Speyer Explosion auf Schwimmbagger
Ein Schwimmbagger im Otterstadter Altrhein fördert am Samstagnachmittag eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg aus dem Wasser. An Bord explodiert sie. Drei Männer werden nach dem Unglück vermisst. Doch damit nicht genug, wenig später verursacht ein Heizungsmonteur im Keller der Hermann-Gmeiner-Schule in Waldsee einen Brand. Zum Glück ist das beides kein Ernstfall, sondern die jährliche Großübung der Feuerwehren der Verbandsgemeinde Rheinauen.
„So könnte es aber tatsächlich passieren“, sagt Peter Klauß, Wehrführer der Wehreinheit Waldsee, der die Übung geplant hat. Beim Unglück am Otterstadter Altrhein rücken Feuerwehrleute aus Waldsee, Otterstadt und Altrip mit ihren Rettungsbooten an. Einer der drei Vermissten – für die Übung werden schwere Puppen verwendet – ist schnell gefunden, er treibt in der Nähe des Förderbandes im Wasser und wird mit einem Haken zum Boot gezogen und geborgen. Inzwischen erkunden Feuerwehrleute den Schwimmbagger und suchen nach den anderen Vermissten. Schließlich finden sie eine weitere Person am Boden des großen Kiestrichters. Die Feuerwehrleute fordern eine Leiter an. „Alles, was wir brauchen, müssen wir hier vor Ort entscheiden und mit dem Boot bringen lassen“, sagt Uwe Regenauer, stellvertretender Wehrführer der Wehreinheit Waldsee. Mit der Leiter gelangen die Waldseer Feuerwehrleute Anika Spindler und Dominik Kißler zum Verletzten. Die Sonne hat den Metalltrichter aufgeheizt. Spindler und Kißler rücken die Leiter über die Puppe und hängen ein Schatten spendendes Tuch darüber. Sie warten darauf, dass die Schleifkorbtrage angeliefert wird. Es gibt eine Verspätung, das Waldseer Boot hat ein Problem, die Altriper müssen einspringen. „Das ist wie im richtigen Leben, aber zum Glück bekommen wir ja ein neues Boot“, sagt Regenauer. Schließlich ist die Trage da, Johannes Franz aus Altrip klettert in den Trichter, um zu helfen. Einfach ist es nicht, die schwere Puppe vorsichtig in die Trage zu legen und nach oben zu befördern. Auch der dritte Vermisste ist gefunden und von der Otterstadter Bootsbesatzung Sebastian Netter, Philipp Hillenbrand und Christian Tremmel geborgen worden. Sieben Boote gibt es bei den Feuerwehren der Verbandsgemeinde, sagt Florian Graf, stellvertretender Wehrführer aus Neuhofen. Einen Fall wie diesen habe er noch nicht erlebt, aber Einsätze auf dem Wasser gebe es immer wieder: Gekenterte Boote müssten geborgen und Wasser aus Schiffen abgepumpt werden. Am häufigsten seien aber Badeunfälle. Wenn die Feuerwehr selbst nicht anpacken kann, dann dient ihr Boot als Plattform für Taucher oder transportiert Verletzte und Ärzte. Auch in der Grundschule in Waldsee ist die Übung abgeschlossen. Dort waren die Brandschutztüren nicht ordnungsgemäß geschlossen, sodass Rauch durch das Gebäude gezogen war. Zudem waren Nachhilfeschüler mit ihrer Lehrerin eingeschlossen. Die Feuerwehrleute aus Neuhofen und Altrip haben ihre Sache gut gemacht: Die Schüler wurden über die Drehleiter gerettet. Der Brand im Keller wurde gelöscht, Feuerwehrleute mit Atemschutz haben die Lehrerin, die sich voller Panik im Schulgebäude verlaufen hatte, gefunden, ebenso das Kind, das sich in einem anderen Schulsaal versteckt hat. Auch der Monteur, der im Keller zusammengebrochen war, wurde gerettet. Peter Klauß ist im Großen und Ganzen zufrieden mit der Übung. „Es gibt immer Kleinigkeiten, die wir verbessern können. Wenn es die nicht gäbe, müssten wir ja auch nicht üben.“ Michael Jaspers, Wehrleiter der VG, erklärt, dass diese Großübungen mit allen vier Wehreinheiten jedes Jahr stattfinden. In diesem Jahr waren 63 Feuerwehrmänner und –frauen beteiligt. Einige Mitglieder des Verbandsgemeinderates und der Erste Beigeordnete Wolfgang Kühn (SPD), der für den Bereich Feuerwehr zuständig ist, haben die Übung verfolgt. „Unsere Feuerwehr ist sehr gut aufgestellt. Die Verbandsgemeinde macht viel für die Feuerwehr, sie hat mehr Ausrüstung als notwendig und das ist auch gut und richtig“, sagt der Erste Beigeordnete.