Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Fahrrad Weindel feiert Jubiläum: Umzug hat die Zukunft gesichert

Viele Trendfahrräder vorrätig: Fahrrad Weindel mit (von links) Niklas und Rainer Grimmer sowie Kay Ferdinand.
Viele Trendfahrräder vorrätig: Fahrrad Weindel mit (von links) Niklas und Rainer Grimmer sowie Kay Ferdinand.

Mit Sonderaktionen feiert derzeit Fahrrad Weindel in der Auestraße sein 75-jähriges Bestehen. Inhaber Rainer Grimmer ist stolz, eine Phase, in der viele Konkurrenten aufgeben mussten, unbeschadet überstanden zu haben.

Die Zeit ist eine ganz andere als damals. Als Alfons Weindel 1949 in der Ludwigstraße im Speyerer Zentrum ein kleines Fahrradgeschäft eröffnete, waren nicht nur in der Domstadt, sondern auch in den Umlandgemeinden noch unzählige Betriebe in der Branche tätig. Heute ist die Schar der Anbieter ziemlich überschaubar geworden. „Wir sind mittlerweile einer der größten Fahrradhändler im Rhein-Neckar-Raum“, berichtet Rainer Grimmer (59), der das Unternehmen 1990 übernommen hat. 15 Mitarbeiter, das große Betriebseigentum mit 1500 Quadratmeter Verkauf plus Freifläche sowie die positive Umsatzentwicklung seien Belege dafür.

Grimmer hat von 1981 bis 1984 seine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann bei Gründer Weindel absolviert und das Geschäft einige Jahre später übernommen. Der Kaufmann verbindet unternehmerisches Geschick mit dem nüchternen Blick auf die Zahlen und kann deshalb heute urteilen, dass der Umzug 2009 genau die richtige Entscheidung war: Der Kauf des Geländes im Gewerbegebiet – trotz Lage an der Auestraße hat es die Adresse Im Geißhorn 5 – habe letztlich die Zukunft von Fahrrad Weindel gesichert, ist er überzeugt. Ohne diesen Schritt gäbe es das Geschäft vielleicht heute nicht mehr. Gerade als ursprünglich klassischer Fahrradhändler in der Innenstadt habe er sich eingestehen müssen: „Der Markt hat sich komplett verändert.“

Bedeutung der Werkstatt wächst

Die Veränderungen hätten zuletzt mit wachsender Geschwindigkeit um sich gegriffen, aber Grimmer und sein Team sehen sich dafür gerüstet. Ein Beispiel: die wachsende Bedeutung der Werkstatt. Sie wurde 2021 baulich erweitert, nachdem zwei Jahre zuvor schon eine neue Lagerhalle angebaut worden war. Das Mobilitätsverhalten wandle sich weiter, betont Grimmer: Fahrrad sowie E-Bike seien im Aufschwung. „Gerade in Speyer. Das Auto ist zum Luxusgut geworden und kaum noch geeignet, um schnell in die Innenstadt zu kommen.“

Sein Geschäft verkaufe heute ungefähr zur Hälfte Fahrräder mit und ohne Motorunterstützung, sagt der Inhaber. Das E-Bike habe wieder etwas eingebüßt, nachdem einerseits viele potenzielle Kunden vorerst versorgt seien und andere ein zunehmendes Preisbewusstsein entwickelten. Generell habe der Siegeszug der E-Bikes jedoch zum Aufschwung der Firma beigetragen – auch weil Weindel den erforderlichen Service in der Werkstatt bieten könne. Eine weitere Tendenz sei der Durchbruch des Fahrradleasings – oft mit Unterstützung der Arbeitgeber als „Jobrad“ – in den vergangenen fünf Jahren. Bei Weindel sei es aber schon seit 2012 möglich.

Parallelen zum Autohandel

Auch Abo- und Finanzierungsmodelle gebe es inzwischen in vielen Varianten, berichtet Grimmer. Er sieht Parallelen zur Entwicklung im Autohandel, die sich auch darin äußerten, dass renommierte Marken mit immer mehr Forderungen zur Warenpräsentation oder zu Abnahmemengen auf die Einzelhändler zukämen. Um diese zu erfüllen, helfe ihm die erreichte Größe seines Unternehmens. „Wir können es zum Glück mitmachen“, betont er. Die Alternative wäre gegebenenfalls, eine gefragte Marke nicht mehr anbieten zu können. Cube, Stevens, Trek, KTM, Woom, Diamant, Riese & Müller oder Kalkhoff finden sich auf der Weindel-Liste, was ebenso für die Zukunftschancen stehe wie die Personalplanung: Grimmers Sohn Niklas (25) ist neben Kay Ferdinand in die Geschäftsführung aufgerückt.

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