruch.
Private Liebe zur Schallplatte
Der Presse- und Öffentlichkeitsreferent steht privat auf Vinyl. Seine Plattensammlung wachse stetig, erklärt er seine Liebe zur Schallplatte. In der Freizeit setzt er gerne die Nadel des Plattenspielers auf Musik so ziemlich aller Genres. Die neueste Errungenschaft sei wieder einmal eine Beatles-Platte, sagt Kirschbacher. Sehnsüchtig wartet er auf die Wiedereröffnung der Kinos und Konzerttermine. „Gut, dass es Bücher gibt“, sagt der Vielleser mit Herz für Familie, Kirche, Menschen, Digitalisierung und Kultur.