Speyer Europäische Besinnlichkeit

Das nun schon traditionelle Speyerer Adventssingen in der Kirche St. Bernhard mit dem Kinder-Projektchor, dem Chor der Dompfarrei und einer Instrumentalgruppe vereinte am Sonntagnachmittag alle Generationen.
Zwischen Plätzchenbacken, Weihnachtsmarkt und der üblichen Hektik am Jahresende kommt die Sehnsucht nach der Adventszeit, wie man sie, sicher verklärt, aus der eigenen Kindheit kennt, mit Kerzenschein und Tannenduft und wesentlich weniger Stress und mit Kindern, die aufs Christkind warten und ihm zu Ehren fleißig Weihnachtslieder eingeübt haben. Diese Sehnsucht befriedigte dieses Adventssingen. Die Kinder spielen hier die Hauptrolle. Sie hatten sich zusammen mit Monika Keggenhoff, die die Gesamtleitung hatte, etwas Besonderes einfallen lassen: Wie feiern denn die Kinder in anderen europäischen Ländern? Da gibt es ebenso viele Unterschiede wie Ähnlichkeiten. Die Kinder erzählten von den Advents- und Weihnachtsfeiern der Kinder quer durch Europa und sangen dazu, abwechselnd oder gemeinsam mit dem Erwachsenenchor und unterstützt von der Instrumentalgruppe, deutsche und andere Weihnachtslieder. Auch die Gemeinde war beteiligt und sang kräftig mit, die deutschen Adventslieder sowieso und bei den anderen den Refrain in deutsch oder „ausländisch“, wie er auf dem Programm abgedruckt war. Das hatte viel von einer großen Familie unterm Adventskranz. Zunächst erzählte die kleine Nora von deutschem Advent und vom Nikolaus. „Macht hoch die Tür“ und „Lasst uns froh und munter sein“ konnten alle singen. In den Niederlanden ist der heilige Nikolaus, der „Sinterklaas“, der mit dem Schiff kommt, sogar noch wichtiger als bei uns, wie Jonas erzählte. Der Vorabend seines Namenstages, der 5. Dezember, wird so festlich wie bei uns Heiligabend gefeiert, und da ist auch die Bescherung. Wenn manchem das niederländische Nikolauslied „Zie gints kommt de stoomboot“ bekannt vorkam, war das kein Wunder, bei uns singt man darauf „Im Märzen der Bauer“. Eine schwedische „Luziabraut“ mit Kerzenkrone und langem weißen Hemd, begleitet von jungen Mädchen, sang. Von britischer Weihnacht unterm Mistelzweig erzählte Paul, und ein sehr lustiges Weihnachtslied von sehr armen Leuten kam aus Irland. Weihnachten auf polnisch nach langer Fastenzeit, sehr fröhliche Weihnacht auf spanisch, französische Weihnachtslieder und -bräuche und italienische Weihnacht mit der kleinen Hexe Befana, die dort am 6. Januar Geschenke bringt – und schon war der Kreis geschlossen mit dem Tiroler „Mettenjodler“ als Dreigesang und „Stille Nacht“ aus dem Salzburger Land, das aber überall in der Welt zur Weihnacht gehört. Die Instrumentalgruppe aus meist jugendlichen Musikern bot mit einem Stück den Kehlen etwas Ruhe ebenso wie Christoph Keggenhoff an der Orgel, ehe alle Sänger und Musiker in den großen Schlusschor „Tollite hostias“ aus dem Weihnachtsoratorium von Camille Saint-Saens einstimmten.