Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Fünfklässler sind angemeldet: Erstmals wieder „handyfreie“ Klassen

Smartphone im Klassensaal: allenfalls nach Aufforderung des Lehrers erlaubt.
Smartphone im Klassensaal: allenfalls nach Aufforderung des Lehrers erlaubt.

Die Anmeldephase ist vorbei. Speyers weiterführende Schulen wissen nun, auf wie viele Fünftklässler sie sich im Sommer einstellen können. Ein Novum: Smartphone-freie Klassen.

An der Edith-Stein-Realschule gibt es in der Regel kein Rätselraten wie an anderen Schulen. Diese kennen die Unsicherheit über die Anzahl von Anmeldungen für die fünften Klassen des kommenden Schuljahres zur Genüge: Werden zwei, drei, vier oder vielleicht sogar acht parallele Lerngruppen gefüllt, wie vor einigen Jahren am Hans-Purrmann-Gymnasium? Nein, an der Edith-Stein-Realschule ist vorgegeben, dass es jeweils zwei Klassen mit bis zu 64 Schülerinnen werden. Der Privatschule in katholischer Trägerschaft ist dafür meist eine Auswahl unter den Bewerberinnen möglich.

2026 gibt es dabei ein Novum: die erste Smartphone-freie Klasse an der Schule. In einer Klasse verpflichten sich die Mädchen und ihre Familien selbst, auf die technischen Wegbegleiter, die vor allem wegen der Nachteile der Nutzung sozialer Medien für Jugendliche umstritten sind, zu verzichten. In der anderen Klasse wird die bisherige Regelung nicht verändert. Bei den Aufnahmegesprächen sei eine Abfrage gestartet worden, ob Interesse an der besonderen Klasse besteht, berichtet Schulleiterin Manuela Becker. „Der Umgang mit dem Smartphone unter Jugendlichen, insbesondere den jüngeren Jahrgängen und die damit verbundenen Konsequenzen haben uns dazu bewogen.“

„Positives Ergebnis“

Das Ergebnis nach einmaligem Nachfassen: „Bis zum Ablauf der zeitlichen Frist hatten wir genau die Hälfte der Schülerinnen, deren Eltern das Interesse an der Smartphone-freien Klasse bekundet hatten, zusammen.“ Danach seien sogar noch weitere gekommen, die aber nicht mehr berücksichtigt werden könnten. Aus Schulsicht sei die Resonanz auf das neue Modell „ein wirklich positives Ergebnis“, betont Becker.

Sie zerstreut Befürchtungen, dass in der Smartphone-freien Klasse digitale Kompetenzen zu kurz kommen könnten: Die Schule stelle ohnehin Technik zur Verfügung, deshalb werden laut Becker „die Umstellungen im Unterricht nicht besonders groß sein“. Die notwendigen Kenntnisse zum Arbeiten mit den Schul-iPads würden beiden fünften Klassen vermittelt. Becker kündigte auch Gespräche mit einer Universität an, ob diese das neue Modell wissenschaftlich begleiten will.

Schon gesprochen hat die Rektorin mit der Speyerer Mutter Eva Kühner, die für die Initiative „Smarter Start ab 14“ eintritt. Diese fordert, dass Kinder und Jugendliche zunächst auch über die Orientierungsstufe hinaus noch kein eigenes Smartphone besitzen sollten. Kühner hatte der RHEINPFALZ über ihre Bemühungen berichtet und war danach an die Edith-Stein-Realschule eingeladen worden. „Ich freue mich, dass unsere Initiative aufgegriffen wurde“, sagt Kühner nun über die Premiere. Sie hat laut Becker auch schon zugesichert, die Eltern der Smartphone-freien Klasse zu unterstützen.

Neue Hausordnung

Eine ähnliche Initiative gab es erstmals auch am Gymnasium am Kaiserdom: In einem Pilotversuch waren schon zuletzt je zwei fünfte und sechste Klassen „handyfrei“: Die auf dem Schulgelände laut Hausordnung ohnehin unerwünschten Geräte kamen nicht in die Ranzen, sondern wurden in „Handyhotels“ und „Handytaschen“ sicher verwahrt. Eines der beiden Modelle werde auch für die künftigen Fünftklässler zur Pflicht, berichtet nun Schulleiterin Cosette Benz, die Entscheidung dazu stehe noch aus. Geplant sei, dass dann jeweils ein Jahrgang dazukommt und die strengeren Auflagen für diesen bis zum Ende der Mittelstufe gelten. „Wir werden dafür auch die Hausordnung ändern“, berichtet Benz. Mehr Konzentration und mehr Kommunikation unter den Schülern seien die wichtigsten Vorzüge, die man sich davon verspreche.

Das Gymnasium am Kaiserdom wächst mit seinen 99 Anmeldungen neuer Fünftklässler im Vergleich zum Vorjahr: Vier neue Klassen werden Mitte August an den Start gehen, nachdem es 2025 nur drei gewesen waren. Die meisten Anmeldungen an Fünftklässlern gab es am Doppelgymnasium – diesmal mit dem Friedrich-Magnus-Schwerd- (175) vor dem Hans-Purrmann-Gymnasium (145) in umgekehrter Reihenfolge wie im Vorjahr. Laut Stadt ist noch offen, ob es am „Schwerd“ sechs oder sieben und am „Purrmann“ fünf oder sechs Parallelklassen geben wird.

Der neue Fünftklässler-Jahrgang wird an allen weiterführenden Schulen Speyers größer als der vorherige. Ausnahme: Die Integrierte Gesamtschule (IGS) mit der alljährlichen Deckelung auf 112 Kinder in vier Parallelklassen, für die es diesmal 168 Interessenten und somit etliche Absagen gegeben hatte.

Anmeldezahlen

Gymnasium am Kaiserdom 99 (2025: 75), Hans-Purrmann-Gymnasium 145 (138), Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium 174 (120), Nikolaus-von-Weis-Gymnasium 89 (78), Edith-Stein-Gymnasium 80 (63), IGS 112 (112), Edith-Stein-Realschule 64 (62), Realschule plus Nikolaus von Weis 40 (40), Realschule plus Burgfeldschule Zwischenstand 27 (19), Siedlungsrealschule plus Zwischenstand 36 (32).

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