Speyer Euphorie ist vorbei
Die anfängliche Euphorie der Fastenaktion von Dudenhofen und Römerberg ist vorbei. Standen die Teilnehmer früher Schlange, um sich zum Auftakt der Fastenzeit im Dudenhofener Rathaus wiegen zu lassen, kommen sie am vergangenen Samstag nur vereinzelt. Die Motivation derer, die sich heranwagen, ist dafür umso größer.
Nach über einer halben Stunde hat Sabine Westphal von der Verbandsgemeindeverwaltung erst drei vollständige Vierer-Teams und zwei noch nicht komplett besetzte Gruppen registriert. Einige Blätter mit Namen von Einzelkämpfern kommen dazu. „Wenn die Resonanz diesmal noch weniger ist als im vergangenen Jahr, müssen wir wirklich darüber nachdenken, ob wir mit der Aktion einmal pausieren“, sagt Westphal nachdenklich. Anfangs sei der Reiz des „Konkurrenzkampfes“ da gewesen: Dudenhofen gegen Römerberg sozusagen. Mit der Kommunalreform und dem neuen Titel „Die Verbandsgemeinde fastet“ ist der Wettbewerbssinn nicht mehr deutlich erkennbar. Trotzdem bleibt Westphal optimistisch: „Viele schicken mir noch zu Wochenbeginn E-Mails mit ihrem Gewicht, um sich noch aufnehmen zu lassen“, sagt sie und spricht aus ihrer Erfahrung in den vergangenen Jahren. Die Gruppe „Fun“ ist die erste, die sich eine viertel Stunde nach Rathaus-Öffnung am Samstag zum Wiegen einfindet. Ein Mann und drei Frauen – alle befreundet. Im vergangenen Jahr belegte die Gruppe den zweiten Platz im Mannschafts-Ranking. Der Spaß am gemeinsamen Abnehmen treibt Anja Kuss (44) ein zweites Mal an. Sonntags Sport, Verzicht auf Schokolade: So sieht ihr Programm in den kommenden sechs Wochen aus. Dass das Fasten für die Harthausenerin definitiv nicht leicht werden wird, weiß sie. „Der innere Schweinehund wiegt mindestens 150 Kilo und sitzt ständig auf mir drauf“, sagt Kuss und lächelt. Trotzdem: Dreieinhalb Kilo sollen weg, dann wäre sie zufrieden. Patrick Flöser (51) hat sich der „Fun“-Gruppe erstmals angeschlossen. Der Mann aus Berghausen geht die Sache gelassener an. „Ich mache ohnehin viel Sport und schnäke nicht. Jetzt gilt es eben, die Kohlenhydrate wegzulassen. Das habe ich schon mal gemacht, und es hat gut funktioniert“, erklärt er seine Grundregel bis Ostern. Acht Kilo würde er bis dahin gerne los werden. Claudia Baumung (32) nimmt die Fastenaktion zum Anlass, dem Schwangerschaftsspeck den Kampf anzusagen. Viel muss nicht runter, knapp vier Kilo, aber die sollen es jetzt durchaus sein. „Im November haben wir Nachwuchs gekriegt, und bis jetzt habe ich nicht mehr darauf geachtet, was ich esse“, erzählt Baumung. Deshalb will sie in den kommenden sechs Wochen genau hinschauen, welche kleinen Sünden sie sich gönnt. Die Tüte Chips am Abend fällt dabei ganz sicher flach. Nach gut einer halben Stunde darf Westphal den Vorjahres-Einzelsieger empfangen. Helge Harder (52) hat im vergangenen Jahr zehn Kilo „runter gemacht“. „Die sollen es wieder werden“, kündigt er an. Schließlich hat Harder 2017 auch das gleiche Startgewicht wie im Vorjahr. „An einer Titelverteidigung bin ich absolut nicht interessiert“, betont er, wohl wissend, dass die Fastenaktion keine nachhaltige Wirkung erzielt hat. Dennoch wird sich auch Harder in den nächsten sechs Wochen durchbeißen: mindestens drei-, viermal Sport in der Woche treiben, nur kalorienreduzierte Speisen zu sich nehmen und Weinschorle verdünnen. Am Gründonnerstag werden die Teilnehmer ein zweites Mal im Rathaus antreten. Wer beim Gang auf die Waage dann besonderen Grund zum Jubeln hat, wird sich zeigen.