Speyer Endlich wieder befahrbar
Kurz und schmerzlos verlief gestern die Wiedereröffnung der Schützenstraße. Nach gut einem Jahr Bauzeit, verbunden mit etlichen langen Umwegen und Einschränkungen im innerörtlichen Verkehr, hat ein tiefenentspannter Oberbürgermeister höchstpersönlich die letzte Absperrung von der Straße geräumt.
Es schien, als wollten es die Autofahrer noch nicht so recht glauben. Punkt 10 Uhr begannen gestern die Ampeln an der Kreuzung vor der Gedächtniskirche ordnungsgemäß zu schalten. Etliche Minuten dauerte es danach, bis von der Oberen Langgasse her der erste Wagen angerollt kam. „Die freut sich ja gar nicht“, rief Barbara Fresenius von der Stadtpressestelle perplex und winkte der Dame hinterm Steuer zu: „Die Schützenstraße ist wieder auf.“ Dass sich die Euphorie der Autofahrerin in Grenzen hielt, erklärte sich beim Blick aufs Nummernschild: MZG (Merzig/Saarland). Dafür aber freute sich die Wagenführerin über die wohl unerwartete überschwängliche Freundlichkeit in der Domstadt. Mit breitem Grinsen winkte sie Fresenius zurück. Den Jubel aus dem Volk spendete zur Zufriedenheit der Verantwortlichen wenig später stellvertretend eine Radfahrerin, die im Vorbeisausen ihre Erleichterung über die Wiederbefahrbarkeit der Schützenstraße in ein lautstarkes „Endlich“ packte. Daumen hoch, aufatmendes Lächeln, endlich am Ziel – Oberbürgermeister Hansjörg Eger (CDU) verbarg nicht, dass er mit Abschluss der Bauarbeiten wohl mehr als drei Kreuze geschlagen hat. Für ihn waren es „gefühlte 100 Jahre“, in denen die Baustelle „Umleitungen für alle und unliebsame Überraschungen für die Bauverwaltung“ bereitgehalten hatte. Monatliche Mitteilungen weniger schöner Art habe es in der Zeit gegeben, unter anderem wegen Plänen, die nicht mit dem tatsächlichen Zustand des Straßenuntergrunds korrespondierten. Drei Millionen Euro ärmer, dafür aber glücklich fasste Eger zusammen: „Die Straße ist komplett neu gemacht, von oben bis unten – inklusive der Brücke von 1850.“ Das Lehrgeld, das beim Bau eben dieser Brücke von der Stadt gezahlt werden musste, vergaß der OB nicht: „Wir haben gelernt, dass es keinen Statiker gibt, der diese Brücke von 1850 freigeben könnte.“ Nicht „standardgetreu“ sei die nämlich gewesen. Letztlich wurde eine tragfähige Betonplatte eingebaut, „und ich bin heilfroh, diese kreative Lösung gefunden zu haben“, betonte Eger. Mit 1,2 Millionen Euro seien die Stadtwerke bei der Finanzierung mit im Boot gewesen, hätten sich unter anderem mit der Infrastruktur wie der Straßenbeleuchtung auseinandergesetzt und sich um die Erneuerung beziehungsweise Neuverlegung der Hausanschlüsse gekümmert. „Jetzt“, meinte Eger, „ist die Geduld der Anwohner genug strapaziert worden.“Dass die Wiedereröffnung für den Verkehr dem einen oder anderen möglicherweise wiederum nicht passen könnte, zog auch der OB in Erwägung. Er äußerte daher die Bitte, dass die zwischenzeitlich durch die Bauarbeiten eingetretene Streckenberuhigung nicht zur Forderung nach weniger Verkehr in der Straße führen möge. „Es gibt wieder grüne Lichter – und da sind wir froh drum“, hob er hervor.