Speyer Erfolgsgeschichte: Malerprojekt der städtischen Jugendförderung – Ausstellung bis 17. November
„Vielleicht stellt ihr irgendwann eine Etage höher in der Galerie Kulturraum aus“, meinte Bürgermeisterin Monika Kabs (CDU) angesichts der eindrucksvollen, teils großformatigen Bilder der jungen Künstler. „Ich habe vorher gar nicht gewusst, dass ich malen kann“, berichtete Nadine Lay von zunächst unbekannten Fähigkeiten.
Inzwischen hat sie zum sicheren Strich gefunden, der ihre „Tränenden Herzen“ oder das Bild „Hibiskus“ auszeichnet. Die frühere Schülerin der Förderschule im Erlich hat nach ihrer Ausbildung zur Landschaftsgärtnerin zum ersten Mal zum Pinsel gegriffen. Ihre Leidenschaft fürs Florale habe bereits zur Schulzeit begonnen, erzählt die 30-Jährige von der anhaltenden Liebe für alles, was grünt und blüht.
In der Ausstellung werden Werke gezeigt, die die Teilnehmer seit September 2021 unter der Anleitung der Projektleiter Lee und Dieter Schramm entwickelt haben. Wie eine Familie seien die Künstler der Malerwerkstatt zusammengewachsen, berichtete Lee Schramm von der besonderen Atmosphäre, die Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene dienstags von 16 bis 20 Uhr in die Räume der Jugendförderung führe, sie inspiriere und das Miteinander fördere.
„Sie feiern Geburtstage und Weihnachten zusammen, helfen sich bei den Hausaufgaben“, beschrieb Schramm das enge Zusammenleben neben der künstlerischen Auseinandersetzung. „Themen wählen die Künstler selbst, Materialien werden von der Stadt gestellt.“
Die Teilnahme der 45 Künstler an der Ausstellung sei freiwillig, betont die Projektleiterin. „Wir haben beide Kunst studiert, agieren aber nicht wie Kunsterzieher“, erklärte Schramm das Konzept des Malerprojekts, das seit drei Jahren Erfolgsgeschichte schreibt. „Alle Schichten sind vertreten“, betont die Projektleiterin.
Mit Yelizaveta Dolynska und Yelizaveta Sharlai waren zwei erst vor wenigen Wochen geflüchtete Mädchen aus der Ukraine dabei. „Ihr Deutsch ist noch ausbaufähig“, erklärt Schramm, warum die Künstler mit ihnen auf Englisch kommunizieren. „Sie lernen jeden Dienstag mehr Deutsch“, ist sie überzeugt.
Die an Staffeleien oder Malertischen entstandenen Arbeiten präsentierten die Vielfalt, die bildende Kunst zu bieten hat. Bilder, die aus dem Rahmen fallen oder daraus hervortreten, begegneten dem Betrachter. „Akkurate Engel“ hat Victoria Schäfer die Arbeit in Acryl auf Holz genannt, die Blicke von allen Seiten auf den Betrachter richtet.
„Wir inspirieren und helfen uns.“ Ayse Nur Günay ist seit mehr als zwei Jahren Mitglied des Malerprojekts und begeistert wie am ersten Tag. „Ich habe sehr viel über Kunst gelernt“, betonte sie vor ihren Werken – Frauengestalten, die ihre Geheimnisse nur teilweise preisgeben.
Termine
Ausstellung, bis 17. November im Erdgeschoss des Sophie-la-Roche-Hauses, Maximilianstraße 99. Geöffnet samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr, donnerstags und freitags von 16 bis 18 Uhr. Offene Malerwerkstatt dienstags von 16 bis 20 Uhr.